Ein von Menschen aufgezogenes Reh wird in Böbing gefüttert.
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Reh „Vroni“ trägt noch immer das Leuchtband und frisst Micha Geisenberger aus der Hand.

Windersame Geschichte in Böbing

Reh „Vroni“ frisst nach vier Jahren noch Gras aus Menschenhand

Vier Jahre ist es her, dass der Böbinger Landwirt Mathias Walser auf der Straße zwischen Peißenberg und Böbing abends ein vermutlich von einem Auto angefahrenes Reh erblickte. Er hielt sofort an, musste aber feststellen, dass die Rehgeiß tot war. Doch daneben stand ein wenige Tage altes Rehkitz. Es war der Anfang einer wundersamen Tiergeschichte, die jetzt eine Fortsetzung fand.

Böbing – Über ein Jahr wurde das Kitz von der damals zehnjährigen ,,Pflegemutter “ Ulrike mit der Flasche auf dem Bauernhof aufgezogen. „Vroni“, wie das Kitz getauft wurde, gehörte zur Familie, suchte aber selbst wieder den Weg in die Freiheit – nicht ohne regelmäßig in den Abendstunden am Hof vorbeizuschauen und sich eine kleine Mahlzeit abzuholen.

Damit „Vroni“ in der Freiheit nicht vor die Büchse eines Jägers gerät, holte sich Mathias Walser bei einem Jäger Rat: Er besorgte ein gut sichtbares Leuchtband, das er dem Reh beim nächsten Hausbesuch zum sichtbaren Schutz über den Hals streifte.

Dieses Foto ist vier Jahre alt: Es zeigt Rehkitz „Vroni“ mit den Kindern der Familie Walser aus Böbing (v.l.) Markus, Max, Ulrike und Thomas.

„Vroni“ entschloss sich wenig später, endgültig zu ihrem angestammten Lebensraum im Wald zurückzukehren, und besuchte ihre Retter auf dem Bauernhof nicht mehr. Die Familie befürchtete das allerschlimmste und waren sich sicher, dass das Reh nicht mehr am Leben ist.

Doch bereits im vergangenen Jahr hatte der Böbinger Jagdpächter Hermann Geisenberger bei einem Jagdansitz in der Ammerschlucht die immer noch mit einem Leuchtband versehene „Vroni“ mitsamt zwei Kitzen entdeckt – Familie Walser wusste also, dass das damals drei Jahre alte Tier am Leben war. Jetzt nahm die wunderbare Tiergeschichte einen weiteren unwahrscheinlichen Verlauf. Bei einem weiteren Jagdansitz in Pischlach/Leithen saß Jagdpächter Geisenberger kürzlich mit Sohn Micha auf einem Hochsitz, um eventuell Wildschweine, die in den Tagen zuvor in einer Wiese großen Schaden angerichtet hatten, vor die Büchse zu bekommen. Stattdessen entdeckten sie ein Reh – es war „Vroni“. Damit nicht genug: Nachdem das Reh immer näher zum Hochsitz kam, stiegen Vater und Sohn ab und marschierten zu ihr. Micha rupfte einen Büschel Gras aus und rief: „Vroni was machst du denn hier.“ Und tatsächlich kam das Tier auf den Jäger zu, als wollte es ihn begrüßen, und verspeiste das frische Gras aus seiner Hand. Durch die menschliche Aufzucht hatte „Vroni“ nie die Gefahren, die vom Menschen ausgehen, erlernt – und sich auch vier Jahre später noch erinnert, dass Menschen sie aufgezogen haben.

WERNER SCHUBERT

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