Semmel vom Bürgermeister: Wilma Klein kommt immer zu Fuß, es sind nur 400 Meter bis zur kleinen Dorfbäckerei. Außer, sie hat einen Großeinkauf vor und muss viel tragen. Dann nehme sie auch schon das Auto, gesteht Klein Bürgermeister Norbert Essich. Foto: os

Bürgermeister-Semmel vom Bürgermeister

Schwabbruck - Wer vergangenen Samstag in Schwabbruck zu Fuß oder mit dem Rad morgens seine Semmeln geholt hat, bekam von Bürgermeister Norbert Essich eine Bürgermeister-Semmel.

Schon früh am Morgen um 6 Uhr steht Schwabbrucks Rathauschef Norbert Essich putzmunter vor der Bäckerei Feustle. Er verteilt Semmeln an die Kunden der Bäckerei, die zu Fuß ihren Einkauf erledigen.

Eine gute Woche vorher hatte der neugewählte Bürgermeister seine Aktion angekündigt, bei der er von der Bäcker-Familie unterstützt wurde. Jeder, der seine Frühstücksbrötchen in der Dorfbäckerei holen wollte, wurde von Essich begrüßt. Wer dazu noch zu Fuß ankam oder mit dem Fahrrad vorfuhr, erhielt eine „Bürgermeistersemmel“ extra. Als Dankeschön dafür, auf’s Auto verzichtet, gleichzeitig die lokale Wirtschaft unterstützt und dabei noch etwas für die Gesundheit getan zu haben.

Allein in der ersten Stunde waren das 13 Schwabbrucker. Das kommt auch bei der Kundschaft an. Es sei schon ein Anstoß, findet zum Beispiel Wolfgang Köhler. Sonst nehme man eher gedankenlos das Auto, um Semmeln zu holen. An diesem Samstag hat er extra das Fahrrad genommen, um herzukommen. Gefragt, wie lange er dafür gebraucht habe, meint der Schwabbrucker: „Mit dem Fahrrad ist die Strecke ein Klacks“.

Und das bestätigt Essichs Ansicht: „Oft braucht man bis zur Garage und mit dem Auto länger, als wenn man gleich zu Fuß herkommt“, sagt er. Und wie Köhler meint, sei die Aktion durchaus ein Anstoß, beim nächsten Mal auch wieder in die Pedale zu treten oder zu Fuß zu gehen, anstatt den Wagen zu nehmen.

Insgesamt sind an diesem besonderen Samstag-Vormittag 82 Bürger zu Fuß oder mit dem Rad zur Bäckerei gekommen. So standen zeitweise dutzende Fahrräder am Treppenaufgang der kleinen Bäckerei, eine ältere Dame kam sogar mit ihrem Rollator ums Eck.

Problematisch wurde es allerdings, als dann doch zu viele Autos, zumeist kleine Geländewagen, vor der Bäckerei hielten. Schnell war die Dorfstraße dicht, vor allem die Landwirte mussten bremsen, wenn sie um die Kurve kamen.

Für die meisten der Brötchenholer war es aber ohnehin selbstverständlich, ohne Auto zu kommen. Wie etwa für Wilma Klein, die nur 400 Meter entfernt wohnt und gerne die eigens für den Zweck kreierte Bürgermeistersemmel einsteckt. Aber es gibt auch Brezen, Bäckermeister Andreas Feustle hat sie gespendet, um Essichs Aktion zu unterstützen. Und wer mit dem Nachwuchs kam, für den hatte Essich auch noch ein paar Süßigkeiten parat.

Auch aus den Nachbarorten Schwabsoien und Altenstadt kamen die Kunden, die von der Aktion des Bürgermeisters gehört hatten. Viele davon auch mit dem Rad. Unter ihnen auch schon einmal ein Rathauschef oder dessen Stellvertreter.

Apropos Rathauschef: Essich erledigt nach eigenen Worten viele „Dienstfahrten“ ebenfalls mit dem Fahrrad. Und die Idee zu der Aktion habe er beim Walken gehabt. Es solle kein Dankeschön an die Wähler sein, betont Essich, denn dann müsste jeder Schwabbrucker eine Semmel erhalten. So aber würden auch die Sportskanonen, von denen es im Ort einige zu geben scheint, belohnt.

Braun gebrannt und durchtrainiert sprintete zum Beispiel Sabine Osenstädter die Treppe zur Bäckerei herauf, um für die Familie einzukaufen - und wurde vom Bürgermeister mit einem Lächeln begrüßt.

Demnächst werde es eine andere Aktion geben, hat der Rathauschef angekündigt, mit der er seine Schwabbrucker motivieren wolle. Wie genau die Aktion aussehen wird, weiß er allerdings noch nicht. Noch nicht fest steht auch, ob die Bäckerei Feustle nicht doch die Bürgermeistersemmel fest ins Programm aufnehmen wird. Dann kann sich jeder selbst belohnen, wenn sie oder er zu Fuß kommt.

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