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Die Lehrerin Elfriede ranz geht in Ruhestand. Bei der Jubiläumsfeier der Burggener Grundschule wurde sie von Schulleiter Rafael Saidl (rechts) und Josepf Schuster verabschiedet.

60 Jahre Grundschule Burggen

Erinnerungen und Abschied einer Institution

60 Jahre ist das Schulhaus in Burggen schon wieder alt. Eltern, Schüler und Ehrengäste feierten das Jubiläum. Ein Abschied fiel allen schwer.

Burggen – Bis zur Einweihung des neuen Burggener Schulhauses am 1. Mai 1958 war es ein harter Kampf: Vor allem die Finanzierung schob den langersehnten Baubeginn immer wieder nach hinten. Aus der Chronik geht zudem hervor, dass sich die alte Schule samt Turnhalle gleich neben dem Friedhof befand.

Das Baujahr sei nicht mehr genau bekannt, aber 1820 wurde es bereits renoviert und 1976 abgerissen, nachdem auch die Turnhalle 1964 und die Bühne 1974 am neuen Standort angebaut worden waren.

Der aktuelle Rektor Rafael Saidl konnte in seiner Begrüßung alle vier Gründe für ein schönes Fest abhaken, nämlich einen Grund zu feiern, nette Gäste, gute Stimmung und Kuchen. Bereits vor dem offiziellen Beginn konnten sich die Besucher in der Ausstellung im ersten Stock des Gebäudes umsehen und teilweise ihre eigene Kindheit auf Fotowänden wiederentdecken. Geburtsjahrgänge um 1980 herum stöberten in der Lesefibel mit den Protagonisten und ersten Wörtern „Otto, Uta, Evi und Peter“, und mutige Burggerinnen hatten ihre Zeugnisse wider des Datenschutzes samt Namen von früher zum Aufhängen freigegeben.

Handarbeiten, alte Mode und Unterrichtsmöbel sind in der Ausstellung zu sehen.

60. Jubiläum der Grundschule Burggen: Lernmethoden wurden gegenübergestellt

Alle Burggener Grundschüler haben sich in einer Projektwoche unter dem Motto „Schule früher und heute“ auf das Jubiläum vorbereitet, so dass es Mode, Schulutensilien und Gegenstände von früher zu bestaunen gab. Auf dem Schulhof luden Pausenspiele zum Ausprobieren ein, und die Sütterlinschrift konnte auf Schiefertafeln geprobt werden. Ein Zeitstrahl erinnerte sowohl an die Geschehnisse in der Welt als auch im Dorf, und dazu gehörte der Brand der Tannenberger Schule 1967, die Errichtung des neuen Kindergartens, die Verabschiedung der beiden ehemaligen Rektorinnen Gisela Eiband und Birigtte Kees oder der spektakuläre Einbruch 2013 in das Schulgebäude.

Sehr lustig anzusehen war auch das Filmprojekt, in dem die unterschiedlichen Zeiten, Lehrmethoden und Verhaltensregeln direkt gegenüber gestellt und das Bildmaterial in schwarz-weiß und Farbe gestaltet wurden.

Bürgermeister Joseph Schuster bezeichnete den Schulverband mit Ingenried als Segen für die hohen Schülerzahlen. Und er erinnerte sich an seine Kindheit, wo man vor der Schule überlegt habe, ob es Hosenspanner geben könnte, und man dann beispielsweise eine Lederhose anzog, weil diese dafür sehr vorteilhaft gewesen sei. „Der Gemeinde ist neben der Vermittlung von Wissen auch die Herzensbildung ein großes Anliegen“, und die Burggener Grundschule setze dies hervorragend um.

Schulamtsleiterin Ingrid Hartmann-Kugelmann attestierte der Schule, „immer offen für Neues zu sein und eine klare, professionelle Leitung mit Blick auf die wesentlichen Dinge“ zu haben.

Verabschiedung einer Lehrerin

Im wahrsten Sinne des Wortes Lobeshymnen angestimmt wurden dann für Elfriede Ranz: Die Altenstadterin war seit 1980 mit kleineren Pausen 31 Jahre lang Lehrerin in Burggen. Eine Gruppe aus Lehrern, ehemaligen Kollegen und der Schulsekretärin trugen vor der vollbesetzten Turnhalle ein Lied für und über Ranz vor, bei dem alle mitmachen durften. Saidl lobte die Pädagogin dafür, dass sie sich für jedes einzelne Kind eingesetzt und immer nur das Gute in jedem gesehen habe.

„Elfriede Ranz ist eine Institution. Und wenn man neun Tage vor dem Ruhestand noch eine Lesenacht mit 27 Schülern veranstaltet, dann nenne ich das nicht nur seine Arbeit machen, sondern eine Sensation“, fuhr der Rektor weiter fort, und das Publikum applaudierte. Als Geschenk gab es für Ranz einen Radelrucksack gefüllt mit den besten Wünschen, Powerriegeln für die Energie und ein Reifenflickset, sollte es in der Zukunft mal Probleme geben.

Die Schüler der zweiten Klasse hatten das selbstgedichtete Lied „Du bist die Beste – voll und ganz, Frau Ranz“ einstudiert, und natürlich gab es auch von den Gemeinden Burggen und Ingenried sowie dem Elternbeirat Präsente. Ranz fehlten am Ende fast die Worte, und sie bedankte sich „für die sehr berührenden Beiträge“ und betonte, dass sie sich an der Schule immer sehr wohl gefühlt habe.

Zum Festprogramm gehörten zudem ein kurzes englisches Theater der Viertklässler, ein „Sitzboggie“ sowie der „Karibu-Rap“ der beiden ersten Klassen, der Giggerl-Gockerl-Tanz der zweiten Klasse, das „Alle Vöglein sind schon da“ der Drittklässler sowie weitere gemeinsam gesungene Lieder.

Mit dem Publikum wurde abschließend „Kein schöner Land in dieser Zeit“ angestimmt, bevor vor allem die Kinder zum hochangepriesenen Fingerfood- und Kuchenbuffet stürmten.

Kathrin Zillenbiehler

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