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Für Bonner Museum: Böbinger Bildhauerin schuf Mahnmal gegen Gewalt an Frauen

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Von: Magnus Reitinger

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Bildhauerin Andrea Kreipe bei ihrer Arbeit an ihrer Skulptur.
Bildhauerin Andrea Kreipe bei ihrer Arbeit an ihrer Skulptur. © Isabel Fink

Der Hintergrund ist bedrückend, das Ergebnis beeindruckend: Die Böbinger Bildhauerin Andrea Kreipe hat für das Frauenmuseum Bonn ein Mahnmal gegen die Gewalt an Frauen geschaffen.

Böbing/Bonn – Eigentlich gab es die Skulptur ja schon, mit der das Frauenmuseum Bonn auf die weltweite Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen wollte. Mitte 2018 sollte im Hof des Museums in der Bonner Altstadt eine Mädchenstatue aufgestellt werden, die an die so genannten „Trostfrauen“ im 2. Weltkrieg erinnert – an zehntausende Frauen, vor allem junge Koreanerinnen, die für die japanischen Kriegsbordelle zwangsprostituiert und als Sexsklavinnen missbraucht wurden. Ein Künstlerpaar aus Korea hat dazu eine „Mädchenstatue für den Frieden“ geschaffen, einige Exemplare davon stehen in einem halben Dutzend Ländern weltweit. Dabei brach jedoch der Konflikt zwischen Japan und Korea wieder auf, und das Frauenmuseum Bonn verzichtete aufgrund von Protesten darauf, diese Skulptur zu errichten.

„Macht die Statue doch selber!“, sagte die Leiterin des japanischen Frauenmuseums bei einer Tagung zum Thema in Bonn. Das tat das dortige Frauenmuseum denn auch – und schrieb einen Wettbewerb aus: Bildhauerinnen sollten ein eigenes „Mahnmal gegen die Gewalt an Frauen“ schaffen: figürlich, lebensgroß, als Bronzeguss, so die Vorgaben. 50 Künstlerinnen aus ganz Deutschland reichten Entwürfe ein; die Jury entschied sich im Sommer 2019 für den von Andrea Kreipe aus Böbing. Gegossen von der renommierten, 1690 gegründeten Glocken- und Kunstguss-Manufaktur „Petit & Gebr. Edelbrock“ in Gescher bei Münster, wird die 1,80 Meter hohe Bronze am kommenden Sonntag, 8. März, dem Internationalen Frauentag, im Hof des Frauenmuseums Bonn enthüllt.

Böbinger Bildhauerin Andrea Kreipe hat lange an ihrer Skulptur gearbeitet

Monatelang hat Kreipe am Wachsmodell ihrer Skulptur gearbeitet, sich dabei intensiv mit der Situation der Frau in der Gesellschaft auseinander gesetzt – einem Thema, das sie schon während des Studiums an der Kunstakademie München beschäftigt und seither nicht losgelassen hat. Berichte von misshandelten Frauen etwa im Bosnien-Krieg haben sie ebenso tief berührt wie Gespräche im eigenen Bekanntenkreis: „Ich kenne fast keine Frau, die nicht selber schon Übergriffe erlebt hat“, sagt die 62-jährige Künstlerin.

Ihr Mahnmal zeigt nun eine Frau, die sich schützt, die sich auch schämt – und die vor allem „einen Schritt raus aus dieser existenziellen Situation macht“, wie die Bildhauerin erklärt: „Ich will die Hoffnung aufzeigen, dass sie ihr Leben wieder in den Griff kriegen kann. Und das kann sie nur, indem sie sich wegbewegt.“ In der massiven Bodenplatte der Skulptur sind deutliche Abdrücke von Händen zu erkennen. „Weil Gewalt mit den Händen ausgeübt wird“, so Kreipe – „ob nun als körperliche Gewalt oder auch mit der Computertastatur“.

Staute von Böbinger Bildhauerin im Bonner Museum: Enthüllung am Sonntag

Ursprünglich sollte das Mahnmal schon im vergangenen November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufgestellt werden. Doch ob des aufwendigen Herstellungsprozesses – die mehrteilige Gussform besteht aus Silikon, Eisen und Gips – war dieser Termin nicht zu halten. Nun findet die Enthüllung im Rahmen einer Matinee am Internationalen Frauentag statt. Im Beisein des Bonner Oberbürgermeisters gibt es dazu einen Vortrag, Musik und eine Theaterperformance.

Um den idealen Standort für die „Friedensstatue“ – wie das Museum das Mahnmal nun nennt – zu finden, fuhr Kreipe vor Wochen schon mit einer „Phantomdarstellung“ ihres Werks nach Bonn. Bei dieser Gelegenheit hat sie das dortige Frauenmuseum selbst erst kennengelernt. Und war beeindruckt. Das 1981 gegründete Museum, in einem Neubau in der Altstadt untergebracht, ist „überraschend groß“, berichtet die Bildhauerin, es biete sehr fundierte, stets themenbezogene Ausstellungen samt Museumspädagogik und leiste wichtige Forschungsarbeit. Auch ein gut bestückter Museumsshop und ein Café gehören zu dem Komplex. Kreipes Bronzestatue im Innenhof ist übrigens jederzeit frei zugänglich.

Weitere Werke von Bildhauerin Andrea Kreipe aus Böbing werden gezeigt

So schwer das Thema ihrer Bonner Skulptur auch ist: Andrea Kreipe – von der übrigens auch das imposante „Geschichtsband“ am Mittleren Graben in Weilheim stammt – hat die Arbeit an dieser lebensgroßen Figur „wahnsinnig Spaß gemacht“, wie sie erzählt. „Und ich habe mich sehr gefreut, dass diese Art von Arbeit, die ich schon so lange mache, jetzt solche Resonanz gefunden hat.“

An Resonanz mangelt es der Künstlerin, die 1957 in Hannover geboren ist, aber seit Jahrzehnten in Böbing lebt, derzeit ohnehin nicht. Ab 18. März sind Grafik-Arbeiten von ihr bei der „Art Brussels“ zu sehen, es folgen größere Ausstellungen im „Malura Museum“ Oberdießen und in der Münchner Orangerie. Auch bei der nächsten Gemeinschaftsschau des Kunstforums Weilheim (das sie vor 20 Jahren mitgegründet hat und dessen Kunstmessen in der Stadthalle sie leitet) ist Kreipe wieder vertreten. Das Thema im Stadtmuseum heißt dann „Menschenbilder“. Und dazu hat Andrea Kreipe nun wirklich höchst Eindrucksvolles – und ganz Aktuelles – beizutragen.

Weitere Informationen über die Künstlerin und das Bonner Frauenmuseum im Internet: www.frauenmuseum.de sowie www.andrea-kreipe.de.

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