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Idyllisch ist das Plätzchen am Granerweiher. Die Fledermäuse haben die große Fischerhütte bezogen.

Fischerhütte vom Wiesn-Wirt

Schwarzbau wird wohl nicht abgerissen - um Fledermäuse zu schützen

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Die Fledermäuse lieben den Böbinger Granerweiher. „Das Landratsamt wird es nicht so schön finden, aber ich fürchte, die Fischerhütte wird eine Dauerinstallation bleiben.“ Dies ist die Einschätzung von Eva Kriner von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz. Im Klartext: Der Schwarzbau wird vermutlich stehen bleiben.

Böbing – Muss die Fischerhütte am Granerweiher abgerissen werden oder nicht? Seit Jahren geht der Streit hin und her. Offiziell steht noch immer eine Beseitigungsanordnung für die rund 90 Quadratmeter große Holzhütte im Raum. Den Schwarzbau wieder rückzubauen, dazu hatte das Verwaltungsgericht München im Jahr 2014 den Wiesn-Wirt Manfred Vollmer, Chef der Augustiner-Festhalle, verdonnert. Termin wäre der 30. September 2016 gewesen. Eine abschließende richterliche Entscheidung stand aber noch aus, weil Vollmer Einspruch eingelegt hatte. Um Baurecht alleine geht es längst nicht mehr, sondern um Natur- und Artenschutz: Denn Fledermäuse haben die idyllisch gelegene Fischerhütte bezogen (wir berichteten) – und sind geblieben.

„Das Verwaltungsverfahren zur Beseitigungsanordnung wird zur Zeit vor dem Verwaltungsgericht nicht öffentlich verhandelt“, so Hans Rehbehn, Pressesprecher beim Landratsamt Weilheim-Schongau. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, könnten derzeit jedoch keine konkreten Aussagen getroffen werden. Eva Kriner, bei der Koordinationsstelle für Fledermausschutz zuständig für den Landkreis, ist sich jedoch sicher, dass die Fischerhütte stehen bleiben darf: „Baurecht kollidiert mit Umweltschutz, und der Fledermausschutz wiegt stärker“, bringt es Kriner auf einen einfachen Nenner. Die Tiere stehen auch nach EU-Recht unter besonderem Schutz.

Fledermäuse fühlen sich wohl

Und die Fledermäuse fühlen sich am Granerweiher in den Ritzen des Holzbaus wohl. Ideal sei der Unterschlupf für Zwergfledermäuse, die diese Spaltenquartiere lieben, berichtet die Fledermausexpertin. Bei der zweiten Art könnte es sich um das seltene Große Mausohr handeln, wobei eine Bestimmung schwierig sei – untersucht werden in der Regel Kot und Haare. „Für das Große Mausohr wäre es ein ungewöhnliches Quartier, eigentlich sind das Dachbodenbewohner“, so Kriner. Die im vergangenen Jahr ermittelte Zählung der Granerweiher-Fledermäuse hatte mindestens 120 Tiere ergeben, die an der Hütte in zwei Wochenstuben leben, also in Fortpflanzungskolonien. In der dritten Juliwoche waren Eva Kriner und der Böbinger Naturschutzwächter Werner Schubert nochmal gemeinsam vor Ort, die nächtlichen Insektenjäger zu zählen – und es sind mehr geworden. Wie viele Jungtiere zurückgeblieben sind, ist natürlich unklar, aber allein 158 Zwergfledermäuse verließen binnen von 20 Minuten in der Dämmerung ihr Quartier. „Es waren derart viele Tiere, wir sind sogar zu zweit beim Zählen kaum hinterhergekommen“, so Schubert. Das Große Mausohr soll daher demnächst extra gezählt werden.

Die Säugetiere lassen sich nicht umsetzen 

Friedrich von der Mülbe, Abteilungsleiter der Bau- und Umweltverwaltung/Landesplanung am Landratsamt Weilheim-Schongau, hatte im vergangenen Jahr von Überlegungen gesprochen, die Fledermäuse an einen anderen Ort umzuziehen: „Es muss geklärt werden, ob die neue Situation mit den Fledermäusen den Abriss nun ganz verhindert, nur verzögert oder ob man sie etwa umsetzen kann“, sagte er damals gegenüber den Schongauer Nachrichten. Die Säugetiere umzusiedeln, von diesen Versuchen ist man wohl mittlerweile wieder abgekommen, weil sie schlicht nicht erfolgreich sind. „Das ist alles sehr aufwändig und teuer, hat aber nicht funktioniert“, erinnert Kriner etwa an die Versuche bei der Echelsbacher Brücke. Dort hatte man den Fledermäusen eine neue Luxussuite in Form eines eigenen Containers angeboten, den sie aber ablehnten. „Es gibt deutschlandweit nur ein einziges Projekt, bei dem das funktioniert hat: ein Plattenbau in Ostdeutschland.“ In der Regel würde die ganze Fledermaus-Kolonie beim Versuch, diese umzusiedeln, kaputtgehen. Kriner: „Die Tiere sterben nicht, aber der Wochenstubenverband löst sich auf.“

„Luxus ist ihnen völlig wurscht“

Böse Zungen übrigens, die behaupten, Manfred Vollmer hätte sich die Fledermäuse absichtlich herangezogen, um den Schwarzbau zu legitimieren, sollten lieber verstummen. „Das ist völliger Quatsch“, sagt die Expertin, „Fledermäuse kann man nicht ansiedeln.“ Sie habe dies selbst ausprobiert und Fledermauskästen aufgehängt. „Die werden völlig ignoriert, Luxus ist ihnen so was von wurscht“. Stattdessen würden sie lieber unter dem Windbrett und den Fensterläden wohnen bleiben. „Fledermäuse sind nur aktiv, wenn sie es auch so wollen.“

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