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„Betriebsrat raus“

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Mit diesem Transparent haben Hoerbiger-Mitarbeiter ihren Unmut gegen den Betriebsrat zum Ausdruck gebracht.  hh
Mit diesem Transparent haben Hoerbiger-Mitarbeiter ihren Unmut gegen den Betriebsrat zum Ausdruck gebracht.  hh

Schongau - 70 Mitarbeiter der Hoerbiger Antriebstechnik stehen vor einer ungewissen Zukunft, denn die Geschäftsleitung plant ihre Entlassung. Doch den Zeitpunkt, wann ihnen der Stuhl vor die Tür gesetzt wird, kennen sie nicht. Jetzt richtet sich ihr Zorn auch gegen den Betriebsrat.

Es war eine Nacht- und Nebelaktion. Wer und wieviele Hoerbiger-Mitarbeiter dahinterstecken, ist geheime Kommandosache. „Wir wollen anonym bleiben“, sagte der Anrufer, der gestern die Heimatzeitung informierte. Fest steht: Gestern früh hing an dem Betriebsgebäude der Hoerbiger Antriebstechnik (Bernbeurener Straße) in luftiger Höhe ein großes Transparent. Die Worte darauf waren schon von weitem sichtbar: „Ihr wollt unser BR sein? Spielt nicht mit unsere Arbeitsplätze! BR raus! Unser Wunsch zu Weihnachten“.

„Waghalsiges

Unternehmen“

Das Transparent ist allem Anschein nach vom Dach aus über dem Fenster des Betriebsrats angebracht worden. Mit Sicherheit ein waghalsiger Unternehmen. Deshalb ist auch der Sicherheitsbeauftragte von Hoerbiger in Kenntnis gesetzt worden.

Reinhold Kernbach, Betriebsratsvorsitzender der Hoerbiger Antriebstechnik, kann den Unmut der von der Entlassung bedrohten Mitarbeiter durchaus verstehen. Im September hatte Siegmar Schlagau (Leiter der Antriebstechnik) bei einer Pressekonferenz von rund 70 Entlassungen gesprochen - „weil über zwei Quartale hinweg Aufträge weggebrochen sind.“ Die Menschen, um die es geht, wissen auch kurz vor Weihnachten - also einige Monate später - immer noch nicht, wie der Stand der Dinge ist. Und deshalb nehmen sie nun auch den Betriebesrat ins Visier.

Doch was soll der Betriebsrat tun? „Wir haben die Personalplanung für 2013 mehrfach angefordert, aber nicht bekommen“, sagt Reinhold Kernbach in aller Deutlichkeit in Richtung Geschäftsleitung. Und solange man diese Personalplanung nicht in den Händen habe, sei es für den Betriebsrat schwer, konkrete Maßnahmen zu unternehmen.

Den Unmut der Hoerbiger-Mitarbeiter kann man auch deshalb nachvollziehen, weil auf der einen Seite Entlassungen anstehen, auf der anderen Seite aber mehr Leiharbeiter angefordert werden - weil mehr Arbeit ansteht.

„Solange der Leiharbeiter neben Dir arbeitet, ist Dein Arbeitsplatz sicher“ - mit diesen Worten sind die Hoerbiger-Beschäftigten bisher angeblich immer vertröstet worden.

Von der Geschäftsleitung der Hoerbiger Antriebstechnik war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Der Chef selber war nicht im Hause. Siegmar Schlagau hatte sich wegen eines Trauerfalles entschuldigen lassen.

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