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Seelenbretter als Inspiration

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Bali Tollak mit ihren Seelenbrettern. Einige davon zeigt sie jetzt in einer dreitägigen Freiluft-Ausstellung. © Dennig

Insgesamt 450 sogenannte Seelenbretter hat die Schwabbrucker Künstlerin Bali Tollak bereits gestaltet und in 160 Ausstellungen und 80 Workshops präsentiert. Jetzt feiert sie das 15-jährige Bestehen ihres Kunstprojekts mit einer dreitägigen Freilicht-Ausstellung in Burggen.

Burggen/Schwabbruck Die Seelenbretter, fast zwei Meter hohe und knapp 30 Zentimeter breite Holzbretter der Künstlerin, sind mit Zitaten oder Sprüchen berühmter Schriftsteller und Philosophen oder Bibeltexten beschriftet. Aber auch bekannte Motive von Malern zieren das Tannen- und Kiefernholz. Zu diesem Projekt inspiriert wurde Bali Tollak im Jahr 2002 von den Totenbrettern im Bayrischen Wald. Ihr Ehemann Wolfgang Dennig erinnert sich genau: „Kurze Zeit, nachdem meine Frau die Totenbretter sah, kam ihr eine Idee und sie sagte zu mir: ,Ich male keine Totenbretter, ich male Bretter für die Lebenden.“

Für den Betrachter sollen diese als Wegbegleiter dienen und ihn in dieser lauten und hektischen Welt zum Stillwerden anregen. „Man soll sich die Frage stellen, was sein eigentliches Ziel ist“, so Tollak. Auch chinesische, nordafrikanische und indianische Symbole sind wichtige und häufige Bestandteile der Seelenbretter und tragen zu einer kulturübergreifenden und farbenfrohen Gestaltung bei.

Im Laufe der Jahre haben sich zwei neue Unterabteilungen der Bretter entwickelt: Die sogenannten Engelbretter rief die Künstlerin ins Leben, als sie sah, dass Kinder häufig einen Engel als Motiv pinselten. Nun werden sie oft bei Anlässen wie Konfirmation oder Kommunion gebraucht und sind mit Engelssprüchen und -motiven versehen. Für die Soldatenbretter besuchten die Künstlerin und ihr Ehemann als Fotograf viele Kriegsmuseen, teilweise auch in England, um sich ein klares Bild von den Geschehnissen zu machen und diese ordentlich zu würdigen.

Durch zahlreiche Workshops und Ausstellungen in ganz Deutschland hat Bali Tollak einige neue Kunstbegeisterte gefunden, ihre Seelenbretter haben an Bekanntheit gewonnen. An vielen Orten sind sie zu sehen. Beispielsweise wurden in einer Autobahnkirche in Adelsried sieben Bretter platziert. Sie dienen als Erinnerung für Verunglückte.

Auch im Ausland bringt das Paar seine Kunst zum Ausdruck. Dort ist das Aufstellen der Seelenbretter in der Natur ein schönes Motiv für den Fotografen und mittlerweile sogar schon als Postkarte von Schottland und Neuseeland erhältlich. „Vom Atelier in die Öffentlichkeit“, wird dieses Projekt von den beiden bezeichnet.

Mit zwei Preisen wurde Tollak bereits im vergangenen Jahr für ihre vielen Projekte ausgezeichnet. Den Inklusionspreis der VR-Bank Aalen erhielt sie für das gemeinsame Malen in einer Behindertenwerkstätte in Ellwangen. Die dabei entstanden Bretter wurden anschließend ausgestellt. Mit dem zweiten Preis der Bürgerstiftung Agenda 21 in Diepholz wurde sie geehrt, weil sie zusammen mit Schülern und Migranten einen Skulpturpfad mit den Kunstwerken erweitert hat.

„Der Inhalt der Kunst ist keinesfalls der Verkauf. Es geht darum, Menschen zu begegnen, mit denen man sie teilen kann. Wenn man das zulässt, erlangt man eine breite Perspektive.“ Durch diese Erkenntnis entwickelten sich viele Kontakte und Freundschaften, die nur durch die Kunst zu Stande gekommen sind.

Für die Zukunft plant Bali Tollak ähnliche Projekte mit ihrem Ehemann. Seelenbretter zusammen in einer Behindertenwerkstatt oder einer Frauenvollzugsanstalt zu gestalten, sind wichtige Projekte in der nächsten Zeit. Außerdem wollen sie zukünftig auch deutsch-französische Workshops anbieten.

Anlässlich des 15. Jubiläums präsentiert die Künstlerin gemeinsam mit ihrem Mann vom 1. bis 3. Oktober 50 farbig bemalte Kunstbretter auf dem landwirtschaftlichen Gelände der Familie Kopp in der Schwarzkreuzstraße in Burggen.

Der Eintritt ist für alle Besucher frei. Gern gesehen sind auch Familien mit Kindern, denn aus Erfahrung weiß Bali Tollak, dass Kinder einen ganz anderen Blickwinkel besitzen und Kunst komplett anders auffassen als ihre Eltern. „Durch den Austausch gelangt man zu neuen Erkenntnissen.“

Bali Tollak und Wolfgang Dennig freuen sich auf ein zahlreiches Erscheinen. Wer sich nicht auf diesem Gebiet auskennt, für den gilt: „Der Betrachter muss kein Kunstwissen mitbringen, denn die Inspiration kommt beim ansehen“, so Bali Tollak.

Miriam Schäfer

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