Vorfall mit Asylbewerbern

Busfahrerin von Betrunkenen übel beleidigt - Jetzt schon einen Monat krankgeschrieben

Seit einem Monat krankgeschrieben ist eine Schongauer Busfahrerin. Weil sie einem sturzbetrunkenen Asylbewerber die Mitfahrt verweigert hatte, wurde sie massiv verbal attackiert. „Ein absoluter Einzelfall, den wir aber ernst nehmen“, so RVO-Niederlassungsleiter Ralf Kreutzer. Der Polizei ist die Problematik bekannt – sie will für den nächsten Zahltag am Donnerstag reagieren.

Weilheim-Schongau– Es ist fast einen Monat her, doch noch immer kann die Busfahrerin aus Schongau nicht richtig schlafen. Die 33-Jährige wünscht sich, wieder sicher ihren Bus für den Regionalverkehr Oberbayern lenken zu können – und zwar ohne Angstzustände. Was war passiert? Eine Gruppe von Asylbewerbern war am letzten Zahltag des Weilheimer Landratsamtes am 2. November bei der jungen Frau an der Weilheimer Haltestelle Unterer Graben eingestiegen. „Den letzten haben sie hereingetragen, so betrunken war er, er war gar nicht mehr zurechnungsfähig“, erinnert sie sich.

Die junge Busfahrerin weigerte sich, den sturzbetrunkenen Fahrgast mitzunehmen, und wurde dafür von seinen Begleitern sowie weiteren Fahrgästen im Bus in vielen verschiedenen Sprachen lautstark beschimpft. Wie sie den Schongauer Nachrichten berichtet, holte sich die junge Frau daraufhin Unterstützung bei der Weilheimer Polizei. Diese traf wohl etwa 15 bis 20 Minuten später ein und kümmerte sich um den Trunkenbold – nach Angaben der Busfahrerin wurde der Mann von einem angeforderten Notarzt behandelt.

Nach Rücksprache mit der Polizei konnte die Schongauerin ihre Fahrt mit dem voll besetzten Bus fortsetzen – mit Ziel Ammermühle Rottenbuch, Wildsteig und Endstation Steingaden. Wie sie berichtet, hätten sich die mehr als 40 Fahrgäste noch immer nicht beruhigt gehabt, im Gegenteil. Einige der ausländischen Mitfahrer seien erheblich angetrunken gewesen und hätten sie während der ganzen Fahrt über weiter verbal attackiert. „Ich habe den Terror eineinhalb Stunden ausgehalten – und hatte ständig Angst, dass jemand handgreiflich wird“, berichtet die Schongauerin unter Tränen.

Emotional ist sie auch nach dieser langen Zeit noch immer stark belastet und befindet sich weiterhin im Krankenstand und in ärztlicher Behandlung. „Ich stand ganz alleine da, diese Hilflosigkeit ist beschämend“, so die zierliche 33-Jährige. Nahegegangen sei ihr vor allem die Respektlosigkeit der Fahrgäste ihr als Frau gegenüber.

„Das ist absolut in die falsche Richtung gelaufen.“ Das sagt Ralf Kreutzer vom Regionalverkehr Oberbayern. Man ist nicht nur über den Vorfall informiert, mehr noch, man hat längst reagiert. „Auch wenn das bisher ein absoluter Einzelfall ist, haben wir aktuell Gespräche geführt für den nächsten Zahltag und sind selbst präventiv unterwegs“, so Kreutzer.

Am Donnerstag, wenn wieder viele Asylbewerber aus 14 Landkreisgemeinden nach Weilheim fahren und manche ihr Geld in Alkohol investieren, soll es beim RVO in jedem Fall eine „vorbeugende Präsenz“ geben. Speziell auf der Linie von und nach Steingaden werde an diesem Tag ein männlicher Busfahrer eingesetzt, verspricht Kreutzer.

Ohnehin ist der RVO schon länger aktiv. Für die Bewohner der großen Flüchtlingsunterkunft Ammermühle, die auf den RVO als Dienstleister angewiesen sind, biete man etwa regelmäßig Schulungen an, wie das Busfahren funktioniert. Karten kann man teilweise auch über die Helferkreise beziehen. Acht Frauen sind unter den insgesamt rund 120 Busfahrern im Bereich Weilheim-Garmisch. „Das wird ernst genommen“, betont Kreutzer. Zum Schutz der Mitarbeiter, und auch im Interesse aller Fahrgäste. Auch mit der Ausländerbehörde habe man Kontakt.

„Die Situation ist alltäglich und überall, egal, mit welchen Verkehrsmitteln die Asylbewerber unterwegs sind“, weiß Helmut Hartl, Sachgebietsleiter beim Ausländeramt in Weilheim. Es sei der zweite Vorfall binnen kürzester Zeit gegenüber einem Busfahrer, bestätigt Bernd Schewe, Pressesprecher bei der Polizei in Weilheim. Erst gestern Vormittag wurde das Thema bei einer Besprechung thematisiert. „Die Polizei wird das nicht ignorieren“, betont Schewe. „Wir werden uns mit den zuständigen Behörden zusammensetzen und eine Lösung erarbeiten, um das in den Griff zu bekommen.“

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