Schlager-Star Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals gestorben: Vermutung zu Todesursache

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Professionelle Porträts hat Friedrich Zeller für seine Homepage erstellen lassen. foto: fkn

„Das Adrenalin musste aus dem Körper“

Schongau - Nach 18 Jahren als Bürgermeister und Landrat musste Friedrich Zeller einen völlig anderen Weg einschlagen. Jetzt ist er selbstständiger Kommunalberater.

Friedrich Zeller und das Handy, das war früher ein Kapitel für sich. Viele dachten, er habe gar keins, doch das stimmte nicht: „Die Nummer wussten jedoch nur der Kreisbrandrat, der Katastrophenschutz und meine Sekretärin“, sagt Zeller schmunzelnd. Alle drei absolut verlässlich, die Nummer wurde behandelt wie ein Staatsgeheimnis. Heute steht die Handynummer selbstverständlich auf seiner eigenen Internetseite, was auch so eine Wandlung ist. „Meine Schwester hat mich überzeugt, dass ich eine Homepage brauche, die war nicht billig“, sagt der 49-Jährige. Schließlich ist er jetzt selbstständig, da muss man etwas für die Öffentlichkeitsarbeit tun.

Schon vor einem Jahr, nach seiner Abwahl als Landrat in der Stichwahl am 30. März gegen Andrea Jochner-Weiß, war Zeller mit sich im Reinen gewesen, das hat sich nicht geändert. „Bürgermeister oder Landrat ist eine Herrschaft auf Zeit. Wer das nicht akzeptiert, tut sich schwer.“ Genau vor einem Jahr, am 30. April, war sein letzter Arbeitstag als Landrat, und die erste Zeit war nicht einfach, gibt Zeller zu. „Ich bin automatisch oft an meinen Terminkalender gegangen und habe mich gewundert, dass dort nichts drinsteht. Es hat drei Monate gedauert, bis das Adrenalin aus dem Körper war.“

Parallel lief die Planung seiner zweiten Karriere als Kommunalberater an, die im Januar richtig Fahrt aufnahm. Zur Überbrückung hat ihm das Versorgungsgeld geholfen - nach zwölf Jahren als Bürgermeister und sechs als Landrat steht im eine monatliche Summe zu, die laut Bayerischem Gemeindetag grob geschätzt 50 Prozent des letzten Einkommens bedeutet und je nach aktuellem Verdienst nach unten modifiziert wird.

Viel lief über persönliche Kontakte, von denen Zeller einige hat. Zum Beispiel an der Hochschule für Politik in München, wo er als Dozent eine Vorlesung zum Thema Kommunalpolitik gehalten hat - dort hatte er selbst studiert. Im Sommersemester wird Zeller Workshops zu kommunalen Fragen an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen geben, „ich habe mal einen Studenten betreut, der dort jetzt mitverantwortlich ist“. Und im Winter steht möglicherweise eine Lehrtätigkeit an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg an. „Es macht viel Spaß, mit den jungen Leuten zu arbeiten“, so Zeller.

Über persönliche Kontakte kam er auch an einen Aufsichtsratsposten eines Unternehmens „im weiteren Umkreis“, mehr will er nicht verraten. Und auch den landesvorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs kennt er. Der hatte ihn überredet, den Vize-Posten für Bayern anzunehmen. Kürzlich war Zeller im Landtag dabei, als es um das Thema ging - eine neue Erfahrung, „weil ich noch nie auf Landesebene tätig war“.

Geld verdient er aber vor allem mit der Kommunalberatung. Erst kürzlich hatte er einen Verwaltungsbeamten zu Gast, der sich bereits jetzt auf einen mögliche Bürgermeisterkandidatur im Jahr 2020 vorbereiten will. Dass Zeller als Landrat abgewählt worden ist, stört da nicht - „es ist eher von Vorteil“, sagt er und lacht. Schließlich kann er nicht nur über die guten Seiten erzählen. Mit Schongaus ehemaligem Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl, der jetzt in der selben Branche tätig ist, teilt er sich ein Büro an der Wilhelm-Köhler-Straße. Zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester, die seit Jahren als Management-Trainerin und Coach tätig ist, mischt Zeller auch bei der Führungskraftentwicklung mit. Positiver Nebeneffekt: Lange hat er nicht mehr so viel Zeit mit ihr verbracht.

Das gilt natürlich auch für seine Familie. Eine Woche Skifahren am Stück wie kürzlich im Trentino „war früher völlig unmöglich“, sagt Zeller. „Ich hoffe, dass meine Familie das genießt, und ich bin froh, dass ich in diesem Teil meines Lebens mehr von meinen drei Kindern habe.“

Schließlich bleibt noch die kleine Politik als Schongauer SPD-Stadtrat. Eigentlich hatte er vor einem Jahr angekündigt, nur in der zweiten Reihe mitarbeiten zu wollen, doch neben Fraktionschefin Ilona Böse ist er der Wortführer seiner Partei. „Die Arbeit im Stadtrat macht mir Spaß“, gibt er zu, und er hat in der neuen Situation sogar eine Erkenntnis gewonnen. Dass es nämlich gut ist, den Stadträten alles lieber einmal zu viel zu erzählen. „Ich empfand das früher als Bürgermeister immer als aufdringlich, weil ich dachte, ich habe das schon tausendmal gesagt.“ Aber als Stadtrat lese man die Akten nicht so penibel, „deshalb ist es gut, wenn man uns sagt, was man gesagt hat. Das hätte ich früher öfter machen sollen.“

Boris Forstner

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