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Brauhaus-Schließung gerade noch verhindert

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Das Schongauer Brauhaus bleibt offen – und hat eine neue Pächterin. foto: archiv
Das Schongauer Brauhaus bleibt offen – und hat eine neue Pächterin. foto: archiv

Schongau - Nur um Haaresbreite ist eine vorzeitige Schließung des Schongauer Brauhauses am Donnerstag verhindert worden.

Am Dienstagnachmittag wurde bei Insolvenzverwalter Franz-Joachim Sessig in München ein Pachtvertrag unterschrieben - jetzt müssen noch Gläubigerausschuss und Vorstand zustimmen. Vor einer Woche schien das Schicksal des Brauhauses, dessen Vorstand Jürgen Hayda im Januar Insolvenz angemeldet hatte, besiegelt. „Der Insolvenzverwalter hat uns mitgeteilt, dass er den Laden dicht machen will“, so Aufsichtsratschef Tyll-Patrick Albrecht. Es entstand hektische Betriebsamkeit, die Mitarbeiter bangten um ihre Jobs. Das Brauhaus soll nicht schließen, dachten sich Albrecht und seine Frau - und machten ein Pachtangebot. Gestern Mittag nun lud Insolvenzverwalter Franz-Joachim Sessig zur Sitzung nach München. Mit dabei Pascal de Coulon vom Aufsichtsrat und Marion Albrecht. Ehemann Tyll-Patrick Albrecht selbst war wegen eines anderen Termins verhindert.

Das Ergebnis: Momentan stehen die Zeichen so, dass die Insolvenz zwar eröffnet, das Haus aber weiter betrieben wird. Bis zum 31. Dezember soll das Kulturteam München, vertreten durch Marion Albrecht, Pächter werden. Bislang war das Kulturteam Kabarettveranstalter im Brauhaus. Auch die Angestellten wollen sie übernehmen. „Wir suchen sogar noch nach Service-Personal“, sagt Tyll-Patrick Albrecht, der für seine Frau spricht. Da das Kulturteam Pacht an die Brauhaus AG zahlt, könne es auch Personalentscheidungen eigenständig treffen.

Sogar Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl schaltete sich ein, um das Brauhaus doch noch zu retten. Telefonisch versuchte er, Sessig vom Fortbestehen des Brauhauses zu überzeugen. „Ich habe ihn gebeten, Frau Albrecht eine Chance zu geben. Es ist wichtig, dass die Wirtschaft weiterläuft und jeden Tag Einnahmen fließen“, so Gerbl. Für den Bürgermeister ist ein Brauhaus ein wichtiger Anziehungspunkt: „Man muss um jede Traditionsgaststätte kämpfen. Das ist sicher.“

„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Albrecht auf Nachfrage. Immerhin habe sich das Kulturteam als Pächter gegen andere Bewerber durchsetzen müssen - und die Wahl sei auf die Firma gefallen. Auf Nachfrage am gestrigen Vormittag sprach der Insolvenzverwalter jedoch nur von einem Interessenten, dessen Identität er noch nicht preisgeben dürfe.

Laut Albrecht ist der Pachtvertrag fast in trockenen Tüchern. Scheitern kann es jetzt nur noch am Vorstand Jürgen Hayda und dem Gläubigerausschuss, bestehend aus Bank, Finanzamt und Arbeitsamt, die den Vertrag auch noch unterzeichnen müssen. Ein Heimspiel, denn mit der Bank habe Albrecht schon gesprochen. „Der Rest wird sicher auch nicht dagegen halten“, so Albrecht. Insolvenzverwalter Sessig indes hält sich bedeckt: „Es hängt von den Gläubigern ab, ob sie den Vertrag für erfolgversprechend halten.“ Anfang März tagt der Ausschuss.

Wenn alles so klappt, wie geplant, möchte Albrecht, dass „erstmal Ruhe ins Haus einkehrt. Da steht der ganze Aufsichtsrat hinter uns“. Vorerst soll Hayda auch Vorstand bleiben. Endziel ist aber eine gemeinnützige AG, in der die Dividende nicht an die Aktionäre, sondern an Vereine geht, wie es Albrecht schon bei einer Aktionärsversammlung vor einigen Wochen angekündigt hatte. „Schongau hat kein Bürgerhaus. Das könnte das Brauhaus werden. Über die Gemeinnützigkeit könnten wir auch Spenden erhalten“, sinniert Albrecht. Außerdem sollten so auch die Gläubiger motiviert werden, auf ihre Forderungen zu verzichten.

Das Haus habe in den vergangenen Wochen trotz Insolvenzverfahrens nur zehn Prozent weniger Umsatz gemacht als im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum. Dadurch, dass nun Klarheit herrsche, könne frohen Mutes wieder angegriffen werden. „Wir wollen das Kulturangebot ausbauen und auch endlich wieder eigenes Bier brauen“, so Albrecht. Auch müsse sich der neue Pächter um eine neue Brauerei kümmern. „Da wird es hoffentlich eine Überraschung geben. Aber das ist alles noch nicht besprochen“, sagt er.

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