Im Notfall schnell zur Stelle sind die „First Responder“ der Feuerwehr Böbing. Corona-konform mit Abstand sind auf dem Foto von links zu sehen: Michaela Erhard, Angelika Annaberger, Frank Haag, Simone Haag, Rainer Bertl, Jens Laugks und Robert Eder.
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Im Notfall schnell zur Stelle sind die „First Responder“ der Feuerwehr Böbing. Corona-konform mit Abstand sind auf dem Foto von links zu sehen: Michaela Erhard, Angelika Annaberger, Frank Haag, Simone Haag, Rainer Bertl, Jens Laugks und Robert Eder.

Im Notfall rasch zur Stelle

„First Responder“: Böbings schnelle Helfer

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Im Notfall lassen sie alles stehen und liegen: die „First Responder“ aus Böbing. Vier Männer und drei Frauen stemmen den Dienst – und schaffen es, zu nahezu jedem Unfall und bei jeder ernsten Erkrankung auszurücken. Gut, dass auch sie Unterstützung haben.

  • Die First Responder sind im Notfall rasch vor Ort
  • In Böbing gehören die Helfer zur Feuerwehr, die Gruppe gibt es seit 2003
  • Unterstützung bekommen die First Responder auch von ihren Familien

Böbing – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche: die „First Responder“ in Böbing sind rund um die Uhr in Bereitschaft. Und das ohne Dienstplan. Dafür aber mit sieben Ausrüstungen und sieben Piepsern. Wenn die losgehen, machen sich diejenigen auf den Weg, die gerade Zeit haben. Und da findet sich unter Böbings Ehrenamtlichen – fast – immer einer, meistens sogar mehrere. „Pro Jahr haben wir höchstens zwei Einsätze, die wir nicht besetzen können“, sagt Robert Eder.

Im ländlichen Raum kann eine Weile vergehen, bis Hilfe kommt

Er ist einer von sieben „First Respondern“, die im restlichen Landkreis als „Helfer vor Ort“ bekannt sind. Sie sind also diejenigen, die nach einem Notruf los eilen und sich um die Patienten kümmern, bis Rettungswagen und Notarzt eintreffen. Denn in der ländlichen Region kann eine Weile vergehen, bis diese da sind. Deshalb gründeten sich in mehreren Gemeinden nach und nach Gruppen, die ehrenamtlich die erste Hilfe übernehmen. Sie sind für gewöhnlich beim Bayerischen Roten Kreuz angesiedelt, heißen dann eben „Helfer vor Ort“. In Böbing aber gehört die Gruppe zur Feuerwehr – und ist deshalb, wie dort üblich, als „First Responder“ bekannt.

Das Prinzip ist aber das gleiche. Und die Verbindung zwischen Böbings Rettern und den BRK-Gruppen eng. „Wir haben eine super Zusammenarbeit“, sagt Eder. Denn für das Ehrenamt braucht’s eine Sanitätsausbildung und medizinisches Wissen. Immerhin sind die „First Responder“ als Erste am Unfallort beziehungsweise beim Erkrankten und müssen dabei auch die wichtige Erstversorgung übernehmen. Deshalb sind auch regelmäßige Weiterbildungen angesagt. „Da dürfen wir beim BRK mitmachen, das ist wichtig für uns, weil es im Umkreis keine weitere Gruppe bei der Feuerwehr gibt“, sagt Eder. So besuchen die Böbinger auch die Ausbildungsabende der Peitinger Kollegen. Und auch beim Material hilft das BRK aus. Sogar ein Einsatzfahrzeug stellte das Rote Kreuz im vergangenen Jahr leihweise zur Verfügung. Denn die Böbinger hatten bei einem Einsatz einen Unfall – verletzt wurde niemand, doch das Fahrzeug war hinüber. „Dass uns das BRK da hilft, ist nicht selbstverständlich“, betont Eder.

Die Gruppe in Böbing gibt es seit dem Jahr 2003

Seit 2003 gibt es die Gruppe in Böbing, die aus vier Männern und drei Frauen besteht – vier von ihnen sind Gründungsmitglieder. 2020 waren sie 86 Mal gefragt. In der Spitze aber gab es Jahre mit bis zu 180 Einsätzen. Der Rückgang habe zwei Gründe, sagt Eder: Zum einen wurden während des Lockdowns ehrenamtliche Retter nur noch bei lebensbedrohlichen Situationen alarmiert. Außerdem ist seit Anfang 2020 ein Rettungswagen in Rottenbuch stationiert.

Zu tun gibt’s trotzdem noch genug. Etwa die Hälfte aller Einsätze sind wegen Erkrankungen notwendig, den Rest machen Unfälle aus. Gibt’s einen Notfall, werden alle sieben „First Responder“ über ihren Piepser alarmiert. Wer Zeit hat, eilt dann zum Feuerwehrhaus, an dem das Fahrzeug geparkt ist. Viel Zeit gehe dadurch nicht verloren, sagt Eder. „Die Wege in Böbing sind kurz.“ Treffen mehrere Helfer ein, fahren sie gemeinsam. „Meistens sind wir zu zweit oder zu dritt. So kann man sich gegenseitig unterstützen.“

Unterstützung kommt auch von den Familien

Unterstützung bekommen Böbings „First Responder“ aber auch von ihren Familien. „Ohne die Zustimmung der Angehörigen geht dieses Ehrenamt nicht“, sagt Eder. Denn sie müssen damit leben, dass im Notfall Mama, Papa, Ehemann oder Ehefrau los eilen – und sich eine Feier oder ein Ausflug dann eben verschieben. „Wenn die Familie da kein Verständnis hat, kann man nicht mit Freude ein ,First Responder’ sein.“ Ebenfalls Unterstützung erhält die Gruppe von zahlreichen Spendern. „Wir sind dankbar, dass wir immer wieder Spenden bekommen. So trägt sich der Dienst gut selbst.“

Als Gegenleistung erhalten unter anderem die Böbinger, Rottenbucher und Schönberger im Ernstfall schnelle Hilfe. Dass die „First Responder“ ihre Patienten kennen, ist nicht selten. Das schlägt dann schon mal aufs Gemüt der Retter – aber erst im Nachgang. „Während des Einsatzes sind wir Profis. Da wird jeder gleich behandelt.“

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