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Kreuz und quer stehen die Autos in der Peitinger Birkenriedstraße vor allem am Abend, wenn das Restaurant öffnet.

Verkehrsvergehen nehmen zu

Brennpunkt Birkenriedstraße

Peiting - Autos vor Garagen, auf Grünflächen oder auf dem Gehsteig – in der Peitinger Birkenriedstraße gleicht die Parksituation einem Verkehrskrimi. Anwohner fühlen sich von Gemeinde und Polizei im Stich gelassen. Wieso aber passiert da so wenig?

Oliver Kumelj lebt seit drei Jahren in der Peitinger Birkenriedstraße. Und seit eben dieser Zeit wird dort eines immer schlimmer: Die Verkehrsvergehen. Immer war das nicht so – Kumelj kann sich noch gut an seinen Start erinnern. „In der Umzugszeit hab’ ich mehrmals zu nahe an der dort gelegenen Bushaltestelle geparkt“, erzählt er. Die Quittung kam umgehend: „Polizeibeamten teilten mir mit, dass ein Busfahrer mich angezeigt hatte.“ Damals sicherlich ein Ärgernis, heute wünscht er sich fast in diese Zeit zurück.

Denn die Überwachung in der Birkenriedstraße habe sich merklich dezimiert. Oder wie Kumelj sagt: „Es wird nichts mehr getan.“ Obwohl das seiner Meinung nach dringend nötig wäre. Hintergrund ist folgender: Die Birkenriedstraße liegt zwischen Eisstadion, Grundschule und Supermarkt. Außerdem befindet sich in der Straße ein beliebtes italienisches Restaurant. Wenn dann der Magen knurre, würden die Massen anrauschen – meist auf vier Rädern. Und da beginne die Problematik. „Die parken überall – auf dem kompletten Randstein, gegen die Fahrtrichtung, auf beiden Seiten und sogar im Halteverbot“, analysiert Kumelj. Also hauptsächlich falsch.

Er selbst käme regelmäßig nicht mehr in seine eigene Einfahrt hinein und dürfte dann erstmal im benachbarten Pizzatempel nach den Verkehrssündern suchen. Davon spricht auch ein Nachbar. Vor allem im Winter, wenn das Eishockey wieder los gehe, käme es zum Chaos. Von der Birkenriedstraße ist es nämlich nur ein Katzensprung zum Eisstadion. „Ich bin auch schon ins Stadion gelaufen, um den Autofahrer, der vor meiner Einfahrt stand, ausrufen zu lassen“, erinnert er sich.

Ein anderer Anwohner erzählt, dass Besucher ihr Vehikel regelmäßig auf seiner Rasenfläche abstellen. Oder es sogar brettlbreit auf Bushaltestellen deponieren. Hinzu kommt, dass oft so eng geparkt werde, „dass kein Meter zwischen Gartenzaun und Auto auf dem Gehweg bleibt“. Die Folge: Mütter müssten mit ihren Kinderwägen auf die Straße ausweichen. Ebenso Senioren und Kinder, sagt Kumelj. Für ihn ein Unding.

Hilferufe bei den örtlichen Gesetzeshütern blieben bisher weitgehend ungehört. „Die Polizei habe ich schon mehrmals gerufen“, sagt er. Die käme aber nur selten, oder „steigt nicht mal aus“. Der Vize-Leiter der Schongauer Polizeiinspektion Manfred Maier gibt an, dass „ dort durchaus eine Problematik bekannt“ sei. Zu bedenken ist aber, dass nach einer Meldung immer das Opportunitätsprinzip greife. Das heißt, der alarmierte Beamte muss nach Gewichtigkeit und vorhandenen Ressourcen abwägen – erst dann wird eine Streife losgeschickt. Auf die Thematik angesprochen, versichert Maier, die Kollegen auf die Straße gesondert hinzuweisen. „Wenn die Zeit es zulässt, werden dort mehr Streifen vorbeifahren“, verspricht der Vize. Dass die Polizeibeamten aber „Politessen spielen“, das funktioniere nicht. „Dafür hat Peiting ja auch eine kommunale Verkehrswacht.“

Tatsächlich schloss sich die Marktgemeinde vergangenes Jahr dem Zweckverband Kommunaler Verkehrsüberwachung an. Ein paar Stunden im Monat werden seitdem Peitings Brennpunkte überwacht. Damals hieß es, dass auch die Birkenriedstraße im besonderen Fokus liege. Bürgermeister Asam bestätigt das: „Seit kurzem ist die auch auf der Agenda.“

Warum aber merken die Anwohner davon so wenig? „Was die Intensität angeht“, erklärt der Rathauschef, „sind uns einfach die Hände gebunden.“ Er beruft sich da auf den Kostenpunkt. Es gebe schließlich mehrere Knotenpunkte in Peiting, die Überwachung benötigten – und der Etat sei nicht unbegrenzt. Fakt ist aber, dass Verkehrssünder auch Gelder in die Kassen spülen. Und dass sich die Situation nicht ändern wird – außer der Blick wird schärfer.

Elena Wlacil

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