Einer der ersten auf dem Bromberg-Hang: Frederik Mayet hatte sich den Skispaß in Böbing gegönnt. Nun ist der Lift aber wieder geschlossen.
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Einer der ersten auf dem Bromberg-Hang: Frederik Mayet hatte sich den Skispaß in Böbing gegönnt. Nun ist der Lift aber wieder geschlossen.

Absagen auch in Nachbarlandkreisen

Aus für den Skilift zum Mieten: Bromberglift-Betreiber und Gäste kritisieren die Entscheidung

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Skilifte in Corona-Zeiten - das bleibt in Bayern nun wohl doch ganz und gar verboten. Die Behörden zogen die Genehmigung für den Bromberglift zurück.

Update vom 19. Januar 2021: Die Piste am Bromberg ist bestens präpariert an diesem wunderschönen Wintertag. Alleine: Die Pisten-Gaudi ist bereits nach vier Tagen wieder vorbei. Von ganz oben, nämlich vom Gesundheitsministerium, wurde der Betrieb der kleinen Liftanlage untersagt. Angeblich, so hat man es Betreiber Christoph Erhard gesagt, sei die Angelegenheit nach Bekanntwerden der Liftöffnung im kleinen Böbing gar zur Chef-Sache geworden. „Jetzt weiß anscheinend auch der Herr Söder, wo der Bromberg-Lift ist.“

Dabei hätte es so schön sein können – ein kleines Stück Normalität für eine Stunde. Kopfschüttelnd steht Christoph Erhard unten am Berg. Irgendwie haben sich die Ereignisse der vergangenen Tage überschlagen. Von langer Hand war die hygiene-konforme Öffnung des Lift-Betriebs immer in guter Zusammenarbeit mit dem Landratsamt geplant gewesen.

Bromberglift in Böbing: Gesamter Januar war bereits ausgebucht

Die Nachricht von der einzigen Lift-Öffnung in ganz Bayern schlägt dann auch am vergangenen Wochenende ein wie eine Bombe: Hunderte rufen am Samstag bei Betreiber-Familie Erhard an. Das Telefon will nicht mehr stillstehen. Binnen kürzester Zeit sind für den gesamten Januar alle Termine an den beiden Liftanlagen ausreserviert. „Wir hätten den Lift von sieben Uhr morgens bis 19 Uhr mit Flutlicht durchlaufen lassen können.“

Aber irgendwie hatte Christoph Erhard schon einen Riecher. „Für Februar haben wir erst mal keine Reservierungen angenommen – wohl wissend, dass da noch etwas dazwischen kommen könnte.“ So sollte es dann auch wenig später sein: Bereits am Montag schaltet sich das Bayerische Gesundheitsministerium ein. Familie Erhard muss ihre Liftanlage schließen.

Lift-Betreiber müssen allen absagen - Familie hat kein Verständnis für Entscheidung

Die Begründung ist, nun ja, kompliziert: „Der Betrieb von Seilbahnen, soweit diese gewerblich betrieben und für Freizeitaktivitäten genutzt werden“, sei laut Infektionsschutzmaßnahmenverordnung untersagt. „Der Betrieb der Seilbahn und die Gebrauchsüberlassung zur Nutzung durch einen Hausstand erfolgt im konkreten Fall wohl bestimmungsgemäß für das Skifahren und Rodeln und damit zum Zwecke der Freizeitaktivitäten, ggf. auch zu touristischen Zwecken. Im Übrigen ist der Betrieb eines Ski-/ Schleppliftes auch untersagt, da Freizeitaktivitäten gewerblich weder unter freiem Himmel noch in geschlossenen Räumen angeboten werden dürfen.“

Den Bromberg-Lift in Böbing ganz für sich alleine hatte am Wochenende Familie Schwägerl aus Wilzhofen.

Und schon wieder sitzen sie alle am Telefon. „Es wird bestimmt einen ganzen Tag dauern, bis wir allen abgesagt haben, die gebucht haben.“ Immerhin: Fast 200 Ski-Fans sind abzutelefonieren. Eine davon war Familie Schwägerl aus Wilzhofen, die bereits am Samstag und Sonntag am Bromberg-Lift Skilaufen war und für gestrigen Dienstag erneut gebucht hatte. „Es war ein Traum in Weiß und ein bisschen Normalität für unsere wintersportbegeisterte Familie“, sagt Mutter Renate Schwägerl. Für sie ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar: „Jetzt werden wir uns wieder in die stark frequentierten Schlittenhügel, Tourenski-Hänge und Langlaufloipen einreihen. Wo ist die Ansteckungsgefahr wahrscheinlicher?“, fragt sie ironisch.

Lift-Betreiber haben diese Saison noch keinen Cent verdient

Über die Erhards war mit der Öffnung „eine regelrechte Welle über uns zusammengebrochen“, schildert Christoph Erhard den Medienrummel um Bayerns einzige laufende Liftanlage: dpa, Online-Magazine, Bildzeitung, Sat.1, Antenne Bayern, Radio Gong. Der Bromberg-Lift wurde über Nacht zum Medien-Hit.

Doch von all der Aufmerksamkeit kann die Betreiber-Familie jetzt leider auch nicht herunter beißen. Bis jetzt ist noch kein Cent verdient. Noch nicht mal die Kosten vom vergangenen Jahr für TÜV und Versicherung sind gedeckt. Schließlich ist das Geschäft mit einer kleinen Lift-Anlage wie dem Bromberg-Lift nicht gerade eine Goldgrube. „Aber so einen Lift, den gibst nicht so schnell auf. Meine Familie macht das hier seit 50 Jahren.“

Wie schön wäre es da, würde der Böbinger Bromberg im Schwarzwald liegen. Dort dürfen die Familie auf die Piste. Unter Einhaltung des gleichen Hygiene-Konzepts, an das man sich auch in Böbing streng gehalten hat. Hinzu kommt: Durch die Aktion hätte man auch den regen Schlitten-Betrieb auf dem Hang geordnet bekommen. Viele Schlitten-Gruppen haben nämlich von Abstand nicht viel gehört, gibt Erhard zu verstehen. Die Sperrung, die Schlitten- vom Ski-Vergnügen getrennt und Ordnung in die Sache gebracht hat, muss er jetzt auf dem öffentlichen Pistengrund wieder abbauen.

Jetzt darf sich wieder alles munter mischen. Skifahrende Familie ausgenommen. Die sitzen ja jetzt wieder zu Hause.

Update vom 18. Januar 2021: Kurz vor dem Wochenende kam der Schnee, und so herrschte am Böbinger Bromberglift im Landkreis Weilheim-Schongau in den vergangenen Tagen reger Skibetrieb. Möglich machte das eine Idee der Liftbetreiberin Steffi Erhard und ihrer Familie. Nach langen Verhandlungen mit dem Ordnungsamt bekamen sie die Genehmigung, ihren Lift stundenweise an eine Familie mit maximal einer weiteren Begleitperson zu vermieten.

Kostenpunkt: 110 Euro pro Stunde für den großen Schlepplift, nur mit vorheriger Anmeldung. Die Aktion sprach sich schnell herum, schon kurz nach der Ankündigung waren alle buchbaren Termine fürs Wochenende vergriffen. Doch die Freude währte nicht lange – am Montagabend teilte das zuständige Landratsamt mit, dass die Genehmigung zurückgezogen wird.

Das Konzept hatte zwischenzeitlich Begehrlichkeiten bei anderen Skiliftbetreibern weckt. So scharrten etwa auch Tobias Papistock von den Wankliften in Oberammergau oder Ferdinand Meiler vom Steckenberglift in Unterammergau im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen mit den Hufen. Sie hätten ihre Lifte ebenfalls gerne vermietet – „damit wir als kleiner Lift wenigstens ein paar Einnahmen haben“, sagt Meiler. Doch das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen spielt nicht mit.

Liftbetreiber: „Es besteht null Risiko“

„Wir machen das nicht“, betont Sprecher Stephan Scharf. Die Behörde habe sich in dieser Frage auch mit dem Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen abgestimmt. Beide hätten sich entschlossen, keine entsprechenden Genehmigungen zu erteilen. Zwar laufe noch eine Anfrage an die Regierung, wie mit dem Wunsch der Liftbetreiber zu verfahren sei. Doch Scharf macht wenig Hoffnung. Einen Lift zu öffnen, das würde aus Sicht des Landratsamtes alle Anstrengungen im Infektionsschutz ad absurdum führen.

Die Liftbetreiber sehen das naturgemäß etwas anders. „Es besteht null Risiko“, sagt Tobias Papistock. Der Betrieb für die Profisportler funktioniere schließlich auch. Allerdings gibt es auch Liftbetreiber, die mit der Teilöffnung wenig anfangen können. So etwa Oberaus Bürgermeister Peter Imminger, dessen Gemeinde den Lift am Rabenkopf betreibt. Ein Betrieb für einzelne Skigäste kommt für ihn nicht infrage. „Wenn wir aufmachen, dann für alle.“ cf/bas

Ganz corona-konform: Bromberg-Alm bei Böbing vermietet Skilift stundenweise - Aktion schlägt ein

Meldung vom 15. Januar 2021: Böbing – Auf diese Nachricht haben Skifahrer gewartet: Ganz vorsichtig, ohne Aufsehen erregen zu wollen, hat Familie Bußjäger aus Böbing die Botschaft der Freude auf der Facebook-Seite des „Bromberglifts“ gepostet: Einzelne Familien können den Lift am Böbinger Bromberg ab sofort stundenweise mieten. Es hat nicht lange gedauert, da waren alle Zeitfenster fürs Wochenende ausgebucht.

Ganz corona-konform mit Abstand und Maske: Skilift kann stundenweise gemietet werden

„Die Idee haben wir schon länger gehabt“, verrät Steffi Erhard von der Betreiberfamilie auf Anfrage. Alleine: Es fehlte am Schnee. Seit den vergangenen Tagen ist dieses Problem ausgeräumt. Vorausgegangen sind der Öffnung einige Verhandlungen mit dem Ordnungsamt. Viele Paragrafen regeln den winterlichen Sport-Spaß jetzt am Bromberglift. Aber egal, endlich ist alles unter Dach und Fach: Abstände, Masken – alles organisiert. Immer eine Familie mit exakt einer Begleitperson darf den Lift vorab (telefonisch) für eine Stunde buchen.

Noch vor dem Winterspaß steht der Infektionsschutz an erster Stelle, betont Steffi Erhard: „Es ist uns wichtig, Corona zu stoppen, um Normalität zu erreichen. Wir denken aber, wenn nur eine Familie an der frischen Luft Ski fährt und auf Abstände geachtet wird, sollte das klappen.“

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Bayern lesen Sie in unserem Ticker.

Corona-Lockdown in Bayern: Sport mit Abstand ist erlaubt

Schließlich ist Sport mit Abstand ja erlaubt. Mit Blick auf die Hunderte Schlittenfahrer, die an den vergangenen Wochenenden ohne Abstände und Masken den Bromberg gestürmt hatten, sollte das doch gut funktionieren. Apropos Schlittenfahrer: Die werden räumlich streng von den Skifahrern getrennt. So wollen es die Vorgaben aus Hygiene-Sicht.

Schlittenfahrer dürfen hinter der Gaststätte rodeln, die wird von Familie Erhard dafür auch extra präpariert. Geparkt wird am unteren Parkplatz, der ist ebenso geräumt wie der Parkplatz oben – der wiederum ist für die To Go-Gäste der Gaststätte und für die Skifahrer.

Für die Skifahrer gilt: Beim Bezahlen und Anstehen gilt auch innerhalb der Familie mit Begleitperson Maskenpflicht. „Falls wir beim Einsteigen in den Lift helfen müssen“, erklärt Steffi Erhard. Beim Abfahren können sich die Skifahrer dann komplett maskenfrei den Fahrtwind ins Gesicht blasen lassen. Immerhin drei Abfahrten von insgesamt 1700 Metern Länge sind besonders geeignet für Kinder und Anfänger. Doch auch Erwachsene dürften hier ihren Spaß haben. Schließlich sind das nun mal die einzigen befahrbaren Pistenkilometer weit und breit. Corona macht demütig – und dankbar. Auch für kleine Lichtblicke in diesem Winter.

Piste ist ab sofort für Tourengeher gesperrt

Wer den Lift bucht, hat die Piste top präpariert und für die ganze Familie alleine – denn die Piste ist ab sofort auch für Tourengeher gesperrt. Damit das Konzept auch aufgeht, ist es wichtig, dass die Skifahrer nur mit bestätigter Reservierung am Bromberg aufschlagen. Keine Anmeldung, keine Piste.

Der einsame Pistenspaß, der hat allerdings auch seinen Preis. 110 Euro kostet der große Schlepplift für eine Stunde für die ganze Familie plus Begleitperson. Den kleinen Lernlift – ein Seillift mit Bügeln – gibt es schon für 50 Euro pro Stunde. Wer jetzt denkt, das sei viel Geld, der muss jedoch auch den Aufwand bedenken, den Familie Erhard betreibt, um den Lift am Laufen halten zu können. Pisten präparieren, Parkplatz räumen, Toiletten vorhalten, am Lift beim Einsteigen helfen, die Zeiten durchplanen: „Wir haben einiges an Aufwand und natürlich auch Unkosten, die müssen irgendwie gedeckt werden“, erklärt Steffi Erhard.

Skifahren am Bromberg hat eine lange Tradition

Gemeinsam mit ihrem Mann Christoph organisiert sie das Geschäft am Bromberg-Lift mit den Schwiegereltern Maria und Werner Erhard. Die wiederum hatten im Jahr 2000 von Werner Erhards Eltern übernommen. Wie gut, dass Steffi und Christoph Erhard selbst drei Kinder haben. Und wer weiß: Vielleicht führen ja irgendwann Samuel (8), Anni (6) oder Romy (3) die Lift-Geschäfte weiter.

Zumindest eines dürfte sicher sein: Die drei jungen Böbinger zählen sicherlich zu den wenigen Kindern, die in diesem Jahr schon mal – dank Ausnahmegenehmigung – im Lift hinauf und mit den Ski am einsamen Hang den Berg hinunterfahren durften.

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