Auch das mögliche Baugebiet an der St. Anna Kirche in Burggen wurde in die Priorisierung mit aufgenommen.
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Auch das mögliche Baugebiet an der St. Anna Kirche in Burggen wurde in die Priorisierung mit aufgenommen.

Baugebiete priorisiert

Wohnraum schaffen: Burggen beschließt Innenentwicklungskonzept

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Dass die Gemeinde Burggen gleich mehrere Baugebiete im Außenbereich plant, hat das Amt für ländliche Entwicklung in Alarm versetzt. Nun wurde ein Innenentwicklungskonzept erstellt.

Burggen – Spätestens seit zwei Volksbegehren, ist für die Landesregierung klar, dass anders mit dem Verbrauch von Siedlungs- und Verkehrsflächen umgegangen werden soll. Orte sollen demnach zuerst Potenziale im Inneren ausschöpfen, bevor sie sich nach außen entwickeln, erklärte Architektin und Stadtplanerin Annegret Michler in der jüngsten Burggener Gemeinderatssitzung. Dass Burggen innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Baugebiete im Außenbereich in Angriff genommen hat, löste beim Amt für ländliche Entwicklung die „Alarmklingel“ aus. Michler, die von der Gemeinde beauftragt wurde, stellte nun ein Innenentwicklungskonzept vor, das den Bedarf an Baugebieten klar nachweist.

Zum einen wird darin geprüft, welche demografischen Entwicklungen und welcher Bedarf an Bauflächen zu erwarten ist. Nach dem Bayerischen Landesamt für Statistik werden im Jahr 2031 wohl 1720 Bürger in Burggen leben. Berücksichtigt man den Wohnungsbestand, die Belegungsdichte usw. ergibt sich laut Michler ein Zusatzbedarf von 61 Wohneinheiten bis zum Jahr 2031. Eine Regelung, wie viele dieser 61 Wohneinheiten pro Jahr entstehen dürfen, gebe es nicht, so Michler auf Nachfrage von Karl Schuster. Und wenn im Innenbereich etwa ein altes Bauernhaus saniert wird und darin drei Wohneinheiten entstehen, müssten diese unabhängig von den Baugebieten ebenfalls von den 61 Einheiten abgezogen werden. Allerdings ist die Zahl nicht in Stein gemeißelt, da sie sich an den demografischen Entwicklungen orientiert.

Bauland schaffen, um Jugend in Burggen zu halten

Die Gemeinde hat außerdem alle Grundstücksbesitzer angeschrieben und sie nach ihren Plänen zu Verkäufen, Sanierungen ect. befragt. Eine freie Fläche im Dorf bedeute schließlich noch lange nicht, dass dort gebaut werden könnte. Die Ergebnisse werden in einem Plan festgehalten. „Zwölf positive Rückläufe der Sanierungsberatung zeigen die aktive Betreuung der Innenentwicklungspotentiale“, so Michler. Die Gemeinde beschloss außerdem die Einleitung eines Untersuchungsgebietes, um gezielt die Innenentwicklung zu stützen.

Dass innerhalb kurzer Zeit viele Bebauungspläne in Burggen entstehen, sei laut Bürgermeister Josef Schuster vor allem dem sogenannten „13b“ -Paragraphen geschuldet, der nur noch bis Ende 2019 ein leichteres Bauen ohne etwa Ausgleichsflächen auszuweisen, ermöglichte (wir berichteten). Und was nach wahnsinnig viel klinge, sehe in der Realität anders aus: Pro Bebauungsplan sind oft nur vier Wohneinheiten geplant. Man habe derzeit aber 45 Baubewerber. „Wir sind gefordert, Bauland auszuweisen, damit die Jugend im Ort bleibt. Nur so haben wir eine Zukunft“, sagte Schuster. Man müsse dabei zweigleisig fahren, so das Echo im Gemeinderat. Heißt: Sowohl Sanierungen im Innenbereich fördern als auch neue Bauplätze ausschreiben.

Baugebiete in Burggen sollen priorisiert werden

Zwar könne sich eine Gemeinde auch ausschließlich nach außen entwickeln und den Ortskern außer Acht lassen, wenn Gemeinderäte das so beschließen – Fördermittel müssten dann aber zurückgezahlt werden, erklärte Stadtplanerin Michler.

Sie empfahl dem Gemeinderat, eine Priorisierung der Baugebiete vorzunehmen. „Das zeigt, dass Sie eine Strategie verfolgen und macht es auch für Bürger nachvollziehbar, wo es hingeht.“

Nach einer kurzen Diskussion, die vor allem das Baugebiet St. Anna betraf (Thomas Kirchhofer: „Das ist in weite Ferne gerückt – da brauchen wir keinem Hoffnungen machen.“) stimmte der Rat mit einer Gegenstimme für die vorgeschlagene Reihenfolge . Diese könne wieder geändert werden oder durch andere Flächen ersetzt werden, erklärte Michler.

1.Mayer's Garten5 Wohneinheitengeplante Fertigstellung Ende März 2021
2.Bärenhalde4 WohneinheitenEnde Mai 2021
3.Am Süßbach3 WohneinheitenEnde Mai 2021
4.Erweiterung an der Schule3-4 WohneinheitenEnde September 2021
5.Bei der Wallfahrtskirche St. Anna11 WohneinheitenEnde Dezember 2021
6.Erweiterung Schwarzkreuzstraße-Lechhalde18 WohneinheitenEnde Dezember 2021
7.Westlich & östlich (Höfler Grundstück) der Schongauer Straße4 Wohneinheiten plus GewerbeflächenJuni 2022

Mit dem Innenentwicklungsprogramm als Grundlage konnten in der Sitzung schließlich Abwägungen von Stellungnahmen zu drei der Bebauungspläne in Angriff genommen werden.

Baugebiete: Abwägung von Stellungnahmen

Optimistisch hatte sich Bürgermeister Josef Schuster gezeigt und für den Bebauungsplan Mayer’s Garten eine Fertigstellung bis Ende März eingeplant – daraus wurde nichts. Seitenweise wurden in der jüngsten Sitzung zahlreiche Stellungnahmen von Privatleuten sowie Trägern öffentlicher Belange zum Bebauungsplan verlesen und entsprechende Beschlüsse des Gemeinderates gefasst. Auch die neue Bewohnerin eines Bauernhauses, das ebenfalls in den Bebauungsplan fällt, hatte sich geäußert und um mehr Spielraum bei den Baugrenzen gebeten. Fünf Räte bestanden darauf, die Grenzen unverändert zu lassen, acht Räte wollten dem Wunsch der Frau nachkommen: Nach der Änderung für die bestehende Althofstelle muss der Bebauungsplan daher erneut ausgelegt werden.

Bei den Bebauungsplänen Bärenhalde und Süßbach waren in der jüngsten Sitzung nur die Stellungnahmen von Privatleuten Thema. Auch hier ging es vor allem um Änderungen von Baugrenzen – den Wünschen wurde nachgekommen. In einer kommenden Sitzung werden dann auch die Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange zur Abwägung kommen.

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