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Einen ausführlichen Bericht über die Arbeit des Gemeinderates gab Bürgermeister Martin Hinterbrandner.

Bürgerversammlung Bernbeuren

Raser und generell das Thema Straßenverkehr brennt den Bernbeurern unter den Nägeln

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Bernbeuren - Raser zu stoppen, bevor etwas passiert, ist in der Bürgerversammlung in Bernbeuren mehrfach angesprochen und gefordert worden. Bürgermeister Martin Hinterbrandner forderte erneut eine Lösung am Unteren Dorfbrunnen, Altbürgermeister Heimo Schmid ein Überholverbot am Haslacher See.

Viel Zeit hat Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner in seinem Rechenschaftsbericht auf die Erläuterung des Haushaltes verwandt. Die höchste Ausgabe ist die Kreisumlage, eine hohe Belastung für die Gemeinde „in äußerster Randlage“. Die Umlage ist fast genauso hoch wie die Einkommenssteuer – knapp unter einer Million Euro.

Hinterbrandner wird nicht müde, dieses Thema immer wieder kritisch anzusprechen, zumal er in der Auerberghalle diesmal auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß als Zuhörerin hatte. Diese rechtfertigte später die Höhe der Abgabe und zählte die zahlreichen Aufgabenbereiche des Landkreises und die anstehenden großen Investitionen auf, die letztlich ja allen Bürgern, auch aus Bernbeuren, zugutekämen.

In einer erfreulichen Größenordnung bewege sich hingegen die Gewerbesteuer (rund 400 000 Euro Einnahmen), führte Hinterbrandner weiter aus. Wobei er erneut darauf verwies, dass sich Bernbeuren nicht weiter entwickeln könne. Derzeit gebe es genau zwei Möglichkeiten für weitere Gewerbeflächen, wie sich nach einem Termin mit dem Kreisbaumeister herausgestellt hätte: „Bei der einen kriegen wir die Fläche nicht, bei der anderen bekommen wir keine Genehmigung für eine gewerbliche Zufahrt.“ Bernbeurens Vize-Feuerwehrkommandant Andreas Weiher teilte die Sorgen Hinterbrandners, dass Betriebe aus Bernbeuren abwandern könnten.

Weitere Themen, die der Bürgermeister anriss, waren neben dem Hochwasserschutz (Baumaßnahme verzögert sich, steht aber kurz vor dem Abschluss) und der Kanalabrechnung (910 Bescheide im März verschickt) auch der Breitbandausbau (neue Ausschreibung, Auftragsvergabe im Herbst, zwei Bauabschnitte 2017/2018), die im Jahr 2015 auf den Weg gebrachte neue Baulandrichtlinie (ehemaliges Einheimischenmodell) und nicht zuletzt die neue Ortsdurchfahrt, die 2017 und 2018 gebaut wird (wir haben berichtet).

Die Verkehrssicherheit werde dabei durch drei Querungshilfen, aber auch durch 1,50 Meter breite Fußwege, schon deutlich verbessert. Wie in der Gemeinderatssitzung bereits formuliert, fordert Hinterbrandner seitens der Behörden noch eine Lösung für den Bereich Unterer Dorfbrunnen. „Das ist ein sehr unübersichtliches Eck, da sind 50 Stundenkilometer schon zu viel.“

Das Thema „Raser“ in Bernbeuren beschäftigte auch die Zuhörer. Altbürgermeister Heimo Schmid wünscht sich für die „Rennstrecke Schongau/Lechbruck“, wie er es nannte, ein Überholverbot am Haslacher See, da die Geschwindigkeitsreduzierung auf 60 Stundenkilometer einfach nicht wirke. „Das ist unerträglich, gerade wenn Badebetrieb ist“, wetterte der Altbürgermeister. „Man muss vorbeugen, bevor etwas passiert.“ Hinterbrandner meinte mit Blick auf die Landrätin, dass der Landkreis dort ruhig ein paar Blitzerstunden spendieren dürfe – schließlich sei der Haslacher See Naherholungsgebiet.

Geradezu unerträglich empfindet eine Anwohnerin die Motorradfahrer am Auerberg, die die Straße, weil nicht geschwindigkeitsreduziert, regelrecht für Bergrennen nutzen würden. „Das geht bei schönem Wetter von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr nachts, das ist fast nicht mehr tragbar“, sagte sie. Gefährdet seien Fußgänger vor allem im Bereich Feuersteinschlucht und am Wildgehege. Die Anwohnerin hinterfragte, warum die 60er-Beschränkung aufgehoben worden sei, sogar eine Sperrung für Motorradfahrer habe es schon gegeben.

Hinterbrandner verwies darauf, dass dieses Thema in der Verkehrsschau angesprochen sei, aber die Straße auf den Auerberg liege außerorts, weshalb dort 100 Stundenkilometer gefahren werden dürften. „Von der Gemeinde aus sind unsere Möglichkeiten ausgereizt."

Etwa gleichbleibend 2443 Bewohner hatte Bernbeuren zum Ende des Jahres 2015 – bei einer steigenden Zahl von Nebenwohnsitzen (87). Registriert wurden 22 Geburten und 14 Sterbefälle. „Eheschließungen dürften es ruhig wieder etwas mehr werden“, so Bürgermeister Martin Hinterbrandner. 19 Paare aus Bernbeuren und sechs aus Burggen haben 2015 geheiratet, so der Rathauschef – und verwies auf das schöne Trauungszimmer am Auerberg.

Dafür war man mehr als fleißig bei den Sitzungen im Rathaus: 36 Mal saßen die Räte inklusive der Ausschüsse zusammen, davon waren allein 23 Gemeinderatssitzungen. Hinterbrandner: „Bei uns braucht man einiges an Sitzfleisch, aber wir haben auch einiges weggeschafft im vergangenen Jahr.“ Eine Zahl, die dagegen im Sinkflug ist, machte dem Gemeindechef Sorgen: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sei gesunken. Ende 2015 seien es nur noch rund 90 im Ort gewesen, vor fünf Jahren zwischen 110 und 115, Anfang 2000 gar noch um die 300.

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