Befreundete Genies: Pianistin Masha Dimitrieva und der verstorbene Komponist Gordon Sherwood. Foto: archiv

"Bettelkomponist" Gordon Sherwood verstorben

Herzogsägmühle - Gordon Sherwood, der vielleicht größte unbekannte Komponist der Welt, ist in Herzogsägmühle (Landkreis Weilheim-Schongau) verstorben. Er wurde 83 Jahre alt.

Herzogsägmühle - Er war ein Geschenk für den Ort. Ein Genie. Ein ganz besonderer Mensch, sagt Wilfried Knorr, Direktor der Herzogsägmühle in Peiting. Gordon Sherwood. Der größte unbekannte Komponist der Welt, wie er sich selbst nannte, verbrachte seinen Lebensabend im Pflegeheim im Sozialdorf. Nun ist Sherwood mit 83 Jahren friedlich verstorben.

Acht Jahre lang hat der Amerikaner im Seniorenheim Schöneckerhaus in Herzogsägmühle gelebt. „Es war nicht immer leicht mit ihm“, sagt Knorr. Er habe von seinem Sonderstatus gewusst. Forderungen wie separates Essen - Sherwood war Veganer - sowie ein größeres Zimmer mit Klavier hatte er an sein Heim.

Geselligkeit war nicht unbedingt sein Ding. „Er war ein eher zurückgezogener Mensch“, sagt Knorr. „Besuchte ich ihn, war er jedoch aufgeschlossen.“ Zwar ging es in diesen Gesprächen meist um seine eigene Befindlichkeit, trotzdem beschreibt ihn Knorr als angenehmen Gegenüber. Oft hat Sherwood am Fenster gesessen. Nach draußen in die Natur geblickt. Sich dabei an seine Kindheit in Illinois/USA erinnert.

Die Welt und was dort passierte, habe Sherwood nicht besonders interessiert. Ihm war seine ganz eigene Welt wichtig. Die Welt der Klänge. „Hat er von Kindheitserinnerungen erzählt, ging es nicht um bestimmte Erlebnisse. Er erzählte immer von Klängen.“

Obwohl ihm bereits mit nur 23 Jahren der Durchbruch gelang, lebte er ohne Ruhm und Reichtum. Der dritte und vierte Satz seiner preisgekrönten ersten Sinfonie wurden in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt. Das Händchen für eine Vermarktung seiner Musik fehlte ihm jedoch. Er reiste lieber um die halbe Welt. Indien, Kenia, Japan und Lateinamerika sind nur eine Auswahl seiner Aufenthaltsorte. Ein unstetes Leben. Viele Jahre lang lebte er dann auf den Straßen von Paris. Mittellos. Als Obdachloser. Sein Spitzname: der Bettelkomponist. Über 130 Werke entstammen seiner Feder.

Er habe immer gesagt, hätte er einen Manager, dann wäre alles gut, sagt Knorr. „Er hat gewusst, dass er ein Genie ist. Und hat darunter gelitten, dass es nicht die ganze Welt weiß.“ Gelitten hatte er auch, weil er zuletzt nicht mehr komponieren konnte. Sein Körper war gebrechlich und schwach. Mehrere kurze Krankenhausaufenthalte folgten. Während seines letzten verstarb er. „Er ist an Altersschwäche friedliche gestorben“, sagt Knorr.

Wann eine Beerdigung stattfindet, ist noch nicht bekannt. Es hänge alles von Sherwoods Testament ab. Es heißt, er habe darin die eng befreundete, russische Pianistin Masha Dimitrieva bedacht. „Dann müssten wir alles weitere mit ihr absprechen“, sagt Knorr. „Genaueres zur Beerdigung, zu der mit Sicherheit Komponisten und Musiker aus der ganzen Welt anreisen werden, wird noch bekannt gegeben“, kündigt Knorr an.

Carolin Nuscheler

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