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Heute fuhr die BRB den Petinger Bahnhof wieder an. Am Dienstag warteten einige Fahrgäste vergeblich auf einige Züge. Im Internet wurde nicht rechtzeitig über die Ausfälle informiert.

Bahnfahrer erzürnt

Vorwurf: BRB lässt Passagiere in der Kälte stehen

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Die Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) muss heute wegen anhaltender Qualitätsprobleme zum Rapport ins Bayerische Verkehrsministerium. Zur Sprache kommen werden dabei auch Probleme der Tochter BRB beim Schienenersatzverkehr zwischen Schongau und Peißenberg. Fahrgäste hatten sich diese Woche massiv beschwert.

Schongau/Peißenberg – Auf der Strecke zwischen Schongau und Peißenberg ging Anfang dieser Woche nichts. Bis Dienstagnachmittag fuhren keine Züge (wir berichteten). Der Grund: „Die Strecke wurde Sonntagnacht wegen Schneelast gesperrt und die Dauer war noch unklar“, erklärt BOB- und BRB-Geschäftsführer Fabian Amini. Er ist für heutigen Freitag von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) zu einem Krisengespräch ins Bayerische Verkehrsministerium einbestellt worden wegen anhaltender und massiver Qualitätsprobleme in den Netzen „Bayerisches Oberland“, „Meridian“ und „Ostallgäu-Lechfeld-Bahn“, heißt von der BEG. Gestern wurde die Tagesordnung noch um die Probleme beim Schienenersatzverkehr der Pfaffenwinkelbahn zwischen Schongau und Peißenberg ergänzt.

„Echtzeitfahrplan“ sorgt für Verwirrung

Den Stein dazu ins Rollen brachte in dieser Woche die Peitingerin Caroline Walter, die sich bei den SN massiv über mangelnde Informationen seitens der BRB während der knapp zweitägigen Streckensperrung zwischen Schongau und Peißenberg beklagte. Die 38-Jährige wollte am Dienstag um 8.11 Uhr mit dem Zug von Peiting nach Weilheim und weiter nach München fahren. Da sie schon wusste, dass die Strecke tags zuvor gesperrt war, schaute sie im Internet nach, ob die Züge am Dienstag fahren. „Da stand auf der Seite der BRB unter Verkehrsmeldungen, dass die ersten beiden Züge ganz am Morgen ausfallen und man sich vorher informieren soll“, berichtet Walter. Und siehe da: Die Fahrplanauskunft der Bahn (RIS) und auch der „Echtzeitfahrplan“ der BRB meldeten der 38-Jährigen, dass die Züge um 7.43 Uhr von Peiting nach Weilheim und auch der um 7.13 Uhr von Peiting nach Schongau pünktlich fahren. Frohen Mutes machte sich die Peitingerin auf den Weg zum Bahnhof.

Ersatzbus lässt auf sich warten

Dort war die Enttäuschung groß. Schon länger wartende Fahrgäste berichteten Walter, dass der Zug um 7.43 Uhr ausgefallen und auch kein Ersatzbus gekommen war. Auch der Zug um 8.11 Uhr kam nicht, die Passagiere schlotterten bei minus 10 Grad in der Kälte, bis endlich ein Bus vorfuhr. Das Display am Bahnhof vermeldete immerhin den Schienenersatzverkehr. Warum das nicht im Internet geschah, ist der 38-Jährigen ein Rätsel. Erst um 10 Uhr konnte sie online nachlesen, dass der Zug um 8.11 Uhr nicht gefahren war.

Damit nicht genug: In Peißenberg musste Walter zusammen mit den anderen Fahrgästen weitere 50 Minuten warten. Letztlich kam sie mit einer Stunde Verspätung in München an. „Warum konnte der Bus uns nicht gleich noch nach Weilheim weiterfahren?“, fragt die Peitingerin. „Dann hätte man zumindest den Zwischenzug erwischt und am Ende nur eine halbe Stunde Verspätung.“

Auch die Rückfahrt am Nachmittag von Weilheim nach Peiting wurde für die 38-Jährige nicht besser: „Wir kamen um 15.30 Uhr mit dem Zug wieder in Peißenberg an und mussten aussteigen und laut Ansage mit dem Bus am Bahnhofsvorplatz weiterfahren.“ Das Problem: Weit und breit war laut Walter kein Bus zu sehen. „Der Bahn-Mitarbeiter am Stellwerk wusste nichts und die BRB-Mitarbeiter – Lokführer und Zugbegleiter – holten sich lieber eine Brotzeit und setzten sich dann wieder in den warmen Zug.“

Passagiere harren in der Kälte aus

Die Passagiere mussten eine weitere halbe Stunde in der Kälte ausharren, bis ein Bus kam. Und das offenbar eher zufällig: „Wie sich herausstellte, hat uns die Fahrerin zwar dann netterweise mitgenommen, war aber dafür eigentlich nicht eingeplant“, kann es die Peitingerin kaum fassen. „Was die BRB da vorgesehen hatte, ist nicht ersichtlich.“

Am Ende war die 38-Jährige wieder 45 Minuten zu spät dran. Die verlorene Zeit hätte sie noch verschmerzt, „noch schlimmer aber war die Kälte, in der man so lange ausharren muss“, klagt sie. „Es ist eine Zumutung und eher wäre Schadensersatz angebracht, anstatt dafür noch Geld zahlen zu müssen“, schimpft sie. Zweimal pro Woche pendelt die Peitingerin nach München. Sie denke jetzt über Alternativen zum Zug nach, erklärt die enttäuschte Passagierin, die vor allem die verwirrenden Informationen der BRB im Internet zu den Zugausfällen beklagt. Auf diese könne man sich nicht verlassen.

Das sagt die Bayerische Regiobahn

Man bedauere den Vorfall und die Unannehmlichkeiten, die den Fahrgästen durch die Bäume im Gleisbereich entstanden seien, sagt BRB-Geschäftsführer Fabian Amini. Die Sperrung habe insgesamt von Sonntagnacht bis Dienstag zirka 15 Uhr gedauert. Die Dauer sei so lang gewesen, weil auf dem ganzen Abschnitt die Schneelast viele Bäume in den Gefahrenbereich gedrückt habe und die DB mit einem Turmtriebwagen die Strecke habe freischneiden müssen. „Es musste deshalb kurzfristig ein Busersatz eingerichtet werden.“ Laut Amini waren nur zwei Busse verfügbar, die pendeln. Das reiche von der Fahrzeit normalerweise auch aus. Aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse könne es natürlich zu Verlängerungen der Fahrzeiten kommen. „Unsere Mitarbeiter können nicht sehen, wo genau die Busse sind und Busfahrer dürfen während der Fahrt aus Sicherheitsgründen, auch nicht telefonieren“, erläutert der Geschäftsführer. Da am Montagmorgen nicht klar gewesen sei, wie lange die Sperrung dauere, wurden die Ausfälle zunächst nur für die ersten Züge eingegeben. In den elektronischen Medien seien „Adhoc-Ausfälle“ immer nur zwei Stunden im Voraus sichtbar – gesehen vom Abfragezeitpunkt. „Wegen der hohen Last an Störungen und Ausfällen ist es anscheinend zu Verzögerungen in der Datenübertragung gekommen“, bedauert der BRB-Chef. Zur Situation am Nachmittag ist ihm zufolge zu sagen, dass neben den Ersatzbussen die Linienbusse die Fahrgäste weiterbefördern. „Wir vermuten, dass die Dame in den Linienbus eingestiegen ist, denn unsere BNV-Busse sind weiterhin im Pendelverkehr unterwegs gewesen.“

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