„Man lernt das Rodeln sehr schnell“, erzählt Werner Friedl aus Burggen und macht in seiner Werkstatt vor, wie man mit Beinen und Körpereinsatz lenkt.
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„Man lernt das Rodeln sehr schnell“, erzählt Werner Friedl aus Burggen und macht in seiner Werkstatt vor, wie man mit Beinen und Körpereinsatz lenkt.

Coronabedingter Hype

Vom Schreinermeister zum Rodel-Spezialisten: Werner Friedls Schlitten sind weltweit gefragt

Werner Friedl aus Burggen hat derzeit viel zu tun: seine handgefertigten Rodel sind weltweit gefragt. Wie er selbst zu dem Sport und dem Schlittenbauen kam, ist eine nahezu märchenhafte Geschichte.

Burggen – „Warten Sie, ich hole noch schnell die Ausrüstung“, sagt Werner Friedl, Rodelbauer aus Burggen für den Fototermin. Er holt einen Skihelm, eine Schutzsonnenbrille und Bremseisen, sogenannte Bremsgrödl, aus seinem Lager und legt sie neben seine Rennschlitten. Für Friedl muss alles passen beim Rodeln. Nicht nur seine handgefertigten Sportschlitten sind bis ins kleinste Detail perfekt gebaut, auch die Sicherheit rund um das Rodeln mit seinen Schlitten ist dem 63-Jährigen wichtig.

Werner Friedl ist Schreinermeister, ließ sich zum Fachlehrer ausbilden und unterrichtete an der Berufsschule in Füssen die Schreinerklasse. Auch in Weilheim war er zwei Jahre in dieser Funktion tätig. Und wie das Ganze mit dem Rodeln, dem Schlittenbauen und seinem Familienunternehmen anfing, ist eine schöne, nahezu märchenhafte Geschichte.

Burggener Rodelbauer tüftelte lange herum

2002 machte Werner Friedl eine Skitour auf den Pürschling. „Da sah ich auf dem Berg alte Holzschlitten, die dort für ein Rennen bereit standen“, sagt Friedl. Ein roter Sportrodel fiel ihm sofort ins Auge. Nach einer vom Besitzer des Schlittens erlaubten Probefahrt, packte ihn nicht nur das Rodelfieber – Friedl wollte so einen Holzschlitten selbst bauen. Und so begann es. Werner Friedl machte seine ersten Schablonen für den Bau der einzelnen Bauteile, tüftelte herum. „Aber das Ergebnis war mäßig“, sagt Friedl ganz ehrlich. Er war überhaupt nicht zufrieden mit dem Rodel und wollte Verbesserungen.

Er klapperte Sportgeschäfte in Österreich, Südtirol und Italien ab. „Ich habe mich umgeschaut, was es auf dem Markt so gibt“, erinnert er sich. Und aus all den gesammelten Erkenntnissen entwickelte Werner Friedl dann seinen eigenen Rodel. Er veränderte hier und da etwas, der Schlitten wurde schneller und schneller, bis er so perfekt war, dass der Rodelbauer an offiziellen Rennen teilnahm. Friedl ist vierfacher Bayrischer Meister im Sportrodeln, nimmt regelmäßig am traditionellen Drehhüttenrennen teil und ist dort Streckenrekord gefahren. Sogar bei europäischen Meisterschaften war er dabei.

Rodel sind gefragt - Werner Friedl meldet sein Unternehmen an

Und natürlich fiel es seinen Freunden und Sportkollegen auf, was er da für einen tollen Schlitten in Heimarbeit zusammengebaut hatte. „Alle wollten auch so einen haben“, sagt Friedl. Und er baute los. 2004 meldete er mit „Rodelbau Friedl“ sein Unternehmen an, denn die Nachfrage war riesig. Seitdem produziert Werner Friedl das ganze Jahr über Rennschlitten. Ehefrau Marlene ist für das Schleifen und Lackieren der Holzteile zuständig, Sohn Max setzt den Schlitten, dessen Einzelteile Werner Friedl schon vorproduziert hat, zusammen. Zu Anfang hatte Friedl auch die Sitztextilien selbst genäht. Diese Arbeit gibt er aber nun in Auftrag.

Aber Rodelbau Friedl bietet noch etwas Besonderes an. Man kann seinen Schlitten individuell gravieren lassen. Mal ist es ein spezielles Logo, mal wünscht der Kunde seinen Namen auf die Seite des Schlittens. Da sind dem Design keine Grenzen gesetzt. „Design ist wichtig“, sagt Friedl. Er legt seine Rodel nach hinten tiefer. So sehen sie windschnittiger aus. „So ein Rodel hält ein ganzes Leben“, erklärt Werner Friedl. Aber er nimmt auch Reparaturen oder Wartungen vor, wenn tatsächlich einmal etwas defekt sein sollte, nach einem Sturz beispielsweise.

Rodeln ist heuer der Hype

„Man lernt das Rodeln sehr schnell“, sagt Friedl und demonstriert, auf dem Rodel sitzend, wie man mit den Beinen und mit Körpereinsatz lenkt. Auch Kinder würden sehr schnell die Fahrweise beherrschen, so Friedl. So gibt es daher neben den Standardschlitten auch Rodel für Kinder im Sortiment und auch noch einen in mittlerer Größe für Jugendliche und kleinere Personen. 260 Euro aufwärts kostet so ein Schlitten, kein Vergleich zu dem Erwerb einer Skiausrüstung.

Werner Friedl hat derzeit sehr viel zu tun. Alle wollen rodeln. „Es ist coronabedingt der Hype heuer“, sagt er. Daher nimmt er momentan keine Bestellungen mehr an. Es gibt das ganze Jahr genug zu tun für die kommende Saison. Und nicht nur in Deutschland saust man mit Friedl-Rodel den Berg hinab. In Tokio und in Finnland fährt einer. Kürzlich hat Werner Friedl einen nach Sierra Nevada in Kalifornien geschickt.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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