Die Hofstelle am Burgweg in Burggen soll sich verändern. Ein Schongauer Investor möchte dort drei Mehrfamilienhäuser bauen, was dem Gemeinderat viel zu viel ist.
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Die Hofstelle am Burgweg in Burggen soll sich verändern. Ein Schongauer Investor möchte dort drei Mehrfamilienhäuser bauen, was dem Gemeinderat viel zu viel ist.

Gemeinde Burggen stellt Bebauungsplan auf und will damit 24 Wohneinheiten im Ortskern verhindern

Mit Veränderungssperre gegen massive Bebauung

Drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 24 Wohneinheiten: In der Sitzung Anfang Juli hatte es sich bereits angekündigt, dass dem Gemeinderat die Pläne für das Anwesen Burgweg 4 viel zu massiv sind. Nun packte man das Instrument Veränderungssperre aus.

Burggen – Der Schongauer Investor Kemal Köklü hat große Pläne in Burggen. Unter der Regie des Schongauer Architekten Sebastian Böse soll der brachliegende alte Hof von Richard Arnold im Herzen Burggens wieder zum Leben erweckt werden. Aber der Gemeinderat hatte im Juli für Einheimische keinen Bedarf an so vielen kleinen Wohneinheiten gesehen. „Wir wollen für unsere Leut’ Optionen schaffen“, hatte Gabriele Höfler betont. Zweitwohnungsbesitzer brächten nicht viel für das Ortsklima.

Auch die Parksituation wurde damals als kritisch bewertet. Zwar bekomme jeder Anwohner einen Tiefgaragenstellplatz, aber es seien zu wenig ebenerdige Parkplätze eingeplant, auf der Straße parkende Fahrzeuge würden dann eventuell die Durchfahrt für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge behindern, so die Befürchtung von Susanne Berchtold. Und Stefan Schnack war das Konzept damals zu sehr von der Stange: „Das Modell ist charmant. Aber wie das ausschaut, könne man meinen, man hätte sich in eine städtische Siedlung verirrt. Bitte mehr Holz, mehr alpenländische Bauweise.“

Zu bedenken gab er in der Julisitzung ferner, ob man den zu erwartenden Bevölkerungszuwachs auch infrastrukturell verantworten könne. Der Gemeinderat lehnte das Vorhaben damals einstimmig ab.

Formal genügt es aber nicht, die Bauvoranfrage einfach nur mit einem negativen Bescheid der Gemeinde an das Landratsamt weiterzugeben. Die Genehmigungsbehörde könnte das Einvernehmen der Gemeinde ersetzen. „Es ist richtig, dass sich die Gemeinde entwickeln will, aber wir wollen darüber nachdenken“, fasste Bürgermeister Josef Schuster in der jüngsten Sitzung die Thematik zusammen. Dazu wolle man zunächst eine Veränderungssperre erlassen, um dann mit genügend Luft mit dem Investor zu einer harmonischen Lösung zu kommen.

Wie Bürgermeister Schuster betonte, entspreche das Vorhaben nicht den Zielen der Ortsentwicklung, da der historische Ortskern noch intakt und erhalten sei und das Anwesen an den denkmalgeschützten Ensemblebereich St.-Anna-Straße angrenze. Dort waren nach dem großen Ortsbrand im Jahre 1795 alle Häuser neu aufgebaut worden – mit Abständen zwischen den Anwesen und einer einheitlichen Ausrichtung aller Höfe.

„Die aktuelle Planung könnte zum Verlust dieses Bildes führen“, warnte Schuster. Sein Vorschlag daher: die Aufstellung eines qualifizierten Bebauungsplanes nach dem Erlass einer Veränderungssperre. „Das Wort klingt schrecklich, wie eine halbe Kriegserklärung“, so Schuster. Er habe aber mit dem Eigentümer gesprochen. „Er hat Verständnis dafür, dass die Gemeinde das Heft in der Hand halten will.“

Regierungsbaumeisterin Annegret Michler, die die Gemeinde bei der Dorfentwicklung berät, verwies darauf, dass auch ein vorhabenbezogener Bebauungsplan eine Möglichkeit sei, um die Situation zu befrieden. Allerdings, so der Hinweis aus dem Gremium, sei mit einer weiteren Familie, die davon betroffen ist, noch nicht gesprochen worden, was man bis zur Sitzung am heutigen Donnerstag noch nachholen wollte. Deren eventuellen Pläne wolle man nämlich nicht behindern.

Wie Schuster informierte, habe der Investor das Grundstück auch der Gemeinde angeboten, allerdings „für ein Vielfaches“. Der Gemeinderat sei zwar der Meinung, auf der Hofstelle solle etwas geschehen, „aber diese riesen Klötze sind schwer vorstellbar“. Architekt Böse, der Rederecht erhielt, verwies darauf, dass bereits viel investiert worden sei. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan sei aber durchaus im Sinne des Investors und des Grundstücksbesitzers. „Der Fairnesshalber muss man sagen, dass Herr Arnold dann auch die Möglichkeit hat, sein Grundstück neu zu bewerten“, so Böse.

Auf Vorschlag der Städteplanerin fassten die Gemeinderäte den einstimmigen Beschluss, einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen. Der Beschluss, für welche Flächen die notwendige Veränderungssperre gilt, soll in der heutigen Sitzung nachgereicht werden.

Elke Robert und Kathrin Schäfer

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