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Das vollgestellte Schlafzimmer im Burggener Pfarrhof, in dem die siebenköpfige Familie aus Afghanistan übernachtet. Der Umzug in eine größere Wohnung wurde vom Landratsamt abgelehnt.

Asylbewerber aus Afghanistan

Burggen: Familie mit fünf Kindern droht Abschiebung

Eine Musterbeispiel für eine gelungene Integration ist die afghanische Familie Yamin, die seit über einem Jahr im Pfarrhof in Burggen wohnt. Deshalb ist es völlig unverständlich, dass ausgerechnet diese Familie abgeschoben werden soll. Sie lebt jetzt in ständiger Angst, nachts plötzlich von der Polizei abgeholt zu werden.

Burggen/Raisting – „Wir werden alles unternehmen, damit die Familie bleiben darf“, hat Burggens Bürgermeister Joseph Schuster bereits zugesichert. Auch er wundert sich über die Abschiebe-Entscheidung, die in der Bevölkerung Kopfschütteln und Ratlosigkeit ausgelöst hat. Niemand hat Verständnis für ein solches Vorgehen. „Die anständigen Asylbewerber werden ausgewiesen, die Straftäter dürfen bleiben“, wundern sich die Leute in Burggen.

Es handelt sich um eine siebenköpfige muslimische Familie. Der Vater, Nasser Mohamad Yamin, Jahrgang 1976, ist unbefristet in Vollzeit bei einer Firma in Burggen angestellt; die Mutter Nadera, Jahrgang 1978, hat eine ehrenamtliche Tätigkeit im Kindergarten Burggen übernommen.

Die fünf Kinder sind im Alter von zwei bis elf Jahren. Seit drei Jahren lebt die Familie in Deutschland. Bevor sie nach Burggen kam, war sie in Raisting untergebracht. „Die Integration der Familie kann als weitgehend gelungen gesehen werden“, bestätigt Dieter Hellauer vom Helferkreis Asyl in Burggen.

Er bescheinigt ihr ein musterhaftes Bemühen, sich den Bedingungen in Deutschland anzupassen. Die Kinder seien im Kindergarten problemlos, auch die Schulkinder, die ebenso wie die Eltern im Ort akzeptiert werden. „Bisher sind keinerlei Probleme bekannt, alle Bürger reagieren positiv, wenn sie auf die Familie Yamin angesprochen werden“, fügt Dieter Hellauer noch hinzu. Nach Beendigung eines Praktikums und Absolvierung der Probezeit ist der Vater in Vollzeit als Produktionshelfer bei der Firma Lieb (Zerspanungstechnik) in Burggen angestellt. Der unbefristete Arbeitsvertrag weist ein Gehalt über dem Mindestlohn aus. Die Kosten für eine Zusatzausbildung als Stapler-Fahrer übernimmt die Firma. „Die sprachliche Integration ist nach erfolgreicher Kursteilnahme des Ehepaars auf dem besten Weg.

Die Deutschkenntnisse bei der Ehefrau sind mit A2, die des Ehemanns mit A1+ angegeben und alltagstauglich, wenn man von Fachbegriffen absieht“, heißt es in dem Schreiben, das der Helferkreis Asyl dem Bürgermeister zugestellt hat. Im Zuge der Berufstätigkeit hätten sich die Deutschkenntnisse beim Vater verbessert. Beide Eltern seien – soweit es ihre Zeit erlaubt – weiter um Fortschritte bemüht.

Auch mit der sozialen Integration der Familie geht es gut voran. „Die Mutter ist kontaktfreudig, interessiert, geht auf Leute – meist Frauen – direkt zu und klärt Unklarheiten gleich auf“, hat der Helferkreis Asyl festgestellt. Nur der Vater sei derzeit noch etwas zurückhaltend. „Das Leistungsverhalten ist bei den Yamins durch Einsatzfreude, Interesse und Fleiß gekennzeichnet, und um Ordnung in der Unterkunft sind sie sehr bemüht“, bestätigt Asylhelfer Hellauer. Sauberkeit stehe an erster Stelle. So seien die Räumlichkeiten noch nie so ordentlich und gepflegt gewesen wie seit ihrem Einzug.

Die fünf Kinder werden als selbstbewusst, freundlich, unproblematisch und lebensfroh beschrieben. „Weder aus dem Kindergarten noch der Schule sind Schwierigkeiten bekannt“, heißt es im Integrationsbericht.

Und dennoch steht auf dem Ausweis des Vaters „ausreisepflichtig“. Zwar ist auch noch der Vermerk „Duldung“ hinzugefügt, aber auf Dauer ist es für Familie Yamin keine Perspektive, wenn sie jederzeit damit rechnen muss, in ein Ankerzentrum verlegt und anschließend aus dem Land abgeschoben zu werden.

Michael Gretschmann

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