Der Baubiologe Johannes Schmidt warnte bei einer Aufklärungsversammlung in Böbing vor den Gefahren von Sendeanlagen und Funkwellen. Foto: Werner Schubert

Warnung vor gefährlichen Funkwellen

Böbing - Die Ankündigung, dass die Telekom in Böbing einen Mobilfunk-Sendemasten errichten will, schlägt hohe Wellen. Seit Donnerstagabend sogar noch höhere:

„Wir wollen keinen Sendemast in Böbing“, sagte Sabine Mühlbauer von der Interessengemeinschaft „Unser Dorf soll gesund bleiben“ klipp und klar. Gleichzeitig kündigte sie einen Unterschriftensammlung an. Außerdem werden jetzt schon Probanten im Dorf gesucht, die sich Blutbild und Urin untersuchen lassen, damit später - sollte wirklich ein Sendemast aufgestellt werden - die Werte verglichen werden können.

Bereits im Vorfeld „möglichst viel Staub aufwirbeln“ - das hat der Baubiologe und Messtechniker Johannes Schmidt aus Rosenheim den Böbingern geraten. Er berichtete, dass es in Bayern bereits in vielen Kommunen Widerstand gegen Sendeanlagen gebe. „Wir wollen nicht zurück in die Steinzeit und nicht zurück zur Brieftaube, aber wir wehren uns gegen eine Technik, die unsere Gesundheit gefährdet“, stellte der Referent klar.

Schmidt listete auf, wieviel Hertz die verschiedenen Funktechniken ausstrahlten und wie störend sie sich auf den menschlichen Körper auswirken könnten. „Wer nachts nicht schlafen kann, der sollte unbedingt das WLAN ausschalten“, riet der Baubiologe. Auch das schnurlose Telefon sollte man wegen seiner Ausstrahlung am besten verbannen, und wer mit dem Smartphone hantiere, bekomme alle paar Sekunden eine „Hochfrequenz-Watschn“.

Der Referent forderte bessere Grenzwerte, wobei er darauf hinwies, dass kein Grenzwert eine Nichtschädigung ausschließen könne. Eines stehe aber fest: „Je näher man am einem Sendemasten wohnt, desto größer ist das Krebsrisiko“, sagte Schmidt. Der Experte setzt sich für mehr Messungen ein, auch in der Landwirtschaft (bezüglich Missgeburten). Genaue Aufschlüsse über den Zusammenhang von Sendeanlagen und Krebserkrankungen würde mit Sicherheit ein Krebskataster ergeben, dies werde aber von Befürwortern des Mobilfunks bisher immer verhindert.

„Kein Gemeinderat ist ein Lobbyist und auch nicht abhängig von Mobilfunkfirmen“, stellte Böbings Bürgermeister Peter Erhard klar. Nach der Anfrage der Telekom sei man sofort in ein Dialog-Verfahren eingestiegen, das vom Umwelt-Institut München begleitet werde. Bei der Bürgerversammlung am 10. Dezember werde über den derzeitigen Sachstand informiert, eine Entscheidung werde aber dieses Jahr sicherlich nicht mehr fallen.

„Unser allernächstes Ziel muss sein, dass eine Sendeanlage nicht mitten ins Dorf kommt“, stellte der Bürgermeister klar. Das eingeleitete Dialog-Verfahren diene aber auch dazu, den „Wildwuchs“ einzugrenzen - dass nämlich Antennen auf Privathäusern aufgestellt werden. Bei einer Höhe von unter zehn Metern könne dies nicht verhindert werden. „Auch wir müssen uns nach dem gesetzlichen Rahmen richten“, verteidigte der Bürgermeister sein bisheriges Vorgehen. Man werde aber alles tun, um Schadensbegrenzung zu betreiben.

Sabine Mühlbauer sprach das Beispiel Wildsteig an, wo alle Hausbesitzer aufgesucht worden seien, damit sie unterschreiben, keine Sendeanlage auf ihrem Dach zuzulassen. „So sollte auch in Böbing verfahren werden“, schlug Mühlbauer vor.

„Es ist nicht der Zeitpunkt, panisch zu werden. Wir werden eine gemeinsame Lösung finden“, versucht der Böbinger Bürgermeister die Gemüter etwas zu beruhigen. Die Unterschriften von den Grundstücksbesitzern hätten sicherlich eine moralische Wirkung, stimmt Peter Erhard zu. „Moral ist immer gut - solange man eine hat!“, fügt er noch an.

Übrigens: Die Frage, ob er ein Handy besitze, musste Baubiologe Schmidt bejahen. Er habe sich aber keines gekauft, sondern seine Kinder hätten ihm eines geschenkt.

mg

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