Das festlich geschmückte Feuerwehrauto aus Wildsteig dient bei der Prozession als rollende Mikrofonanlage.
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Das festlich geschmückte Feuerwehrauto aus Wildsteig dient bei der Prozession als rollende Mikrofonanlage.

Besondere Prozession

In Böbing gab es den Fronleichnams-Segen aus der Arbeitsbühne

Die Prozession an Fronleichnam ausfallen lassen, kam für Böbings Bürgermeister Peter Erhard nicht in Frage. Der Pfarrer wurde einfach durchs Dorf gefahren. 

Böbing – „Gar nichts machen, ist doch keine Lösung.“ So hörte man Böbings Bürgermeister Peter Erhard am Fronleichnams-Donnerstag reden, als er die letzten Handgriffe an dem Gemeindebulldog anlegte. Recht hat er. Die Pfarrgemeinde hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die traditionelle Fronleichnams-Prozession stattfinden zu lassen. Das Gemeindeoberhaupt selbst steuert das Ungetüm später durch die Straßen – inklusive großer Arbeitsbühne, von der aus Pfarrer Josef Fegg den Segen spendet. Die Bühne ist von Walli Schwaiger mit leuchtendem Blumenschmuck und Girlanden versehen worden. 

In den vergangenen Jahren hat Schwaiger die Mariengrotte geschmückt, in diesem Jahr ist es der Massey Ferguson mit seinen 110 PS. Farbe: Liturgisches Rot. High-Tech steht bereit, und Nostalgie fährt um die Ecke mit. In einem Magirus Deutz Feuerwehrauto aus dem Baujahr 1963 wird Pfarrer Fegg von Martin Saal nach Böbing gebracht. Umsteigen in die improvisierte Kanzel, Kirchengeläut und donnernder Salut durch vier Böllerschützen des örtlichen Schützenvereins. Wirklich nicht zu überhören, Leonhard Gretschmann und seine Mannen haben gut geladen. Der Bürgermeister gibt anschließend behutsam Gas. Sogar das kann er. Das Ungetüm rollt an den wartenden Gläubigen vorbei. 

Fotostrecke

Ruhestandspriester Georg Kirchmeir ist bei Prozession in Böbing dabei

Zwischenstopp am Pfarrhaus: Dort ist die neue Georgsfahne auf einem Tisch ausgebreitet. Pfarrer Josef Fegg weiht das kostbare Stück, segnet die Gläubigen. Unter ihnen seitlich zu erkennen ein wirklich bekanntes Gesicht. Sichtlich bewegt und nachdenklich. „Fronleichnam 2020, das werden wir nie vergessen“, lauten die Worte von Ruhestandspriester Georg Kirchmeir. Lange blickt er auf das Bild des Hl. Georg. 

Ruhestandspriester Georg Kirchmeir neben der frisch geweihten Fahne des Heiligen Georg.

Pfarrer Fegg ist indes wieder in seiner rollenden Kanzel zurück. Per Hydraulik wird nach oben gehoben. Der Tross setzt sich in Bewegung. Vorne der Bulldog, dahinter der nostalgische Magirus Deutz mit der mobilen Lautsprecheranlage. Am Rathaus vorbei geht es in Richtung Kriegerdenkmal. Dort wartet ein langes Spalier der örtlichen Vereine mit Fahnen. Trachtenverein Schnalzbergler, Feuerwehr, Veteranenverein, König Ludwig Verein. Und was selten in dieser Formation zu sehen ist: die Blaskapelle ohne Instrumente als Ehrenformation. 

Fronleichnamsprozession durch Böbing: Gelebte Tradition in einer nicht einfachen Zeit

Fast zwei Kilometer legt der Pfarrer so auf Rädern zurück, an drei Stationen gibt es ein kurzes Innehalten – untermalt durch die Böllerschützen. Gelebte Tradition in einer nicht einfachen Zeit. Wie sagte Ruhestandspriester Georg Kirchmeir noch: „Fronleichnam 2020 werden wir nie vergessen.“

VON HANS-HELMUT HEROLD

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