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Sie ist die Hauptveredlerin im Wolfsrudel: Die Böbingerin Katharina Bertl will mit der Deutschen Mannschaft „Butcher Wolfpack“ im kommenden Jahr die Weltmeisterschaft der Metzger in den USA gewinnen.

Böbingerin im Team „Butcher Wolfpack“

Vor Metzger-WM ist Katharina Bertl auf Info-Trip in die USA

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Der Weg nach Sacramento ist lang und steinig: Im Herbst 2020 wird sich die Böbingerin Katharina Bertl in Kalifornien im deutschen Team „Butcher Wolfpack“ mit den besten Metzgern der Welt messen. „Wir wollen die WM gewinnen“, sagt die 32-Jährige selbstbewusst. Sie ist in kürzester Zeit zu einer wichtigen Säule der Mannschaft gereift.

Böbing– Erst im Frühjahr dieses Jahres war die Böbingerin bei einem Casting ins Deutsche Metzger-Nationalteam gerutscht (wir berichteten). Ein halbes Jahr später ist sie aus dem „Butcher Wolfpack“ gar nicht mehr wegzudenken. Zusammen mit den erfahrenen Kollegen, die schon 2018 bei der WM in Irland einen respektablen 7. Platz erkämpften, will die 32-Jährige jetzt den Titel nach Deutschland holen.

Auf dem Weg dorthin warten auf die gelernte Metzgereifachverkäuferin noch etliche Termine. Dazu gehören neben den regelmäßigen Trainingseinheiten in der Fleischerschule in Augsburg vor allem Termine mit Sponsoren. Denn die Reisekosten der Mannschaft und die ganzen Gerätschaften, die nach Übersee verschifft werden müssen, gehen ins Geld. Das „Wolfpack“ muss zusehen, dass es genügend Mittel zusammenbringt. Andernfalls müssen die Teammitglieder ihre Privatkassen plündern, um zur WM zu kommen. Ihr Engagement für das Deutsche Metzgerhandwerk ist rein ehrenamtlich.

Länderspiel in der Fleischerei: Katharina Bertl (r.) mit Teilnehmerinnen aus Italien und Frankreich.

Katharina Bertl hatte jüngst die Ehre, die Austragungsstätte des Spektakels schon mal in Augenschein zu nehmen. In Vertretung des verhinderten Teamchefs Dirk Freyberger durfte sie zum „Captains Run“ nach Sacramento reisen. „Die Arena ist der Oberwahnsinn“, berichtete die 32-Jährige nach ihrer Rückkehr. 10 000 Leute werden dabei sein, wenn die Metzger aus aller Welt die geschlachteten Tiere zerlegen und das Fleisch appetitlich herrichten. In Workshops lernte Bertl in den USA nun schon die Juroren der WM kennen und hatte sogar einen Auftritt im Fernsehen. „Es war toll, die Leute haben mir auf die Schulter geklopft“, freut sich die Böbingerin über die Anerkennung des Fleischer-Berufs in Amerika. „Da hast du keine militanten Veganer, die sich mit Plakaten vor dich stellen“, so Bertl. In Deutschland sei ihr das schon passiert.

Besuch bei Tieren, die für die WM gezüchtet werden

Ein Busstunde entfernt von der Hauptstadt des US-Bundesstaates bekam die Böbingerin auf einer Farm auch schon mal die Tiere zu Gesicht, die für die Weltmeisterschaft in Sacramento gezüchtet werden. „Ein Traumfleisch mit super Qualität“, ergab der fachmännische Blick der Böbinger Metzgereifachverkäuferin, die seit drei Jahren die einzige auswärtige Filiale der Murnauer Großmetzgerei Haller in Bad Tölz leitet. Nach ihrer Reise freut sich die Böbingerin jetzt noch mehr auf den Ländervergleich im kommenden Jahr.

Zum Anbeißen: Die Fleischkreationen bei dem Nationenvergleich in Augsburg.

Bevor es soweit ist, hat das „Wolfpack“ noch einige Freundschaftsspiele vor der Brust. Kürzlich hatte das „Wolfpack“ zu einem in die Fleischerschule nach Augsburg geladen. Und die europäische Elite aus Frankreich und Italien ließ sich nicht lange bitten. Die Teams hatten die Aufgabe, in 50 Minuten ein halbes Schwein und einen Lammschlegel zu zerlegen, auszubeinen, weiter zu verarbeiten, küchenfertig herzurichten und Bratwürste herzustellen, erläutert Bertl das Prozedere. Am Ende gab es nur Sieger: „Frankreich gewann die beste Präsentation, wir das beste Teamplay und Italien, das auch den Gesamtsieg feierte, hatte die besten Würste, berichtet Bertl. Nach einem gemeinsamen Oktoberfestbesuch und einem „Weißwurstseminar“ traten die Gäste beschwingt die Heimreise an. Bertls Fazit: „Das Länderspiel war grandios.“

Ein knappes Jahr bleibt dem „Wolfpack“ nun noch, weiter an den Details zu feilen. Der Böbingerin ist nicht bange. Sie ist als Hauptveredlerin des Teams eine Meisterin ihres Fachs. Sie zaubert raffinierte Kreationen aus Fleisch und Wurst, die Ideen zum Garnieren sprudeln nur so aus ihr heraus. Und das schätzen die Kollegen im Wolfsrudel natürlich genauso wie die fröhliche Art der Böbingerin. „Sie ist einfach zu ansteckend“, heißt es.

Konzept für Sacramento ist noch geheim

Für die WM haben sich die Wölfe nun etwas ganz Besonderes ausgedacht, bei dem natürlich auch die Böbingerin ihre Finger mit im Spiel hatte. Mit welchem Konzept die Mannschaft in Sacramento an den Start gehen wird, darf aber noch nicht verraten werden. Nur soviel: „Wir brauchen einen Kutter“, sagt Bertl. Die Maschine wird in Metzgereien und Gewerbeküchen zum starken Zerkleinern und Vermischen von Fleisch verwendet. Die Jury in Kalifornien war allerdings nicht sonderlich begeistert von dem Sonderwunsch aus Deutschland. Doch dann kam Bertl, die mit ihrem gewinnendem Lachen die Juroren im Handumdrehen um den Finger wickelte: Der Kutter darf nach Sacramento.

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„Mit Fleisch und Seele“ für Deutschland: Böbingerin darf zur Metzger-WM.

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