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Im Andachtsraum: Ludwig Streicher und Gabriella Weber.

Denklingen b17

Vom Hühnerstall zum Andachtsraum

Denklingen - Einen Raum der Stille hat der freie Seelsorger Ludwig Streicher hinterm Truck Stop an der B17 errichtet. Dort sollen alle, die es wünschen, im Andachtsraum zur Ruhe kommen können.

„Do bin i oft gnua aus- und eiganga“, bekundet Helmut Drohmann (75), als er sich zum ersten Friedensgebet beim Truck Stop an der B17 einfindet. Der Senior ist der Verpächter; das kleine Gebäude hinter der Gaststätte und hinter der Tenne war ein Hühnerstall. Drohmann hat oft nach den Hennen geschaut und die Eier geholt. Ludwig Streicher, freier Seelsorger, richtet in diesem ehemaligen Stall, der in den letzten Jahren eine Rumpelkammer war, einen Raum der Stille ein. Neulich fand dort hinter dem niedrigen Durchlass und hinterm Sprossenfenster bei Einbruch der Dunkelheit bereits ein erstes Friedensgebet statt.

Ludwig Streicher (65), der bis 2007 Diakon im Dienst der katholischen Kirche war, hat es zusammen mit seiner Partnerin Gabriella Weber gestaltet, die ebenfalls freie Predigerin ist. Auf ein Podest haben die beiden, die am Ammersee zu Hause sind, zu dem Friedensgebet eine Herz Jesu-Statue gestellt, die sie von einer Familie aus Utting geschenkt bekommen haben.

Es ist noch einiges zu richten

Eine erste Andacht wurde zunächst im Freien vor dem kleinen Gebäude 50 Meter der B17 gehalten, das an der Abzweigung nach Denklingen liegt und durch den Truck Stop mit der Tenne (ehemalige Landwirtschaft) vom Lärm auf der vielbefahrenen Straße abgeschirmt ist. Ein Raum der Stille – so nah an der Straße? Ja, Ludwig Streicher möchte, dass z.B. Lastwagenfahrer, aber auch Autofahrer bei Pausen oder nach dem Essen dort innehalten oder beten können.

Am Andachtsraum, der bewusst einfach gehalten wird, ist noch einiges zu richten und auszugestalten. Vorgesehen ist, dass am Donnerstag, 20. Oktober, nachmittags um 17.30 Uhr eine kleine Eröffnungsfeier stattfindet. Landrat Thomas Eichinger bestätigt, dass er dazu eingeladen ist, und hat schon vor, den Termin wahrzunehmen, wenn nichts Dringendes dazwischen kommt, wie er neulich auf Nachfrage erklärte. Einer, der gewiss nicht dabei ist: Dekan Oliver Grimm. Der Pfarrer aus dem Fuchstal spricht zwar in durchaus anerkennenden Worten über das „Charisma“ des Ludwig Streicher, der auf Menschen zugehen und sie begeistern könne. Aber Grimm betont klar, dass es sich um keine kirchliche Veranstaltung handelt. Streicher war ehemals Diakon, schied aber aus dem Dienst der Diözese aus. Pfarrer Grimm bezieht, als ihn der Reporter bei der Sprechstunde im Pfarrhof aufsucht, zu dem Thema Position. Dass Ludwig Streicher und Gabriella Weber als freie Seelsorger arbeiten und innerhalb der Pfarreiengemeinschaft Fuchstal einen Raum der Stille einrichten, habe er nicht zu kritisieren. Wenn Streicher jedoch – wie heuer geschehen – am Feiertag Mariä Himmelfahrt ausgerechnet am selben Abend wie der katholische Frauenbund Denklingen eine eigene Andacht an der Crescentiakapelle bei Dienhausen abhalte, könne er nicht gut heißen. Da lege er Wert auf eine klare Trennung, betont der Priester der Pfarreiengemeinschaft. Dies habe er am Tag zuvor in Denklingen zum Schluss eines Gottesdienstes klar zum Ausdruck gebracht.

Ludwig Streicher war zuletzt erneut auf der Suche nach einem Andachtsort, seitdem die Tenne beim Truck Stop, die er früher selber führte und wo er einen Raum der Stille integriert hat, von einem anderen Mann betrieben wird. Seit mehreren Wochen ist er damit befasst, den früheren Hühnerstall zu einem Ort der Stille auszubauen. Dieser solle später mal „offen sein für alle“, die innehalten wollen, ein Gebet sprechen möchten oder das Bedürfnis verspüren, eine Kerze anzuzünden.

Vom Loslassen

Bei der ersten Andacht im noch provisorisch anmutenden Inneren brannten sechs kleine und eine große Kerze. Es war am Fest des Erzengels Gabriel. Die kurze Predigt hielt Gabriella Weber. Sie ermunterte die wenigen Besucher im kleinen Raum, „auf die innere Stimme zu hören, so wie es der Erzengel Gabriel auch getan habe. Jeder habe einen Engel, der ihn begleite. So wie Erzengel Gabriel damals Maria berufen habe, so sollten Menschen auch in der heutigen Zeit loslassen können und einen anderen, neuen Weg einschlagen. Die Fürbitten trug Luca Göttlicher vor, der neunjährige Sohn von Gabriella Weber. Sie hatte in ihrem Leben bereits losgelassen; und zwar vom früheren Beruf der Industriekauffrau. Unter dem Eindruck ehrenamtlicher Hospizarbeit hat die freie Predigerin, die Ludwig Streicher vor zwei Jahren kennenlernte, eine „Berufung“ verspürt. Nun arbeitet sie freiberuflich als Predigerin.

Die genaue Bezeichnung von Ludwig Streicher ist „Freier Seelsorger“. In einem Umkreis, der bis München und bis ins Allgäu reicht, wird er unter anderem zu Willkommensfeiern für Kinder, Beerdigungen und freie Trauungen gebucht. Sein Anliegen seien der Friede, die Versöhnung und die Liebe Jesu. Dabei stünde nicht im Vordergrund, welcher Konfession jemand angehöre.

Johannes Jais

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