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Mit schwerem Gerät wie diesem Bagger wird der ökologische Zustand an der Litzauer Schleife verbessert.

Litzauer Schleife bei Burggen

Mit schwerem Gerät die biologische Vielfalt im Lech bewahren

Die biologische Vielfalt am Lech bewahren und den ökologischen Zustand an der Litzauer Schleife verbessern: Das soll eine Maßnahme, die derzeit vom Wasserwirtschaftsamt, dem Kraftwerkbetreiber Uniper und dem Verein „Lebensraum Lechtal“ umgesetzt wird.

Burggen – Im Prinzip ist die Maßnahme gemäß der Wasserrahmenrichtlinie eine Art „Hilfe zur Selbsthilfe“ für Fische: Was früher vom wild strömenden Lech selbst erledigt wurde, nämlich der Transport von Sand und Kies sowie das Aufbrechen und Umlagern von Kiesbänken zur Schaffung von Lebensräumen für Vögel und Fische, wird am beruhigten Lech jetzt künstlich mit dem Bagger nachgebildet.

„Der Lech ist durch Staustufen verändert, und die Litzauer Schleife ist einer der wenigen freifließenden Abschnitte. Der ökologische Zustand ist mäßig“, erläuterte Roland Kriegsch, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Weilheim. Das soll jetzt durch die laufende Maßnahme, die in drei Abschnitten erfolgt, verbessert werden. Vor allem im Hinblick auf die Fische, die durch fehlendes Geschiebe (Geröll, Kies und Sand), Hochwasser und Schwellbetrieb dezimiert werden.

Beruhigte Zonen für Jungfische

Bereits im vergangenen Jahr sind auf Höhe von Gut Dessau vorhandene Seitenrinnen angebunden worden, um Jungfischen beruhigte Zonen zu bieten. Im zweiten Bauabschnitt wird dies nun auf Höhe des Weilers Forchenmühle fortgesetzt und der Flusslauf um ein Nebengerinne mit Kieslaichplatz erweitert. „Wir wollen durch die Anbindung von Seitenrinnen Habitate für Jungfische nahe den Laichplätzen schaffen, die sie vor dem Schwellbetrieb schützen. Dafür werden Kies sowie ganze Fichten und Totholz eingebracht“, erklärt Bernhard Müller, Abteilungsleiter Weilheim-Schongau beim Wasserwirtschaftsamt.

Kies kommt aus dem nahen Forggensee

Der Kies kommt dazu aus dem nahen Forggensee, die Fichten und das Totholz aus den ufernahen Wäldern. Die sogenannten Rauhbäume bilden strömungsberuhigte Bereiche und bieten den Fischen als Unterstand auch Schutz vor Fressfeinden. Die letztjährige Maßnahme zeigt nach Angaben der Experten schon messbaren Erfolg.

Die Verantwortlichen für die Maßnahme an der Litzauer Schleife beim Ortstermin: Von links Stefan Kotz (Leiter der Flussmeisterstelle Weilheim), Bernhard Müller (Abteilungsleiter Wasserwirtschaftsamt), Jonathan Hawran (Praktikant), Cornelia Häckl (Koordinatorin Hydrologie und Ökologie Uniper), Roland Kriegsch (Leiter Wasserwirtschaftsamt) und Harald Jungbold (Projektmanager „Lebensraum Lechtal“)

Dass die Maßnahme wichtig ist, verdeutlichte Harald Jungbold, Projektmanager beim Verein „Lebensraum Lechtal“ anhand eines Diagramms: Während im Jahr 1955 offene Kiesbänke an der Litzauer Schleife noch 74 Prozent der Fläche ausgemacht hatten, waren es im Jahr 2018 nur noch zehn Prozent. Was auch dazu führt, dass verschiedene Fischarten schon verschwunden und andere nur noch selten zu finden sind.

Nebenrinnen müssen immer wieder vom Schlamm befreit werden

„Wir stellen die Baugeräte zur Verfügung, die Arbeiten werden von der Flussmeisterstelle Weilheim durchgeführt“, erklärte Cornelia Häckl, die Koordinatorin im Bereich „Hydrologie und Ökologie“ beim Kraftwerksbetreiber Uniper. Allerdings ist es nicht damit getan, einmalig die Nebenrinnen anzubinden, sondern diese müssen im Abstand von zwei bis drei Jahren immer wieder vom Schlamm befreit und mit neuem Kies bestückt werden.

Darüber hinaus räumt der Verein „Lebensraum Lechtal“ eine Kiesbank frei, auf der sich bereits eine Humusschicht gesammelt und Bewuchs gebildet hat, um Brutplätze für Flussregenpfeifer, Flussuferläufer und weitere vom Aussterben bedrohte Arten zu schaffen. „Auf dieser Kiesbank wollen wir dafür sorgen, dass es wieder einen Rohkiesstandort in der Litzauer Schleife als Brutplatz gibt“, sagt Harald Jungbold. „Natürlich werden wir nicht die gesamte Kiesbank räumen.“

Kiesbänke sollten bis zum 15. August nicht betreten werden

Die Maßnahme hat „Modellcharakter“ und startet mit rund 0,4 Hektar Räumungsfläche. Und dann heißt es Warten und Beobachten, was sich in diesem Bereich entwickelt. Vor allem sollten die Kiesbänke bis zum 15. August nicht betreten werden, um die Brut nicht zu stören.

URSULA FRÖHLICH

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