Ein Prost auf die Darmkrebs-Vorsorge: Für die Aktion „Ein Bier danach“ posieren Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Chefarzt Dr. Andreas Eder. foto: wk

Darmkrebs-Vorsorge mit dem "Bier danach"

Weilheim-Schongau - Bier und Krankenhaus verträgt sich normalerweise nicht gut. Bei einer Vorsorge-Aktion, an der sich auch die Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau beteiligt, ist das aber anders.

„Darmkrebsvorsorge muss an den Stammtischen ankommen“, sagt Dr. Andreas Eder, Chefarzt der Inneren Abteilung am Krankenhaus Schongau, und prostet GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann zu. Bier und Krankenhaus haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Doch die Aktion „Das Bier danach“, initiiert von der Gesellschaft für Gastroenterologie in Bayern und der Stiftung Lebensblicke, ist das anders. Zahlreiche Kliniken und Praxen beteiligen sich daran, auch die Krankenhaus GmbH im Kreis Weilheim-Schongau ist jetzt dabei.

In der Praxis sieht das so aus, dass jeder an der Darmkrebsvorsorge teilnehmende Patient danach eine Flasche alkoholfreies Weißbier in die Hand gedrückt bekommt. Na, wenn das kein Anreiz ist. Und wichtig ist es auch. „Nach einer Koloskopie sollte man Flüssigkeit zu sich nehmen, um schneller wieder fit zu sein“, empfiehlt Eder. In der Regel rät er zu Tee oder Fruchtmischgetränken. Alkoholfreies Bier sei aber eine gute Alternative. Also - die Darmkrebsspiegelung zur Vorsorge und das Bier zur Nachsorge.

Die Aktion zielt vor allem darauf ab, Männer auf die Bedeutung der Darmkrebsvorsorge hinzuweisen. Mit rund 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist er die dritthäufigste Tumorerkrankung. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. „Aber Männer tun sich in der Regel schwerer damit, Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen“, weiß Eder. Das soll mit dieser Aktion geändert werden. „Der Darmkrebs gehört nämlich zu den Krebsarten, die früh erkannt gut behandelt werden können.“ Vorsorge laute die Devise - und zu dieser können sich bislang doppelt so viele Frauen als Männer durchringen. Noch etwas ist auffallend: Die Bereitschaft zur Vorsorge ist bei Akademikern höher. „Aber alle sollten kommen“, appelliert der Chefarzt.

Bei der Darmspiegelung handelt es sich um eine umfassende Untersuchung des Darmes, die zur Krebsfrüherkennung durchgeführt wird. „Mit dem Endoskop untersuchen wir den Dickdarm auf mögliche Auffälligkeiten wie beispielsweise Polypen und entfernen diese sofort“, erklärt Eder. Denn Polypen könnten sich über die Jahre zu bösartigen Tumoren entwickeln. Rund 20 Minuten dauert die Untersuchung. Ist der Befund unauffällig, kann sich der Patient für die nächsten zehn Jahre beruhigt zurücklehnen. Zeigen sich hingegen auffällige Veränderungen des Darmes, wird eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht, um festzustellen, ob es sich um eine bösartige Erkrankung handelt und in welchem Stadium sich diese befindet. Die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen werden ab dem 55. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

Auch die Vorbeugung sei wichtig, so Eder. Studien hätten ergeben, dass einseitige und zu fetthaltige Ernährung ein Risikofaktor für Darmkerbs sein könne. Ähnlich verhalte es sich mit regelmäßigem Alkohol- und Nikotingenuss sowie mangelnder Bewegung. Dazu kämen genetische Faktoren - laut Studien sind 30 Prozent aller Darmkrebserkrankungen auf ein familiäres Risiko zurückzuführen. Hier helfe regelmäßige Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen bereits vor dem 55. Lebensjahr.

Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß hofft, dass die Aktion die Männer zur Vorsorge aufrüttelt. Denn „uns Frauen ist die Gesundheit unserer Männer wichtig“.

wk

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