Das mögliche Baugebiet an der St. Anna Kirche in Burggen ist umstritten.
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Das mögliche Baugebiet an der St. Anna Kirche in Burggen ist umstritten.

Hitzige Debatte im Gemeinderat

Burggener Baugebiet steht weiter auf der Kippe

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Das geplante Baugebiet an der St. Anna Kirche beschäftigt den Burggener Gemeinderat weiter. In der jüngsten Sitzung wollte der Bürgermeister klären, wie nach der Ablehnung des Bebauungsplanes weiterverfahren werden soll.

Burggen – Eine hitzige Debatte lieferten sich die Burggener Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung. Grund des Disputs war das geplante Baugebiet „Bei der Wallfahrtskirche St. Anna“. Die weitere Vorgehensweise sollte besprochen werden, nachdem die Planungen nicht gebilligt worden waren. Eine Rücktrittsklausel im Kaufvertrag, danach hatte Thomas Kirchhofer bereits gefragt, gebe es für die Gemeinde nicht.

Der Bürgermeister holte weit aus und schilderte den zahlreichen Zuhörern den Werdegang der Planungen. Schon seit längerer Zeit sei man bestrebt, neue Baugebiete auszuweisen, um junge Burggener im Dorf zu halten. Sämtliche noch freie Flächen im Dorf zeigte Schuster per Bildschirmpräsentation im Schnelldurchlauf und erklärte, weshalb ein Baugebiet dort nicht zu verwirklichen sei. Mal wollte der Besitzer nicht verkaufen, mal nur zu erhöhten Preisen – letztendlich sei laut Schuster nur noch die Fläche an der St, Anna Kirche als mögliches Baugebiet übrig geblieben. Der Kauf des Grundstücks (52,50 Euro pro Quadratmeter) vom Bruder des Bürgermeisters wurde damals vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Umstrittenes Baugebiet in Burggen: Kaum Vorschläge für Umplanung

Nach Rat eines Notars, so Schuster, werden in Burggen Grundstücke stets gekauft, bevor sie überplant werden, damit eine Preissteigerung ausgeschlossen wird. Bei der obersten Baubehörde habe man angefragt, ob eine Bebauung dort denkbar sei – „wir bekamen ein klares ,Ja’ als Antwort“.

Auch Architekt Martin Eberle, der den Bebauungsplan erarbeitet hatte, kam zu Wort. Er erklärte die sensible Planung, die wichtige Blickachsen zur markanten Kirche freilassen soll. Konkrete Vorschläge, wie das Baugebiet umgeplant werden könnte, um es doch noch zu billigen, kamen nur zögerlich. Helge Mandak schlug schließlich vor, die Verbindungsstraße anders zu planen (siehe unten). Die Diskussion verschob sich aber schnell in eine andere Richtung: „Es geht viel mehr darum, dass im Vorfeld einige Sachen sehr unglücklich gelaufen sind“, so Richard Lang. Zum einen ging es ihm um das Schreiben des Denkmalamtes, das nicht an den Gemeinderat weitergegeben wurde. „Außerdem wurde uns vor dem Kauf versichert, dass mit den Anwohnern gesprochen wurde. Dann stellte sich heraus, dass das nicht passiert ist.“

Gabi Höfler wollte diese Beschwerden nicht so stehen lassen: „Dass es nicht einfach wird, war allen von Anfang an klar, aber wir haben uns gefreut, dass wir ein Baugebiet haben.“ Woher plötzlich das Negative komme, sei ihr unklar. Mit allen zu reden, sei unmöglich, wandte Peter Hofmann ein: „Wenn wir das machen, bauen wir in Burggen garnichts mehr.“ Susanne Berchtold mahnte außerdem an, nicht nur an die Anwohner, sondern auch an Bauinteressenten, meist junge Burggener, zu denken. Insgesamt 38 Interessenten stünden auf der Liste für das Baugebiet an der Kirche. Auch wenn einige mittlerweile anderweitig versorgt wurden, wie Lang anmerkte, seien immer noch mehr als elf ohne Baugrundstück – so viele sind für das Gebiet an der St. Anna Kirche geplant.

Baugebiet an der St. Anna Kirche in Burggen: Gemeinderat diskutiert erneut über Schreiben des Denkmalamtes

Er und Architekt Martin Eberle betonten, dass das erwähnte Schreiben inoffiziell und nur intern war. Schuster wolle der Sache nachgehen, wie das Schreiben an den Kreisheimatpfleger gelangen konnte. Eberle meinte außerdem, dass Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange sehr viel sachlicher und positiver ausfallen, wenn man sie offiziell einholt. Dies geschieht, sobald ein Bebauungsplan gebilligt wird und öffentlich ausliegt.

Dass dieselbe Person, die sich in einem inoffiziellen Schreiben strikt gegen das Baugebiet ausspricht, es in einer offiziellen Stellungnahme befürwortet, konnte sich Karl Schuster allerdings nicht vorstellen. „Für meine Entscheidungsfindung wäre es wichtig gewesen, alle Fakten zu kennen“, so Schuster, der ebenfalls bemängelte, dass der Gemeinderat nichts vom Schreiben wusste.

Helge Mandak verwies darauf, dass die inoffizielle Stellungnahme des Denkmalamtes zwar kritisch sei, er aber gerne Stimmen von anderen Seiten hätte. Die gebe es allerdings nur mit Billigung des Bebauungsplanes.

Die Fronten blieben verhärtet, nach über einer Stunde wurde die Diskussion beendet, ohne klarem Ergebnis – es ist weiterhin alles offen.

Beratung über weitere Bauflächen – Grundstückseigentümerin möchte verkaufen

Der Bebauungsplan „Bei der Wallfahrtskirche St. Anna“ liegt auf Eis – im Gemeinderat wurde nun über eine mögliche weitere Bebauung im gleichen Eck diskutiert. Hintergrund: Die Besitzerin des Grundstücks unterhalb des Baugebietes würde ihre Flächen verkaufen, wenn sie auf einem der dadurch entstehenden Baugrundstücke selbst ein Haus errichten dürfte.

Wie viele weitere Häuser auf der Fläche entstehen könnten, ist noch unklar. Mit dem Grundstück könnte aber auch eine andere Straßenführung im Baugebiet „Bei der Wallfahrtskirche St. Anna“, wie Helge Mandak sie vorgeschlagen hatte, verwirklicht werden, so Bürgermeister Josef Schuster.

Die Änderung des Bebauungsplanes „Untere St. Anna Kirche“, die für das Projekt nötig wäre, stieß bei vielen Gemeinderäten zunächst auf Skepsis. Unter anderem wegen der Nähe zur Firma Lieb. Sie hätte in der Vergangenheit bereits einmal Probleme mit Anwohnern gehabt, die sich über Lärm beschwerten. Einen Lärmschutzwall, wie er von der anwesenden Grundstücksbesitzerin vorgeschlagen wurde, sah unter anderem Ferdinand Kirchhofer kritisch: „Das muss man sich einmal bildlich vorstellen. Wie sieht das aus? Passt das zu Burggen?“, warf er in den Raum.

Das Gremium einigte sich mit acht zu vier Stimmen darauf, dass sich zuerst der Bauausschuss nichtöffentlich mit dem Grundstück befassen soll, bevor die Pläne im Gemeinderat weiterbesprochen werden.

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