Aus dem Vollen schöpft die Briefmarkenverwertung.

Briefmarkenverwertung Herzogsägmühle

Große Welt mit kleinen Zacken

Herzogsägmühle - Von Peru bis Garmisch reicht der Kreis der Spender für die Briefmarkenverwertung Herzogsägmühle. Man sollte es nicht glauben, aber in diesem Betrieb aus der großen Welt mit den kleinen Zacken wird jährlich in Tonnagen gerechnet: Pro Jahr landen rund sechs Tonnen der kleinen, manchmal exotischen, manchmal alltäglich bebilderten Postwertzeichen in Herzogsägmühle.

Die nach Millionen zu rechnenden Mengen sind, wie Manfred Baum von der Leitung des Betriebes sagt, „für die Händler interessant; da ist für jeden etwas dabei“. 80 Prozent der im Diakoniedorf anlangenden Sendungen stammen von Kleinspendern, der Rest wird von Behörden und Firmen eingeschickt. Praktisch für Spender: Die Herzogsägmühler Schachtel, ein zusammenfaltbarer Karton mit einem Einwurfschlitz. Sie wird vor allem von Ämtern und Unternehmen genutzt. Man kann das praktische Kleinstmöbel selbst abholen oder sich schicken lassen.

Die Marken werden sorgfältig abgelöst

„28 Mitarbeiter sortieren die Marken nach 52 Kriterien“, berichtet Manfred Baum. Das richtet sich unter anderem danach, ob es sich um Wohlfahrtsmarken handelt, nach dem Stempel (Wellen oder rund, Sammler wollen den Vollstempel), nach Ausland oder Inland und anderen Gesichtspunkten mehr. Beschädigte Marken werden vernichtet, das davon resultierende Altpapier wird verwertet, womit die lädierte Briefmarke auch noch etwas taugt, wenn sie keinen Sammlerwert hat.

Die Marken werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Briefmarkenverwertung übrigens nicht abgelöst. Das bleibt den Händlern überlassen, die dafür verschiedene Techniken verwenden. Die sorgsam zugeschnittenen, unverletzten Briefmarken werden in Zehn-Kilo-Säcke verpackt. Mehrere Händler nehmen im Jahr 300 bis 400 Kilo Marken ab und bringen sie in den Handel. Das dürfte im Übrigen ein schrumpfendes Geschäft sein. Wie sagt doch Manfred Baum: „Briefmarkensammeln ist bei der Jugend nicht mehr angesagt, die hat Handys, Smartphones und Laptops. Das Interesse beginnt bei den Sechzigjährigen aufwärts.“

Angefangen hat die Briefmarkenverwertung des Diakoniedorfes vor etwa 20 Jahren. Damals betrug der Jahresumsatz etwa 30 000 DM, heute liegt er bei rund 50 000 Euro. Ursprünglich war sie im Berufsbildungsbereich angesiedelt, ist heute ein eigener Betrieb im Fachbereich „Arbeit für Menschen mit Behinderung“ und in der Zeit ihres Bestehens viermal umgezogen. „Wir wollen nicht mehr größer werden als wir sind“, beschreibt Baum den Status.

Betrieb sichert die Arbeitsplätze

Für die Beschäftigten, Menschen mit besonderen seelischen Belastungen, ist Anerkennung für ihre Arbeit vorrangig. Da es sich um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit handelt, wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch, dass sie niemandem auf der Tasche liegen. Im Endeffekt zählt jede Briefmarke und ist wichtig, die in die Hand genommen wird.

Mitarbeiter richten die Marken für den Versand an die Händler her.

Die Briefmarkenverwertung ist auch nach außen ein Vorzeigebetrieb – zahlreiche Besuchergruppen kommen übers Jahr und werfen einen Blick auf das Geschehen. Sie erfahren dabei, dass dieser Betrieb einem wichtigen sozialpolitischen Ziel dient – er sichert Arbeitsplätze.

Das Angebot für Sammler ist durchaus üppig. Das Sortiment reicht von BRD-Sondermarken, gültige, postfrische Briefmarken, BRD-Freimarken zu Auslandsmarken sowie von Einzelmarken der altdeutschen Staaten, Deutschland bis 1945, SBZ (Sowjetisch besetzte Zone), Berlin, DDR, Deutschem Reich, Deutschland ab 1949 bis hin zu Motiven aus Europa und aller Welt. Man sieht, dieselbe ist bunt.

Rüdiger Matt

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