Lawinenabgänge in den Chiemgauer Alpen - verschüttete Personen vermutet

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Reinhard Böttger übergibt die Unterschriften an Bürgermeister Michael Asam (l.)

Unterschriften übergeben

Bürgerentscheid zu Peitinger Baum-Rettung rückt näher

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Peiting - Die erste Hürde ist genommen: Peitings „Baum-Retter“ haben in ihrem Bürgerbegehren 1254 Unterschriften für den Erhalt der Bäume an der Bahnhofstraße gesammelt. Damit könnte es bald zum nächsten Bürgerentscheid kommen.

„Ich will leben!“ „Ich will nicht sterben“ ist auf den Plakaten zu lesen. Auch das Wort „Baummörder“ rückt an diesem sonnigen Tag mit großen Lettern in den Mittelpunkt, um was es in dem Peitinger Baum-Krieg eigentlich geht: Emotionen.

Die kommen auch bei der Übergabe der Unterschriften vor dem Peitinger Rathaus wieder hoch. Ungewohnt wortkarg gibt sich Bürgermeister Michael Asam da neben einem triumphierenden Reinhard Böttger, der sich gemeinsam mit Hans Hahn und Bernhard Maier in der Baumretter-Bewegung engagiert und Unterschriften gesammelt hat. Viele sind es. Viel mehr als erwartet. Überraschungs-Effekt auf beiden Seiten.

1254 Unterschriften gesammelt

1254 Unterschriften wurden für das Bürgerbegehren auf Ladentheken gesammelt. „Ab und zu bin ich vor den Geschäften gestanden und konnte es gar nicht glauben, wie viele da unterschreiben“, freut sich Böttger über den ungeahnten Erfolg. Da kann man freilich über kleine formale Fehler hinwegsehen, wie zum Beispiel, dass über der Unterschriftenliste ein Bild von Bäumen gezeigt wird, die gar nicht gefällt werden. Oder dass auch der Bauabschnitt II der Bahnhofstraße angegeben wird, bei dem es tatsächlich zu gar keiner Baumfällung kommt.

Viel Arbeit haben sie sich trotzdem gemacht, die Rädelsführer der Bewegung. Alle Unterschreiber in Excel-Tabellen aufgelistet, Doppelungen rausgenommen. Jetzt ist es an der Gemeinde, die Geburtsdaten aller Aufgelisteten auf die Wahlberechtigung zu überprüfen. Doch selbst, wenn es dann 50 weniger werden: Es reicht locker aus, um den Gemeinderat richtig ins Schwitzen zu bringen.

Wie alle Interessen unter einen Hut bringen? Mit dem Ausbau der Straße, der nicht nur wegen der Fahrbahnverbreiterung, sondern wegen des kaputten Unterbaus dringend nötig ist, geht eine Baumfällung fast unweigerlich einher.

590000 Euro Fördergelder stehen auf dem Spiel

Hinzu kommt erschwerend: Der Gehweg soll durchgehend gebaut werden. Nicht nur, weil es für diese Barrierefreiheit immerhin 590 000 Euro an Fördergeldern vom Staat gibt. Sondern auch, weil Fußgänger, darunter auch Senioren und Schüler, sonst einen gesplitteten Gehweg hätten, die Straße queren und an den Bahngleisen weiterlaufen müssten.

Und nicht zuletzt: Das innovative Groß-Bauvorhaben mit 60 Wohneinheiten, das die Firma Haseitl jüngst für das ehemalige Bundeswehrgelände und den alten Bahnhof vorgestellt hat, steht und fällt mit dem Straßenausbau. Kein Ausbau, kein Neubau. So ist das nun mal.

Es geht um viel bei diesem Bürgerbegehren. Um viel mehr als um 33 Bäume, für die viele Bürger ihre Stimme gegeben haben. Im Wissen darum, haben sich Bürgermeister Michael Asam und CSU-Fraktionsvorsitzender Peter Ostenrieder gar schon um eine Alternativ-Lösung bemüht, die alle befrieden sollte: Profi-Baumversetzung – Kostenpunkt: 60 000 Euro. „Das wollen wir nicht“, sagt Reinhard Böttger, den Unterschriftenstapel in der Hand. Verhandlungs-Sackgasse.

Thema noch vor Sommerpause im Gemeinderat?

Die Stimmung wird gereizter: Er wisse, wie wichtig der Volkswille sei, betont Michael Asam. Und es sei durchaus das demokratische Recht der Bürger, sich zu wehren. „Aber man muss auch mal drüber nachdenken, was das für die gesamte Ortsentwicklung bedeutet.“ Die Gemeinde werde die Unterschriften prüfen, die Rechtsmittel einhalten „und schauen, wie wir zurechtkommen“. Konkret heißt das dann: Ganz schnell vor der Sommerpause eine Sondersitzung für den Gemeinderat. Die Zeit drängt.

Ein Bürgerentscheid ist überdies wahrscheinlich, da nicht davon auszugehen ist, dass der Rat den Straßenausbau so einfach aufgibt. „Vielleicht besinnt sich ja der Gemeinderat“, sinniert Reinhard Böttger trotzdem.

Eine fragwürdige Besinnung wäre das, befindet Michael Asam: „Die Leute, die unterschreiben, kennen die Tragweite andersherum nicht.“ Muss der dritte Bauabschnitt fallengelassen werden, „könnt’s euch irgendwann bedanken“, bricht’s aus einem ziemlich stinkigen Bügermeister angesichts dessen heraus, was für die Ortsentwicklung auf dem Spiel steht.

Asam spricht trotzdem von einer „respektablen Leistung“. Aber auch davon, dass „wenn man jemand fragt: Der sagt immer – Ja, ich will Bäume erhalten.“ Wer will schon der Abholzer für den guten Zweck sein. Zumal in der ganzen Diskussion vielleicht manchmal eine Tatsache untergeht: Gefällt werden in allen drei Bauabschnitten der Bahnhofstraße 46 alte Bäume, 53 werden dafür neu gepflanzt.

Vielleicht hat das die Landrätin schon gewusst, als sie vor ein paar Tagen einen Brief an die Gemeinde Peiting geschickt hat. In der Post: Eine Urkunde für Michael Asam. Ein „Dank für den Erhalt herausragender Einzelbäume“ steht darauf geschrieben. Das ist tatsächlich fast schon lustig. An welcher markanten Stelle im Ort das Schriftstück aufgehängt werden soll: Darüber kann man noch lange Zeit trefflich diskutieren

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