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Punsch oder Bellabomba sorgen für Stimmung: (v.r.) Rolf, Franz und die wilde Vier im Dauereinsatz am Stehtisch beim Lions-Club.

Bummel über den Schongauer Weihnachtsmarkt

Von Nussknackern und Apfelgaragen

Schongau - 18 Tage dauert in diesem Jahr der Schongauer Weihnachtsmarkt. Über so einen langen Zeitraum hat es den Markt in der Altstadt noch nicht gegeben. Wird das angenommen, kommen die Besucher in die gute Stube der Lechstadt? Am ersten Wochenende auf jeden Fall. Ein Rundgang.

Lichterketten, Musik, ein buntes Allerlei an Düften. Wie durch eine unsichtbare Wand betritt man den Marienplatz, die gute Stube Schongaus. Man muss erst mal stehenbleiben, um diesen ersten Eindruck auf sich wirken zu lassen. Weihnachtszeit, zum Greifen nah. Doch schon wird man mit der ersten Entscheidung konfrontiert: Geh ich rechtsherum oder nehm ich die andere Seite? Fang ich mit den süßen Leckerli an oder forsche ich auf der anderen Seite auf den Spuren von Heinz Rühmann? Der fällt einem sofort ein, wenn man zur Feuerzangenbowle gelockt wird.

Wer den kleinen Nachwuchs dabei hat, dem nimmt dieser die Entscheidung ab. Einfach mittenrein, da dreht sich das nostalgische Karussell. Zwei, drei Runden müssen drin sein, dann geben die Kleinen erst mal Ruhe. Aber nur kurz, dann geht’s zu Zuckerbäcker Robert. Gebrannte Mandeln und Nüsse sind ja Dauerbrenner, aber an diesem Nikolaustag hat die Zuckerwatte Hochkonjunktur. Die Kinder freuen sich, der Zahnarzt reibt sich die Hände.

Was bitteschön ist eine Apfelgarage?

Gleich daneben erhöhter Pulsschlag bei Karen aus Kinsau. Sie hat sich Pulswärmer und Stirnband übergestreift. Handgefilzt und mit Blümchen verziert. Freundin Marlies bestärkt die Freundin zum Kauf, „damit auch der Puls im Winter schlägt“. Dazu vielleicht noch die „Apfelgarage“ in Filz. Was ist das denn? Die Jugend klärt auf: Ein Überzieher für das iPad. Aha, sind die Überzieher also immer noch aktuell!

Eine lange Warteschlange. Wurst oder Glühwein ist hier die Frage. Des Rätsels Lösung sind die „Feuerli“ auf dem Grill vom Metzger Boneberger. Eine rote Wurst mit Chili, schön scharf und die passende Unterlage für das Getränk danach. Gibt es gleich nebenan. Punsch mit Haselnüssen. Von seiner Zubereiterin auf den Namen „Nussknacker“ getauft. Die Taufpatin selbst feiert gewissermaßen Silberhochzeit mit dem Weihnachtsmarkt. Seit 25 Jahren ist die „Süße Hanni“ ununterbrochen auf dem Schongauer Markt, eine süße Leistung. Das sind auch ihre Waffeln, wahlweiße mit Schoko oder Puderzucker serviert. Eierlikör, Sahne, Rum, mit kleinen Geheimnissen und viel Leidenschaft aufgepeppt. Das muss schmecken, läuft runter wie Tautropfen aus dem Paradies.

Und zeigt erstaunliche Wirkung. Die Sechsergruppe am Stehtisch vom Lions-Club das beste Beispiel. Franz, Rolf und die wilde Vier haben schon einige Proben genommen. „Man muss ja testen, ob die Qualität immer gleich bleibt“, so die Argumentation von Franz. Dazwischen wird mit Glühwein neutralisiert. Das Stimmungsbarometer am Anschlag.

Sexy Schokolade ab 18 - das zieht an

Wow. Sexy Schokolade ab 18. Was verbirgt sich hinter dem Schild mit der geheimnisvollen Aufschrift? Verkäuferin Daniela lüftet das süße Geheimnis. Ein Blick darauf und Martin zückt den Geldbeutel. Natürlich auf Zuspruch von Ulrike an seiner Seite.

„Brumsel-Brause“ und selbstgestrickte Socken, so weit das Auge reicht. Eine Mutter-Tochter Kombination hinter dem Ladentisch. Tochter Astrid mixt den Honiglikör, wer dann noch kalte Füße hat, geht zu Mutter Dagmar. Sie strickt die „begnadeten Socken“, wie sie von Dauerkundin Kathrin genannt werden. Wer es noch wärmer will, also Gäste mit Eiszapfenfüßen, ist bei Heike und Florian genau richtig. Die Socken von ihren Alpen-Alpakas sind fünfmal wärmer als die von Schafwolle.

Und nochmal was Gutes für die Figur. Ein Direktangriff auf die Rundungen sozusagen. Darauf hat Elizabeth das ganze Jahr gewartet. „Baumstriezel“ das Zauberwort. Genussvoll rollt sie das Gebäck auf und bricht sich kleine Stücke ab. Elizabeth hat die Zimtversion, Izabela bevorzugt Kokos. Gegenüber das krasse Gegenteil. „Würzig, lecker und aromatisch“, nennt Stefan die Halben-Meter-Würste. Er muss es wissen, der Magdeburger ist selbst Fleischer. Seine Melanie, „Teigaffe“ der Bäckerzunft, wie er sie nennt, stimmt ihm bei.

Staunen über Holzbilder mit Hinterleuchtung

„Keiner kann’s besser als Reiner“, könnte der Slogan heißen, wenn man bei Reinhard Nowak verweilt. Bei ihm fallen die Würfel bildlich aus dem Rahmen. Alles in edlem Holz, alles Unikate. Von seinen Katzen verwöhnt und begeistert, bringen einem in diesem Jahr seine Holzbilder mit Hinterleuchtung zum Staunen. Eine Nummer kleiner die Schmuckstücke aus edlen Hölzern. Da greift Hans gerne zu, um seiner Sabine einen Liebesbeweis um den Hals zu hängen.

Was wäre der Nikolaustag ohne einen richtigen Nikolaus. Gut, unserer schreibt sich Nicholas und hat einen weiten Weg über den großen Teich genommen. Hier feiert er seinen 18. Geburtstag. Seine beiden Tanten Margit und Barbara geben ihm Nachhilfeunterricht in Sachen „Drachenfeuer“ bei Lini. Der Glühwein vom Winzer hat es in sich. Dazu noch der Hexenkräuterlikör, den man warm und kalt trinken kann. Margit und Barbara vertragen erstaunlich viel.

Hans-Helmut Herold

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