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Rund 70 Besucher wollten hören, was die Stadtspitze zu sagen hat.

Bürgerversammlung Schongau

Schieß-Lärm, alte Buden und Lkw-Ärger

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Schongau - Ohne Aufreger ist die Schongauer Bürgerversammlung am Mittwochabend im Ballenhaus über die Bühne gegangen. Doch einige Probleme und Wünsche hatten die rund 70 Besucher doch auf dem Herzen – von etablierten Themen wie Verkehr bis zu exotischen Bahnhofs-Plänen.

Im Hintergrund lief eine Bildershow wichtiger Ereignisse aus dem Vorjahr, vorne bombardierte Bürgermeister Falk Sluyterman die Besucher mit Zahlen und Fakten. 241 Mitarbeiter habe die Stadt, 22 Stadtratssitzungen mit 289 Beschlüssen gab es im Vorjahr, 12 639 Einwohner Ende Dezember. Und bei seinem zum Amtsantritt eingerichteten Beschwerdemanagement seien 2000 Hinweise und Klagen eingegangenen, so Sluyterman.

Bei den Beschwerden dürften einige über das freie W-Lan auf dem Marienplatz dabei sein. „Das wird vor allem von Personen genutzt, die wir nicht unbedingt im Blick hatten“, sagte Sluyterman in Richtung Asylbewerber. Man versuche, ein eigenes W-Lan-Netz an der Berufsschulturnhalle einzurichten, um dem Problem beizukommen. Er werde seinen Kampf um eine gleichmäßige Verteilung der Asylbewerber auf alle Gemeinden nicht aufgeben. Die Klage gegen den Landkreis wegen des weiteren geplanten Heims an der Dießener Straße sei keine Geldverschwendung, wie einige bemängeln: „Es ist ein neues Gesetz, das ist einen Versuch wert. Man muss sich wehren, auch wenn die Erfolgschancen vielleicht gering sind.“

Wehren musste er sich eigenen Angaben zufolge auch gegen Vorwürfe, er sei ein „Kriegstreiber“, nur weil er bedingungslos hinter den Soldaten der Altenstadter Kaserne stehe: „Da wurde ich als Schwarzer bezeichnet, der als Roter auftritt“, so Sluyterman.

Dann waren die Bürger an der Reihe:

- Ärgernisse im Stadtbild: Ob man nicht den Bereich an der Rathaus-Bushaltestelle mit Blumen verschönern könne, meinte Peter Walk. „Auch die greisligen Abfalleimer sollte man abschaffen, das Maxtor schaut erbärmlich aus und für das Münztor gibt es noch keine Verwendung“, zählte er Kritikpunkte auf. Zumindest beim Münztor sei man im Gespräch über eine mögliche Nutzung, sagte Sluyterman. Auf SN-Nachfrage präzisierte er, es gebe einen möglichen Interessenten, es sei aber noch sehr vage. Trotzdem habe man den von der CSU angeregten Ideenwettbewerb deshalb erst einmal zurückgestellt.

- Gartenweg-Parken: Siglinde Erhard wollte als Anwohnerin wissen, wie es bei der jetzt schon chaotischen Parksituation am Gartenweg weitergeht, wenn erst das Haus für Kinder gebaut ist. Sluyterman verwies auf das Verkehrsgutachten, das man abwarten wolle und von dem man sich viel verspreche. „Ich kenne die Zustände und weiß, dass das derzeit alles andere als befriedigend ist.“ Sluyterman sagte zu, die städtischen Verkehrsüberwacher dort vor allem zu den Schul-Abholzeiten kontrollieren zu lassen.

- Schongau und seine Satzungen: Siegfried Spitz lobte Sluyterman für sein Handeln beim Asyl-Thema, wunderte sich aber über den Internet-Auftritt, speziell bei den Satzungen: „Die Friedhofssatzung wurde 2016 beschlossen, auf der Homepage steht noch die von 2005 mit Unterschrift von Friedrich Zeller drin.“ Außerdem habe er den Entwurf einer Informationsfreiheitssatzung dabei, die solle die Stadt einführen. Sluyterman entgegnete, beim Thema Auskunftsrecht bleibe nicht viel übrig, wenn alle Aspekte berücksichtigt werden. „In Weilheim etwa nutzen das nur fünf Bürger pro Jahr. Aber wir werden das noch einmal diskutieren“, versprach der Bürgermeister.

- Kaputte Waldwege und Schieß-Lärm: Rupert Gietl ist leidenschaftlicher Jogger und macht sich Sorgen um die Waldwege, speziell am Helgoland Richtung Hohenfurch. Dort werden die kleinen Wege, die vor allem durch Biker und Reiter „völlig zerstört“ werden, nur langsam oder nie wieder hergerichtet, sagte er. Stimmt nicht, konterte Stadtförster Klaus Thien. Alle richtigen Wege werden instand gehalten und seien längstens eine Woche gesperrt, wenn mal Bäume umgefallen sind. „Manchmal entstehen aber wilde Pfade, die nicht von uns angelegt wurden.“ Die gehen die Stadt auch nichts an, so Thien.

Gietl ärgerte sich auch maßlos über den Lärm der Schießanlage an der Dießener Straße. Von Freitagmittag bis Sonntag sei der Lärm nicht auszuhalten. „Ich kann nicht verstehen, wie das mit dem Lärmschutz zu vereinbaren ist und warum man sich das gefallen lässt.“ Vor allem weil sich „der Münchner Geldadel“ dort austobe. Sluyterman konnte den Ärger verstehen („Im Sommer höre ich die Schüsse auch manchmal bis in meinen Garten“), musste aber passen: „Für die Schießanlage ist das Landratsamt zuständig, auch

wenn das blöd klingt.“

- Sonnengraben:

Wie weit man bei der Planung zur Sonnengraben-Sanierung ist, wollte Sebastian Eberle wissen. „Nach der Hangsicherung im Frühjahr, die höchstens zehn Wochen dauern soll, könnte der Sonnengraben im Juli wieder freigegeben werden“, sagte Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Die geplante Aufwertung werde verschoben auf 2017 – dann könnte es sein, dass der Bereich noch einmal zwei bis drei Monate gesperrt werden müsse.

- Wildes Plakatieren: Rudolph Mahl, selbst als Flohmarkt-Betreiber betroffen, klagte über wildes Plakatieren in Schongau. „Da gibt es immer wieder Beschwerden“, sagte Sluyterman. Überholte Plakate müssen abgenommen werden, aber man könne nicht allem nachgehen. „Es wird aber den Veranstaltern durchaus einmal in Rechnung gestellt.“

- Lkw an der Lechuferstraße: Parkende Lkw an der Lechuferstraße sind Peter Walk ein Dorn im Auge – und der Stadt auch. „Das beschäftigt uns seit Monaten“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman. Denn bei UPM dürfen die Fahrer ihre Lkw nicht mehr abstellen und weichen dorthin aus. „Ich habe deshalb schon mit UPM-Chef Caius Murtola gesprochen. Die betreffenden Firmen werden angeschrieben und die Fahrer informiert“, so Sluyterman, der auf Besserung hofft.

- Alte Buden: „In sehr schlechtem Zustand“ seien die Buden der Stadt, die bei diversen Märkten benutzt werden, beklagte Ernst Feuchtinger. Da solle man doch endlich neue anschaffen – was die Stadt auch macht: Jährlich werden vom Bauhof nach Peitinger Vorbild in Eigenarbeit künftig drei neue Hütten gebaut, dieses Jahr wird damit angefangen.

- Unterirdischer Bahnhof: Sehr futuristisch wurde Werner Jocher: Er wünsche sich einen unterirdischen Bahnhof, um die Verkehrsprobleme zwischen Lechvorstadt und Bahnhofstraße zu beenden. „Sonst hat man den Stau dort noch in 20 Jahren.“ Er wisse selber, dass das utopisch sei, wollte es aber einmal gesagt haben.

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