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In einem Wust von Schreiben und Bescheiden: Sabine Riederer aus Burggen ist verzweifelt.

Familie in Burggen verzweifelt

Wegen Schulweg-Problem droht Job-Verlust

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Dessau – „Wie bringen wir unsere Tochter zur Schule?“, fragen sich jeden Wochentag Sabine und Christian Riederer aus Dessau bei Burggen. Denn eine überall gängige Schulbusbeförderung funktioniert bei ihnen nicht.

Sabine Riederer ist verzweifelt, schüttelt den Kopf: „Es meldet sich keiner, ich erfahre nichts“, sagt die junge Mutter. „In letzter Konsequenz führt das dazu, dass ich meinen Job aufgeben muss.“ Was die 31-Jährige, die mit ihrem Mann Christian und den Töchtern Fabiola (7) und Karolina (5) auf Gut Dessau bei Burggen wohnt, so aufregt, ist eine seit einem Jahr dauernde Diskussion mit der Gemeinde Burggen bzw. dem Landratsamt Weilheim-Schongau um den Schulweg von Tochter Fabiola. Die Sache ist verzwickt.

Für Kinder, die mehr als zwei Kilometer weit von einer Grundschule entfernt wohnen, besteht seitens der Gemeinde bzw. des Schulaufgabenträgers eine Beförderungspflicht. Die Riederers wohnen 4,4 Kilometer Fußweg entfernt von der Grundschule Burggen. Daher hat sich Riederer bereits im Januar vergangenen Jahres, also lange bevor Fabiola im September in die Grundschule gekommen ist, mit der Gemeinde Burggen in Verbindung gesetzt.

Gemeinderat hat zweimal abgelehnt

nderat hat zweimal abgelehntVon der erhielt sie die Antwort, dass seitens der Gemeinde zwar eine Beförderungspflicht besteht, sie aber Probleme vor allem durch die Schranke sieht, die vor Gut Dessau steht und oft geschlossen ist. „Außerdem sieht man Probleme wegen des Schneeräumens“, liest Riederer aus dem Schreiben vor. Als Entschädigung bot die Gemeinde eine Fahrtkostenpauschale von 35 Cent pro Kilometer an.

„Die geschilderten Probleme bestehen aber gar nicht“, sagt die Verkäuferin. „Mein Mann fährt morgens als allererstes mit dem Schneepflug und räumt den Weg. Und für die Schranke haben wir angeboten, dem Schulbusfahrer einen Schlüssel mitzugeben.“

Weil mit der Gemeindeverwaltung keine Einigung gefunden wurde, hat sich der Burggener Gemeinderat im Juli mit dem Problem befasst. Der hat den Antrag der Riederers auf Schulbusbeförderung wegen Unwirtschaftlichkeit abgelehnt – verbunden mit einem Angebot auf Fahrtkostenzuschuss von jetzt 25 Cent pro Kilometer. Zudem seien die Eltern doch in der Lage, das Kind selbstständig in die Schule zu bringen. „Das geht aber nicht“, sagt Sabine Riederer. „Ich arbeite im Schichtdienst und fange mal morgens um 6 Uhr, mal gegen 11.30 Uhr an.“ Ihr Mann ist Fischereimeister beim Lechbauer-Biohof in der Dessau und dort nicht immer abkömmlich. Das haben die Arbeitgeber den beiden auch jeweils schriftlich bestätigt.

Daher haben die Riederers Widerspruch eingelegt. Aber der ist vom Gemeinderat im August abgelehnt und ans Landratsamt weitergeleitet worden. Von dort hat die Familie Ende September einen Brief bekommen. In der Zwischenzeit hat es die Familie nur durch die Hilfe der Großeltern sowie von Freunden und Arbeitskollegen geschafft, dass Fabiola jeden Tag die Schule besuchen konnte.

Die Kommunalaufsicht am Landratsamt stützt in ihrem Anhörungsschreiben die Gemeinde Burggen und verweist darauf, dass es keinen Anspruch auf kostenfreien Schulwegtransport und keine „Abholung vor der Tür“ gebe. Ausschlaggebend sei nicht die „subjektive Sicht der Zumutbarkeit, sondern die objektive Betrachtungsweise“. Und nach der sei ein Schulwegtransport für das Mädchen in der Dessau einfach unwirtschaftlich. „Außerdem steht in dem Brief, dass Fabiola ja früher auch ,regelmäßig zum Kindergarten gebracht worden ist’“, zitiert Riederer. „Ja, aber mit 48 Fehltagen allein im Kindergartenjahr 2015/16, weil es uns einfach nicht möglich war, sie dorthin zu bringen“, sagt die verzweifelte Mutter. Die Fehltage hat der Kindergarten bestätigt.

Familie erwägt Untätigkeitsklage

Die von den Riederers eingeschaltete Rechtsanwältin hat beim Landratsamt Widerspruch gegen den Bescheid eingereicht, weil der „ermessensfehlerhaft“ sei. „Seitdem ist aber nichts passiert“, sagt Sabine Riederer niedergeschlagen. „Unsere Anwältin hat am 12. Dezember nur ein Schreiben vom Landratsamt bekommen, dass wir uns wegen der verwaltungsrechtlichen Prüfung etwas gedulden sollen.“ Aus diesem Grund erwägt die Anwältin, eventuell Untätigkeitsklage gegen die Behörden einzureichen.

Aber noch länger gedulden kann und will sich die Familie nicht mehr. „Wenn sich nichts ändert, bin ich gezwungen, meinen Job aufzugeben, nur damit ich Fabiola und demnächst auch Karolina in die Schule bringen kann“, so Sabine Riederer.

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