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Der Tatort: Am Pferdestall von Bürgermeister Joseph Schuster soll Bruno Faller den Hausfriedensbruch begangen haben. Deshalb ermittelt die Polizei.

Wegen Hausfriedensbruchs

Burggener Bürgermeister zeigt Verdienstmedaillenträger an

In Burggen lässt es sich gut leben. Die Leute kennen sich, man versteht sich – doch diese Idylle ist getrübt: Zwischen Bürgermeister Joseph Schuster und Bruno Faller, Träger der kommunalen Verdienstmedaille, ist ein Streit entbrannt, mit dem sich jetzt Polizei und Staatsanwaltschaft befassen müssen.

Burggen – Bruno Faller ist auf 180, genauer gesagt sein Blutdruck. Schuld ist die Aufregung. Wer würde sich da nicht aufregen? Soeben ist ihm eine Vorladung der Polizei ins Haus geflattert. Es geht um eine Beschuldigtenvernehmung. Der Beschuldigte ist Bruno Faller. Ihm wird vorgeworfen, sich am 5. Juli 2017 gegen 11.30 Uhr widerrechtlich im Pferdestall von Burggens Bürgermeister Joseph Schuster aufgehalten zu haben. Und der hat deshalb Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet.

Bruno Faller, Träger der kommunalen Verdienstmedaille.

Angezeigt vom eigenen Bürgermeister! Vom Joseph, den er von Kindheit an kennt, einem langjährigen Arbeitskollegen im Landratsamt, einem Sportskameraden, zu dem jahrzehntelang das beste Verhältnis bestand.

Dass ihm der Joseph so etwas antun würde, das kann Bruno Faller immer noch nicht fassen. Aber alle Burggener sollen es wissen. Deshalb hat Faller die polizeiliche Vorladung an den gemeindlichen Anschlagtafeln in Burggen, Tannenberg und Haslach ausgehängt. Die Zettel blieben dort allerdings nicht lange. Auf Anordnung von Bürgermeister Schuster sind sie umgehend entfernt worden.

Was sagt der 74-jährige Faller zum Vorwurf des Hausfriedensbruchs? „Ich habe bei der Polizei angegeben, im Stadel des Bürgermeisters seinen Bruder Alfred vermutet zu haben, den ich suchte, um ihm etwas mitzuteilen“, erklärte der Beschuldigte. Der „Hausfriedensbruch“ habe geschätzte 30 bis 60 Sekunden gedauert. „Die Staatsanwaltschaft wird nach bestehendem Recht entscheiden“, so Faller, der angekündigt hat, dass er das Urteil öffentlich machen will.

Der Streit zwischen Bürgermeister Schuster und Bruno Faller schwelt schon seit einem dreiviertel Jahr. Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den beiden ist, zeigte sich heuer am 14. Februar: An diesem Tag erhielt Bruno Faller zusammen mit drei anderen Burggenern im Landratsamt in Schongau die kommunale Verdienstmedaille von Landrätin Andrea Jochner-Weiß überreicht.

Joseph Schuster, Bürgermeister von Burggen.

Bei dieser Ehrung sollte eigentlich auch Bürgermeister Joseph Schuster zugegen sein. Faller hat aber bereits im Vorfeld der Landrätin unmissverständlich mitgeteilt, dass er auf eine Gratulation von Schuster keinen Wert lege und auch nicht bereit sei, sich mit Schuster auf einem Ehrungsfoto ablichten zu lassen.

Um einen Eklat bei der Auszeichnung zu vermeiden, wurde nicht Schuster, sondern kurzerhand der zweite Bürgermeister Albert Bißle ins Landratsamt einbestellt, der namens der Gemeinde Burggen Glückwünsche an Faller und die anderen Geehrten übermittelte.

Entbrannt ist der Streit zwischen Schuster und Faller durch die Planungen eines Dorfgemeinschaftshauses in Burggen. Bruno Faller ist direkter Anlieger und musste befürchten, dass ihm eine 22 Meter lange und 1,5 Meter hohe Schallschutzwand vor sein Haus gesetzt wird (mehr dazu siehe im Hintergrund unten).

Die ganze Aufregung um die Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und der Ärger um das geplante Dorfgemeinschaftshaus haben bei Bruno Faller den Blutdruck rapide steigen lassen. Vom Arzt sind ihm sogar Tabletten verordnet worden. „Ich hatte mein Leben lang immer einen niedrigen Blutdruck, und jetzt so was!“, ärgert sich der 74-Jährige, der – ebenso wie seine Frau – oft nächtelang keinen Schlaf mehr findet.

Bürgermeister Schuster sieht in dem Streit mit Bruno Faller eine private Angelegenheit, die nichts für die Öffentlichkeit sei. Deshalb hat er eine Stellungnahme abgelehnt. Nur eines wollte Schuster sagen: „Meine Familie muss aus der politischen Arbeit herausgehalten werden!“

Zum Hintergrund:

Das Dorfgemeinschaftshaus in Burggen ist nicht unumstritten. Dies hat sich bei der Abstimmung im Gemeinderat im Juli gezeigt. Mit 7:5 stimmten die Räte in nichtöffentlicher Sitzung für den Bau. Eine Stimme weniger, und das Projekt wäre gescheitert. Nach dem Schallschutzgutachten vom 21. Oktober 2016 wären alle um den Baubereich liegenden Nachbarn durch den Lärm des geplanten Dorfgemeinschaftshauses nicht belastet. „Nur wir wurden wegen der Parkplätze auf unserer Südseite als belastet eingestuft, aber nur ab 22 Uhr, also zur Nachtzeit“, teilte Bruno Faller mit. Der Gutachter habe deshalb vorgeschlagen, die Nutzungszeit der nördlichen Stellplätze auf den Tageszeitraum, das heißt bis maximal 22 Uhr zu beschränken oder als konstruktive Maßnahme eine Schallschutzwand (22 Meter lang, 1,5 Meter hoch) zu errichten. 

Im Plan, den der Gemeinderat am 15. Dezember zur Beschlussfassung vorgelegt bekam, war eine Schallschutzwand eingezeichnet. Deshalb ging Faller davon aus, dass sich der Gemeinderat nicht für die Beschränkung bis 22 Uhr, sondern für die Schallschutzwand entschieden habe. „Bei der Vorstellung der endgültigen Planung am 28. Dezember 2016 stand ich als einziger Nachbar auf und zeigte mich enttäuscht wegen der beschlossenen Schallschutzwand“, berichtet Faller. Und da habe er bemerkt, dass der Gemeinderat davon keine Kenntnis hatte. „Deutlich sagten einige Gemeinderäte zu mir, von einer Schallschutzwand würden sie heute erstmals hören“, so Faller gegenüber der Heimatzeitung. „Bürgermeister Schuster hatte dem Gemeinderat nichts von einem schon fast zwei Monate alten Gutachten gesagt“, so der Vorwurf von Faller. 

Und weiter: „Jetzt brauchte der Bürgermeister einen Schuldigen, und den fand er in meiner Frau.“ Leni Faller, seit über 40 Jahren Gemeindesekretärin in Burggen, stand wenige Monate vor dem Renteneintritt und erhielt von Bürgermeister Schuster eine Abmahnung, weil sie angeblich interne Dinge über die Planungen weitergegeben habe. Der VG-Vorsitzende Martin Hinterbrandner aus Bernbeuren hatte eine Abmahnung diesbezüglich abgelehnt, vor Gericht jedoch gewann die Gemeinde – die Abmahnung sei korrekt gewesen. „Ich habe keine Dinge herausgegeben, ohne vorher gefragt zu haben“, versichert Leni Faller, die schwer enttäuscht von Bürgermeister Schuster ist.

Michael Gretschmann

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