Am Abend standen nur noch die Stümpfe der einst stattlichen Linde, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste.
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Am Abend standen nur noch die Stümpfe der einst stattlichen Linde, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste.

Baum am Ortseingang von Tannenberg war vor allem bei Sturm gefährdet

Geschichtsträchtige Linde gefällt

Hätte eine alt- ehrwürdige Linde in Tannenberg all’ die Geschichten und Ereignisse niederschreiben können, die sie im Laufe der Jahrzehnte erlebt hat, es wären gewiss mehrere Bände zusammen gekommen. Oder vielleicht sogar in Jahrhunderten, denn das Alter der Linde, die jetzt gefällt worden ist, ist nicht bekannt.

Tannenberg - Viele Schätzungen liegen im Raum, dass sich das Alter der besagten Linde zwischen mindestens 150 und 300 Jahren bewegt. Verglichen mit der Friedenslinde, die einen Steinwurf von der Tannenberger Kirche entfernt steht, kann man nur grob schätzen. „Die Friedenslinde wurde nach dem Ersten Weltkrieg gepflanzt, ist also knapp über 100 Jahre alt“, erzählt Albert Bißle, der neben diesem Baum sein Wohnhaus hat. Und verglichen mit Stammumfang und Größe hinkt diese Friedenslinde ihrer älteren Schwester um einiges hinterher.

Alter und Geschichte hin oder her, die Linde am Eingang des Dorfes Tannenberg musste jetzt gefällt werden. Wie im Vorfeld von Fachleuten begutachtet wurde, stellte der Baum aufgrund seines Zustandes vor allem bei Starkwind oder Sturm eine große Gefahr dar. Einer des einst dreigeteilten Stammes war schon durch Fäulnis bedingt abgebrochen. „Ein Glück, dass damals niemand zu Schaden gekommen ist“, sagte während der Fällung einer der Anwohner in der Nähe des Grundes, auf dem die Linde stand.

Mit der mobilen Hebebühne rückten die Arbeiter gegen 8 Uhr am Morgen bei der stattlichen Linde am Ortseingang von Tannenberg an.

Die anderen beiden Stämme, die mit Beastung auf über 30 Meter Höhe geschätzt wurden, waren zuletzt durch drei gespannte Seile zusammengehalten worden. So sollten sie vor dem Auseinanderbrechen geschützt werden.

Dass dieser Zustand nicht mehr zu verantworten war, versteht sich. Ast für Ast und Stück für Stück rückten daher jetzt die Arbeiter der Linde zu Leibe. Dabei sägten sie von unten beginnend fast Korkenzieher-artig um den Baum herum die Äste ab. So sollte verhindert werden, dass sich das Gewicht der Äste auf eine Seite verlagert und der Stamm bricht.

Und es lief wie am Fließband: Am Abend bot sich den nach Tannenberg fahrenden Bewohnern ein völlig neues Bild am Ortseingang. Nur noch die einzelnen am Boden liegenden Stücke der Linde erinnerten an den einst so stattlichen Baum. Seine erlebten Geschichten hat er für sich behalten.

Hans-Helmut Herold

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