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In seinem Altersruhesitz haben Räuber den Pfarrer der Wies überfallen.

Sind es die Täter von Tuntenhausen?

Geknebelt und gefesselt: Wiespfarrer brutal überfallen

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    Thomas Fritzmeier
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Böbing - Szenen wie in einem Krimi haben sich Freitagnacht im Pfarrhaus Böbing abgespielt: Maskierte Täter haben den Pfarrer überfallen und EC-Karten und Bargeld erbeutet.

Kurz vor 3 Uhr morgens. Die Nacht liegt über den Dächern des Dorfes Böbing im Kreis Weilheim-Schongau. Drei vermummte Gestalten schleichen durch die Dunkelheit. Ihr Ziel: der Hintereingang des Pfarrhauses. Mit einem Schraubenzieher hebeln sie die weiße Holztür auf und verschaffen sich Zutritt zum Alterswohnsitz von Wiespfarrer Georg Kirchmeir (73). Einer der Männer steht vor der Türe Schmiere.

Auf den Lichtbildern einer Überwachungskamera ist der Täter mit einer auffälligen Jacke zu sehen.

Kirchmeir liegt zu diesem Zeitpunkt in seinem Bett, schläft. Er bekommt von dem gefährlichen Treiben nichts mit. Noch nicht. Nur wenig später wird Kirchmeir aus seinen Träumen gerissen. Vor ihm stehen zwei Männer. Ihre Gesichter sind vermummt. Zwei Pistolen sind auf ihn gerichtet. Die Männer zerren den Pfarrer aus dem Bett. Ein paar Türen weiter das selbe Spiel. Dort ist Pfarrhausfrau Maria Grazia Walther (51) das Opfer. Die Täter reißen die Telefonanlage aus der Wand, fesseln mit den losen Kabeln Kirchmeir und Walther an die Heizung. Die Einbrecher suchen Geld und fordern mit osteuropäischem Akzent die Scheckkarte Kirchmeirs. Dann knebeln sie ihre Opfer und verschwinden. Vor der Tür treffen sie auf ihren Komplizen.

„Wir vermuten, dass der dritte Täter sich auf den Weg zur Bank gemacht hat, um dort Geld abzuheben“, erklärt Andreas Guske, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. Dokumentiert wird die Abhebung mit einem Foto der Überwachungskamera der örtlichen Sparkasse. Für Kirchmeir und Walther ist die Tortur aber noch nicht vorbei. Denn die Täter kehren nochmal ins Haus zurück. Sie wollen sich vergewissern, dass sich ihre Opfer nicht befreit haben. Anschließend flüchten sie – diesmal endgültig. Ihre Opfer lassen sie hilflos zurück. Wie versteinert sitzen Kirchmeier und seine Haushaltshilfe auf dem Boden. Sie sind nur leicht verletzt. Doch der Schock sitzt tief. Sie zerren an ihren Fesseln, versuchen sich zu befreien. Rund zwei Stunden dauert ihr Kampf. Dann gelingt es Walther, Kirchmeirs Fesseln zu lösen. Der Pfarrer macht sich auf den Weg nach draußen, sucht Hilfe. In seiner Verzweiflung klingelt Kirchmeir an der Tür eines Nachbarhauses. „So um halb sechs stand plötzlich der Herr Pfarrer vor meiner Türe“, erzählt der Hausbesitzer am Freitag. „Sein Gesicht war kreideweiß und er hat irgendwas von einem Überfall gestammelt.“ Sofort verständigt der Mann die Polizei und folgt Kirchmeir an den Tatort. Maria Grazia Walther kauert in einer Ecke, zittert, schluchzt. „Die Frau war völlig aufgelöst. Ihre Hände waren angeschwollen. Außerdem hatte sie rote Striemen an den Handgelenken“, beschreibt der Zeuge. Wenig später trifft auch schon das First-Responder-Team am Pfarrhaus ein und übernimmt die Versorgung der Opfer. Sie werden später zur ärztlichen Untersuchung ins Unfallklinikum Murnau eingeliefert.

Die Polizei nimmt derweil die Ermittlungen auf. Später wird die Kriminalpolizei Oberbayern Süd hinzugezogen. Eine heiße Spur zu den Tätern gibt es derzeit noch nicht. Allerdings gab es in der Vergangenheit sehr ähnlich gelagerte Überfälle, die noch nicht aufgeklärt sind. „Wir prüfen, ob es da einen Zusammenhang gibt“, so Guske. Mitte Juni zum Beispiel war der Pfarrer von Tuntenhausen (Kreis Rosenheim) überfallen worden, die Täter gingen ähnlich vor, auch sie hoben noch in der Tatnacht Geld ab. Das Bild aus der Überwachungskamera ähnelt dem aktuellen stark – es ist jeweils ein schlanker Mann mit einer karierten Jacke zu sehen. Eine Woche zuvor hatte der Pfarrer aus Frauenneuharting (Kreis Ebersberg) erfolgreich zwei nächtliche Besucher, die es auf seinen Tresor abgesehen hatten und 700 Euro einsteckten, vertrieben.

Während die Beamten weiter auf Spurensuche sind, stehen die Böbinger unter Schock. „Ich kann noch gar nicht fassen, dass so etwas in einem Dorf wie Böbing passiert“, sagt Bürgermeister Peter Erhard. „Vor allem die Brutalität, mit der die Täter vorgegangen sind, erschüttert mich.“ Auch am Bistum Augsburg sorgte die Nachricht am Freitag für Aufregung. „Wir verurteilen die Tat aufs Schärfste und sind entsetzt über das, was passiert ist“, sagt Pressesprecher Markus Kremser. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern.“ Pfarrer und Haushälterin waren bis Redaktionsschluss noch nicht aus dem Krankenhaus in Murnau entlassen worden.

Thomas Fritzmeier und Werner Schubert

Polizei sucht Zeugen:

Nach ersten Ermittlungen waren drei Täter beteiligt. Die Täter, die alle mit osteuropäischem Akzent sprachen, werden wie folgt beschrieben:

35-40 Jahre alt, 1,85 Meter groß, kräftig, ca. 90-100 kg, bekleidet mit heller Stoffhose mit Taschen im Oberschenkelbereich, dunkler Oberbekleidung und Turnschuhen mit weißen Flecken

35-40 Jahre alt, 1,85 Meter groß, kräftig, ca. 80-85 kg, bekleidet mit heller ausgewaschener Jeans, dunkler Oberbekleidung, gleichfarbige Turnschuhe

20 - 30 Jahre, ca. 1,80 Meter groß, sehr schlank, bekleidet mit einer schwarz/weiß karierter Kapuzenjacke, blauer Jeans, dunkle Halbschuhen.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizeiinspektion Weilheim unter der Rufnummer 0881/640-0 entgegen.

Möglicherweise handelt es sich um die selben Täter wie in Tuntenhausen und Edling. Dort waren ebenfalls Geistliche in ihren Pfarrhäusern ausgeraubt worden. Die Polizei prüft die Zusammenhänge.

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