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Ein Stadel-Fest wie aus dem Bilderbuch. Seit 1994 veranstaltet Peter Schauer die beliebte „Soffl-Fete“. Das Bild zeigt die Party 2016, die unter dem Motto Ü30 stand.

Party-Jubiläum in Pischlach

Magische „Soffl-Fete“ geht ins 25. Jahr

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Eigentlich wollte Peter Schauer 1994 im Stadel seiner Eltern nur den 25. Geburtstag feiern und nebenbei seine DJ-Künste unter Beweis stellen. Aus der Geburtstagsparty in Pischlach ist eine Kult-Veranstaltung geworden, die heuer ins 25. Jahr geht: Am 1. Juni steht der 49-Jährige bei der „Soffl-Fete“ 2019 wieder persönlich am DJ-Pult – und das kleine Dorf bei Böbing wie immer Kopf.

Pischlach/Böbing Peter Schauer gibt es ganz offen zu: Er ist alles andere als ein Partylöwe; und Ausflüge ins wilde Nachtleben hat er in seiner Jugend erst gar nicht gemacht. „Ich war nie auf Feten, die Musik kannte ich nur aus dem Radio“, sagt der 49-jährige Pischlacher.

1994 hatte er sich von seinen Spezeln dann aber doch einmal breitschlagen lassen, mit nach Schongau zum „Griechen“ zu fahren. Die damalige Diskothek an der Bernbeurer Straße, in der heute die Hüllen fallen, war seinerzeit die Adresse schlechthin in der Lechstadt. Der junge Schauer schaute sich das Treiben aber lieber aus sicherer Entfernung an. Während sich seine Freunde ins Getümmel stürzten, postierte sich der 24-Jährige beim DJ. Was er hörte, gefiel dem Pischlacher. Er kam wieder.

Inspiration kam beim „Griechen“ in Schongau   

„DJ Charly“ begeisterte die Party-Gänger von 1991 bis 1997 beim „Griechen“. Auch Schauer war fasziniert von der Musik, die der Bernbeurer auflegte, der mit bürgerlichen Namen Karl Hafenmair heißt. „Charly“ ist auch heute noch als DJ unterwegs, er kann sich aber noch bildlich daran erinnern, wie der Pischlacher jeden Freitag aufs Neue am DJ-Pult auftauchte. Irgendwann kamen die zwei ins Gespräch, Schauer wollte wissen, wie er an die Musik kommt. „Ich habe ihm gerne geholfen“, sagt Hafenmair, der dem 24-Jährigen die angesagten Titel auf eine Kassette kopierte. Es waren die damals begehrten „Munich-City-Nights“-Sampler, an die die DJs nur sehr schwer herankamen.

In seinem kleinen Studio hortet der Pischlacher hunderte von CDs und Schallplatten.

Schauer hatte Blut geleckt. Sein 25. Geburtstag stand vor der Tür, der sollte gebührend feiert werden. Der Pischlacher fragte seine Freunde, was man für eine Party braucht. „Einen Raum, Bier, Musik und eine Bar“, antworteten sie ihm. Gesagt, getan: Der Stadel der Eltern auf dem „Soffl-Hof“ war die perfekte „Location“, auch der Rest war schnell beschafft, die Musik für seine DJ-Premiere hatte Schauer ja schon auf der Kassette. Was sollte da noch schief gehen? Dennoch mündete die Geburtstagsfete in ein kleines Desaster. 250 Besucher strömten in den Stadl; viel mehr als gedacht. „Das Fest hatte sich „herumgesprochen“, erinnert sich der Pischlacher, dem nicht nur das Bier ausging. Auch die Musik nahm ein jähes Ende. Als er gegen Mitternacht das DJ-Pult von seinem Spezel übernahm, „war beim dritten Lied die Anlage kaputt“.

Trotz des Reinfalls (oder gerade deshalb?) gab es im Jahr darauf eine zweite Fete. Bei der sollte nichts mehr schiefgehen. Von einem Bekannten aus München besorgte sich der Pischlacher „eine richtig große PA“, die bis heute ihren Dienst tut. Und es kamen noch mehr Gäste, die das kleine Dorf ansteuerten. Die legendäre „Soffl-Fete“ war geboren.

Die Glocke mit der Aufschift AC/DC ließ Peter Schauer bei der Fete 2016 von der Decke an einem Seil herab

Bei der vierten Auflage 1998 durchbrachen Schauer und seine Helfer die Schallmauer, als sie mehr als 1000 Gäste zählten. „Es war eine wunderschöne Sommernacht“, erinnert sich der 49-Jährige. Bis aus Landsberg, Garmisch und dem Ostallgäu waren die Feierwütigen angereist und parkten ganz nebenbei den Ort zu.

Eines Tages wurde es dem Gemeinderat zu bunt

„Eines Tages“, so Schauer, wurde es dem Gemeinderat zu bunt. „Wir sind nicht mehr im 18. Jahrhundert“, bekam der Pischlacher zu hören, weil unter anderem Sanitäreinrichtungen fehlten. Schauer gelobte Besserung. Er besorgte Toilettenwagen und besuchte ein eintägiges Seminar in München. Er bekam den Wirteschein und vom Landratsamt die Dauergenehmigung für eine Veranstaltung pro Jahr. Die „Soffl-Fete“ war ab sofort ein ganz offizielle Angelegenheit.

Dem Pischlacher steht der Stolz im Gesicht, wenn er die unzähligen Geschichten von seinen Feten erzählt, die eine geradezu magische Anziehungskraft haben. Einmal sei ein besorgter Vater von zwei Töchtern bei ihm aufgetaucht und wollte wissen, was an den „Soffl-Feten“ so besonders sei, berichtet der Pischlacher. Die beiden hatten ihren Vater angefleht: Alle Partys würden sie sausen lassen, „aber die nicht!“.

Polizei lobt Jugendschutz: Alles in geordneten Bahnen

Schauer konnte den Vater beruhigen: Dass in Pischlach alles in geordneten Bahnen läuft, bekam er auch schon vom Jugendschutzbeauftragten der Polizei bestätigt – ebenfalls ein Stammgast. Die Jugendschutzgesetze werden peinlich genau eingehalten, für die Sicherheit der Gäste sorgen Securitys in Zivil.

Die Sicherheitskräfte mussten bislang aber höchst selten eingereifen. Schauer behält an seinem erhöhten DJ-Pult den Überblick. Kommt es zu einer Rangelei, dreht er einfach die Musik ab. Dann beruhigen sich die Gemüter meist ganz von selbst, ist seine Erfahrung.

Musik für alle Geschmäcker

So fühlen sich bei den „Soffl-Feten“ jung und alt sicher und wohl. Musik gibt es für alle Geschmäcker. Als zuletzt der Frauenbund dem „Soffl“-Stadel seine Aufwartung gemacht hatte, spielte Schauer zwischendurch deutsche Schlager. Und für die Rock-Fans ließ er 2016 zur AC/DC-Hymne „Hells Bells“ im roten Spot-Licht eine Kirchen-Glocke im Stadel am Seil herab.

Am 1. Juni wird wieder gefeiert

Man darf gespannt sein, womit der Pischlacher seine Gäste dieses Mal überrascht. Gefeiert wird am Samstag, 1. Juni. Los geht’s um 20 Uhr. Ab 22 Uhr legt Peter Schauer auf.

Lesen Sie auch: Ü30-Soffl-Fete - Rock und eine alte Kirchenglocke

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