Um die Brücke (3, rechts oben), die Grundstück 1 und 2 eines Burggeners verbindet, ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das Grundstück (4) am Hochwasserauffangbecken gehört ebenfalls dem Antragssteller – die Gemeinde würde es gerne kaufen.
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Um die Brücke (3, rechts oben), die Grundstück 1 und 2 eines Burggeners verbindet, ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das Grundstück (4) am Hochwasserauffangbecken gehört ebenfalls dem Antragssteller – die Gemeinde würde es gerne kaufen.

Knifflige Streitfrage

Burggener fordert: Gemeinde soll seine private Brücke neu bauen

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Zwei Grundstücke eines Burggeners werden durch den Steinbach voneinander getrennt. Zur Verbindung hat er privat eine Brücke gebaut. Weil die nun unterspült ist, fordert er von der Gemeinde einen Neubau. Eine knifflige Streitfrage, so der Bürgermeister.

Burggen – Es ist ein Konflikt, der sich schon seit Jahren hinzieht, und auch jetzt scheint keine Lösung in Sicht zu sein. Zwei Felder eines Burggeners werden durch den Steinbach getrennt. Um schnell vom einen Grundstück auf das andere zu kommen, baute er vor rund 50 Jahren eine Brücke, schilderte Bürgermeister Josef Schuster in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Das Problem: Die Brücke ist nun unterspült, weshalb der Eigentümer von der Gemeinde einen Neubau fordert – schließlich sei der Bach der Auslöser für den desolaten Zustand der Brücke. „Und für den Unterhalt und Schäden, die vom Bach ausgehen, ist die Gemeinde verantwortlich“, führte Schuster weiter aus. Rund 73 000 Euro würde ein Neubau kosten, erklärte Schuster, der bereits ein Angebot eingeholt hatte. Eine Sanierung wäre demnach teurer.

Burggen soll private Brücke neu bauen: Erst Zuständigkeit klären

Mehrere Gemeinderäte stellten die Verantwortlichkeit der Gemeinde allerdings in Frage. „Wenn er die Brücke selbst auf privatem Grund gebaut hat, verstehe ich nicht, warum die Gemeinde sie nun erneuern soll“, sagte etwa Peter Hofmann. Schließlich wisse man auch nicht, ob die Brücke vernünftig gebaut wurde, stieß Thomas Kirchhofer ins selbe Horn. Die Zuständigkeit sollte rechtlich geprüft werden, bevor das Gremium entscheidet.

Stephan Jocher befürchtete außerdem, „dass wir ein Fass aufmachen. Am Bach gibt es ja mehrere Anwohner. Wenn wir jetzt eine private Brücke neu bauen, kommt der nächste, und der nächste.“ Ähnlich sah es auch Gabriele Höfler. Der Antragsteller habe selbst noch mehrere Brücken. „Wie schauen denn die aus?“.

Grundstück wurde erst durch Flurbereinigung getrennt

Allerdings sei das Ganze laut Bürgermeister nicht so einfach als Privatsache abzutun. Ursprünglich sei es ein Grundstück gewesen, erst durch eine Flurbereinigung unter Bürgermeister Michael Faller (1949 bis 1976) sei der Bach laut Schuster mitten durch verlegt worden. „Das war bestimmt nicht im Interesse des Besitzers.“ Allerdings bezweifelten mehrere Gemeinderäte die geschilderte Verlegung. Auf einem Foto aus dem Jahr 1930 fließe der Bach schon an der Stelle, so Kirchhofer. Außerdem sei der Antragsteller nicht zwingend auf die Brücke angewiesen. Eine Zufahrt sei von anderer Seite möglich, so Schuster auf die Nachfrage von Höfler.

Doch noch eine Geschichte hänge an der Brückensanierung. Dem Grundstücksbesitzer gehört eine Fläche am Hochwasserauffangbecken, das die Gemeinde gerne kaufen würde, um darauf einen Lehrgarten für Schüler zu verwirklichen, erklärte Bürgermeister Schuster. Der Kaufvertrag war bereits aufgesetzt, als der Eigentümer im letzten Moment Abstand nahm. Er würde erst verkaufen, wenn die Gemeinde seine Brücke erneuert. Eine Beteiligung an den Kosten schloss er laut Schuster aus. „Das Grundstück würde uns gut tun“, meinte Stefan Schnack. Den Brückenneubau sah aber auch er kritisch. „Ich baue nichts auf Grund, der mir nicht gehört.“ Sollte die Brücke durch die Gemeinde erneuert werden, müsse sichergestellt werden, dass diese die Hand darauf hat und zum Beispiel einen Wanderweg über die Brücke anbieten kann.

Gemeinderat warnt, sich nicht unter Druck setzten zu lassen

Kirchhofer riet dazu, sich vom gewünschten Grundstückskauf nicht unter Druck setzen zu lassen. Die Fläche sei ohnehin als Biotop eingetragen, eine Veränderung daher kaum möglich. „Wenn der Besitzer auch nur einen Baum fällt, kriegt er massive Probleme. Das wird er nicht machen.“

Johann Welz bestand darauf, dass sich die neuen Gemeinderäte die Situation vor Ort anschauen. Die Karte, die gezeigt wurde, reiche nicht zur Urteilsfindung. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Von Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt soll eine Stellungnahme eingeholt werden, wer rechtlich für die Instandsetzung verantwortlich ist. Außerdem soll ein Gespräch mit den Eigentümern gesucht werden – auch wenn das vor acht Jahren zu nichts geführt habe, äußerte Schuster seine Bedenken. „Seit ich Bürgermeister bin, werde ich mit dem Thema konfrontiert.“

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