Schongau Berliner Mauer
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Großflächig angesprüht: Auch vor der Berliner Mauer machten der oder die Täter nicht Halt.

"Nous sommes aussi Carlie"

Trottel-Sprayer beschmieren Stück der Berliner Mauer in Schongau

Schongau - Unbekannte haben öffentliche Orte und ein Stück der Berliner Mauer mit "Nous sommes aussi Carli" beschmiert. Ein Rechtschreibfehler: Der Spruch heißt eigentlich "Je suis CHARLIE".

Die Pariser Anschläge auf die Karikaturisten der Zeitschrift Charlie Hebdo haben die Welt bewegt. So hielt die Solidaritätsbekundung „Je suis Charlie“ international überall Einzug. Dass von diesen Ereignissen aber auch die Schongauer Bürger betroffen sind, wollten ein oder mehrere Bürger ganz besonders herausstellen. Mit Hilfe einer vermutlich selbst angefertigten Schablone und Spraydosen in verschiedenen Farben bemalten der oder die Täter kürzlich unterschiedliche öffentliche Orte. Auf Gehwegen oder Verkehrshinweisschildern ist nun die Botschaft „Nous sommes aussi Carlie“ (dt. Wir sind auch Carlie) zu lesen.

Leider ist das kein Tippfehler. Der „Schmierfink“ verfügt zwar offenbar über gewisse Kenntnisse der französischen Sprache, allerdings hat er in seiner Maske eindeutig das H vergessen. Davon ließen er oder sie sich nicht beirren und stoppten auch vor der Berliner Mauer nicht zurück. Dieses historische Exemplar steht auf dem Grund des Schongauer Welfen-Gymnasiums und ist jetzt zur Verärgerung des Schulleiters Wolfgang Gebler von oben bis unten besprüht. Der Satz ist mehrmals in allen Farben auf der Mauer zu lesen und verdeckt die Bemalungen, die noch aus Zeiten eines getrennten Deutschlands stammen.

Aber nicht nur der Schuldirektor ist schockiert über so viel Respektlosigkeit gegenüber einem derart wichtigen Kulturgut. „Auch die Schülermitverwaltung hat sich sehr darüber aufgeregt“, teilt Gebler mit. „Dabei haben sie sich nicht unbedingt über das vergessene H mokiert, sondern vor allem über solch eine Geringschätzung eines wertvollen Dokuments der Zeitgeschichte.“ Verständlich, schließlich werde mit so einer despektierlichen Geste das Leid, das hinter diesen Mauern stecke, schlichtweg mit Füßen getreten.

Auch auf dem Boden sind weitere Ausführungen des Spruchs zu lesen. Die stören den Direktor allerdings weniger. „Das ja kein Problem“, meint er abwinkend. Von den Schmierereien auf der Berliner Mauer kann er das aber nicht behaupten. An eine Restauration hat die Schulgemeinschaft zwar schon gedacht, da diese aber viel zu teuer wäre, ist das keine Option. „Wir lägen bei bis zu 6000 Euro“, informiert Gebler. Außerdem sollen die originalen Bemalungen aus damaliger Zeit natürlich nicht beschädigt werden.

Den oder die Täter zu fassen, gestalte sich schwierig, da sind sich Schulleiter Wolfgang Gebler und Vize-Polizeichef Ronald Bauer einig. „Es ist nicht leicht, jemanden zu verdächtigen“, so Bauer. Man gehe von mindestens zwei Jugendlichen aus. Ansonsten tappt die Polizei bisher auf der Suche nach den Schuldigen noch im Dunklen.

So kann man sich im Moment wohl nur an den Kopf fassen und Geblers Aussage zu den Beschmierungen zustimmen: „Gegen Dummheit ist halt kein Kraut gewachsen.“

Elena Wlacil

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