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Trafen sich zum Ortsgespräch über die Zukunft des Lechs: Mitglieder der Ortsgruppen und Vertreter des Landesvorstands vom Bund Naturschutz.

Bund Naturschutz

Kritik an Kraftwerken am Lech: Bund Naturschutz will den Fluss fit für die Zukunft machen

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Die vielen Kraftwerke am Lech sieht der Bund Naturschutz problematisch. Weil in rund 20 Jahren die ersten Konzessionen ablaufen, bestehe jetzt Handlungsbedarf. 

Burggen – Querfeldein geht es durch hohes Gras zu einem versteckten Aussichtspunkt oberhalb der Litzauer Schleife in Burggen. Mitglieder des Bund Naturschutzes treffen sich hier mit Vertretern des Landesvorstandes. Sie besuchen zwei Mal jährlich Ortsgruppen, um sich deren Anliegen anzuhören oder Projekten politischen Nachdruck zu geben, erklärt der Landesbeauftragte Martin Geilhufe.

Durch Zweige hindurch blickt man auf einen der wenigen Lechabschnitte, die erahnen lassen, wie der Fluss ursprünglich aussah. Hier gibt es noch Kiesbänke, das Wasser fließt relativ frei. Anders als beim übrigen Fluss, erklärt Alfred Gößmann von der Ortsgruppe Schongau. Die vielen Kraftwerke entlang des Lechs, haben ihre Spuren hinterlassen. Sie sind der Anlass für das Treffen.

Treffen des Bund Naturschutzes am Lech: Kraftwerke zerstören Lebensraum

Zwar gelte die Stromgewinnung aus Wasserkraft als emissionsfrei – aber sie habe einen entscheidenden Nachteil: Die Zerstörung von Lebensräumen. Ein Stausee reiht sich an den anderen, beklagt der Bund Naturschutz. Die Durchgängigkeit des Flusses sei unterbrochen: Fische und Geschiebe aus dem Gebirge kommen nicht durch die Staustufen.

Die Litzauer Schleife in Burggen lässt erahnen, wie der Lech ursprünglich aussah.

Bei genauerem Hinsehen, machen sich die Kraftwerke auch an der Litzauer Schleife bemerkbar. Die Kiesbänke sind zugewachsen. Ein Hinweis darauf, dass die Dynamik fehlt, sagt Gößmann. Der typische voralpine Fluss hat führt im Sommer sehr viel, im Winter hingegen nur wenig Wasser. Durch den Wechsel entstehen immer wieder neue Kiesbänke. „Sie sind Trittsteine für die Wanderung von Pflanzen“, sagt Gößmann. Nicht beim Lech. „Ein Fluss, der nicht fließt, sondern steht, ist eigentlich ein Unding“, findet er.

Treffen des Bund Naturschutzes am Lech: Konzessionen für Kraftwerke erlöschen

Doch der Bund Naturschutz hat Hoffnung, dass sich das in Zukunft ändern könnte: Ab 2034 erlöschen die ersten Kraftwerkskonzessionen (in Gersthofen schon 2023). Der Bund Naturschutz sieht das als Chance, den Lech wieder natürlicher werden zu lassen. „Wenn die Konzessionen erneuert werden, dann muss das zu wesentlich ökologischeren Bedingungen als 1940 sein, als die ersten Kraftwerke gebaut wurden“, fordert Gößmann.

Für den Bund Naturschutz bedeutet das, dass die Staustufen ein Maximum an Durchlässigkeit für Fische und Getriebe ermöglichen. Überlegt werden müsse dabei über Turbinen, die den Fischen nicht schaden. Bisher werde je nach Strombedarf wenig, oder kurzfristig sehr viel Wasser durch die Turbinen gelassen. Flachwasserbereiche, die Fischen als Laichplätze dienen, fallen so immer wieder trocken und die Fischbrut stirbt.

Treffen des Bund Naturschutzes am Lech: Konzept soll erstellt werden

Auch Gerinne als Aufstiegshilfen sollen in Betracht gezogen werden. Außerdem schlug Gößmann vor, einen Teil des Wassers an den Staustufen vorbeizuleiten, um Kies passieren zu lassen. Zum Beispiel könne man den Lech ab der Stufe 7 (Finsterau) in zwei Parallelarme teilen: Der westliche für das Kraftwerk, der östliche für Fische und Geschiebe, so sein Gedanke.

Außerdem soll überlegt werden, ob auf einen Teil der Staustufen verzichtet werden kann, sagt Gößmann, der dabei vor allem an die Stufen zwischen Schongau und Landsberg denkt.

Zwar dauert es noch rund 20 Jahre, bis die ersten Konzessionen erlöschen – die Problematik müsse jetzt angegangen werden. Der Bund Naturschutz möchte ein Konzept entwickeln, wie mehr Ökologie und Stromerzeugung vereinbart werden können.

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