Das mögliche Bebauungsgebiet bei der St.-Anna-Kirche in Burggen
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Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan erfolgte im Dezember (Plan). Hinzu kommt nun noch eine andere Zuwegung von der St.-Anna-Straße aus

Aus dem Gemeinderat Burggen

Burggen droht finanzielles Desaster mit neuem Baugebiet

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Die Gemeinde kaufte bereits im vergangenen Jahr Flächen vom Bürgermeister-Bruder für 525 000 Euro. Offensichtlich waren aber der Gemeinde Denkmalschutz-Bedenken bekannt. Wurden diese ignoriert?

Burggen – Das neue Baugebiet in Burggen bei der Wallfahrtskirche St.-Anna steht auf der Kippe. Der Denkmalschutz hat schon im Vorfeld signalisiert, dass man dort nicht bauen darf. Dies könnte auch finanziell für die Gemeinde ein Desaster werden, denn wie Bürgermeister Josef Schuster bestätigt: Das Grundstück gehört der Gemeinde bereits seit Frühjahr 2019.

525.000 Euro hat die Gemeinde für das Grundstück bezahlt

Wie in Burggen üblich, seien pro Quadratmeter 52,50 Euro bezahlt worden,  525 000 Euro wurden demnach für die rund 10 000 Quadratmeter fällig. Inklusive Planungskosten stehe die Gemeinde derzeit mit rund 600 000 Euro in der Kreide. Der Ankauf sei einvernehmlich beschlossen worden. „Kommt das Baugebiet nicht, bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen“, sagte Schuster. Weil das angekaufte Grundstück seinem Bruder gehörte, habe er sich von Anfang an aus dem Thema komplett herausgehalten. Selbst zum Notartermin sei der damalige Vizebürgermeister Albert Bißle gefahren. Den Vorwurf, er habe jemandem aus der Familie „etwas zugeschanzt“, hat Schuster dennoch im Dorf schon oft gehört.

Der Kreisheimatpfleger sieht das neue Baugebiet äußerst kritisch

Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer sieht ein Baugebiet an der Kirche St.-Anna in Burggen äußerst kritisch. Die Wallfahrtskirche aus dem 16. Jahrhundert trägt auch den Zusatz „St.-Anna im Felde“, verweist Schmidbauer. „Es besteht die Gefahr, dass sie irgendwann von der Dorfbesiedelung eingeholt oder gar überholt wird“, warnt der Kreisheimatpfleger. „Damit stünde die Kirche dann mitten im Dorf, da wird die ganze Geschichte verfälscht.“ Ganz kann Schmidbauer das Vorgehen in Sachen Baugebiet nicht nachvollziehen. „Der Gemeinde war die Haltung des Denkmalamtes bekannt, dass dieses kein Einverständnis zum Baugebiet geben wird“, weiß Schmidbauer. Obendrein gebe es seiner Einschätzung nach in Burggen ausreichend Flächen, um andere Baugebiete auszuweisen.

Georg Lieb kann die Planungen nicht nachvollziehen

Die Planungen gar nicht nachvollziehen kann Georg Lieb, Geschäftsführer bei der Lieb Zerspanungstechnik GmbH. Gleich drei Gewerbebetriebe würden das neue Baugebiet einrahmen. Bei Lieb arbeiten 20 Mitarbeiter im Zweischichtbetrieb von 6 bis 22 Uhr, er fürchtet Ärger wegen Lärmbelästigung. Ihm geht es aber auch um die St.-Anna-Kirche: „Die muss frei bleiben, das ist ein Juwel, das unwiederbringlich verloren wäre.“ Dass dort nicht gebaut werden dürfe, sei der Gemeinde bekannt – auch ohne das amtliche Schreiben. Er selbst habe südwestlich der Firma erweitern wollen, was wegen des Denkmalschutzes nicht möglich gewesen sei.re

Zum Thema auch ein Kommentar der Autorin

In der Gemeinde Burggen kommt man einfach nicht zur Ruhe. Klarheit, ob das Baugebiet sensibel genug geplant ist, kann wirklich nur ein Verfahren bringen. Ein Gschmäckle hat in jedem Fall der vorzeitige Grundstückskauf der Gemeinde – ohne dass Baurecht besteht. Dass die Fläche auch noch dem Bruder des Bürgermeisters gehörte, macht die Lage für Josef Schuster nicht einfacher. Ob man da wirklich gut beraten war? Wieder ist es der Bürgermeister, der im Zentrum des Sturms steht. Und das bei dem heftigen Gegenwind, der sogar zur Annullierung der Wahl führen könnte, wenn das Verwaltungsgericht nicht zu seinen Gunsten entscheidet. Die Kirche im Dorf lassen? In diesem Fall wohl eher nicht!

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