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In Schutt und Asche lag der Innenraum der Osteraufkirche nach dem Einschlag der Fliegerbombe 1943.

Friedensandacht kurz vor Mitternacht

Bomben-Angriff auf Denklinger Osteraufkirche jährt sich zum 75. Mal

Zu ungewöhnlicher Zeit, nämlich am morgigen Donnerstag um 23.45 Uhr lädt die Pfarrgemeinde Denklingen zu einer Andacht für den „Frieden in der Welt“ in der Osteraufkirche ein.

Denklingen – Zeitzeugen sowie Dokumente im Gemeindearchiv schildern diese wie folgt: Es war kurz vor Mitternacht, als in der hellen Mondnacht auf den 7. September 1943 der schrille Ton der Ortssirene die Menschen jäh aus dem Schlafe riss.

Kaum waren die Luftschutzunterstände (in den meisten Fällen die eigenen Keller) aufgesucht, konnte man die Staffeln von über 400 britischen Bombern sehen und hören, die vom Bodensee aus München ansteuerten. Dann ließ plötzlich eine gewaltige Detonation die Häuser erschüttern. Durch die immense Druckwelle einer explodierenden Luftmine (bis zu 5450 Kilogramm schwer) und dem Abwurf einer Vielzahl Stabbrandbomben südlich des Ortes entstand beträchtlicher Schaden.

Das „Bombenloch“ kennen die Einheimischen noch heute

Vor allem im Oberdorf waren mehrere gesprungene und eingedrückte Fensterscheiben, herausgelöste Dachziegel, aufgerissene Scheunentore, ausgehebelte Fensterläden sowie eine eingedrückte Obergeschosshauswand zu verzeichnen. Die Örtlichkeit des Bombeneinschlags wird heute noch von vielen Einheimischen als „Bombenloch“ bezeichnet.

Aber erst gegen 3 Uhr morgens, als die Sirene die erlö- sende Entwarnung verkündete, offenbarte sich ein zusätzliches Schreckensbild: Die geschichtsträchtige und geheimnisumwitterte Filialkirche St. Stephan, im Volksmund Osteraufkirche genannt, stand in Flammen. Aufgrund der Entfernung (zirka 800 Meter südlich des Orts), nicht vorhandenem Löschwasser vor Ort, und die mit herkömmlichen Mitteln auch nicht löschbare Flüssigbrandmasse (Benzol-Kautschuklösung), sowie bereits weit fortgeschrittenem Brand war eine Rettung der Kirche nicht mehr möglich, die bis auf die Mauern und den Turm niederbrannte.

Notabwurf im Sinkflug

Ursache war ein Volltreffer aus dem vorangegangenen Bombenabwurf: Ein deutscher Nachtjäger hatte einen britischen Bomber angegriffen und dessen Benzintanks in der rechten Tragfläche in Brand geschossen. Dieser konnte noch im Sinkflug den Großteil seiner gefährlichen Last mit Hilfe seines Bordradars zielorientiert über unbewohntem Gebiet abwerfen, bevor er seine Maschine anschließend im Aschtal bei Leeder notlandete.

Unglücklicherweise traf dabei eine Flüssigbrandbombe die Osteraufkirche. Von der siebenköpfigen Besatzung des britischen Bombers konnten fünf Mann noch abspringen, wurden aber gefangengenommen. Der Pilot, der das Flugzeug nach dem Abbruch der rechten Tragfläche weiter auf Kurs hielt, um den Bomber nicht ins Trudeln kommen zu lassen und seinen Kameraden somit den rettenden Absprung ermöglichte, sowie der beim Angriff schwer verletzte Heckschütze überlebten nicht.

Großes Engagement beim Wiederaufbau

Es ist dem großen Engagement des ehemaligen Sägewerksbesitzers Philipp Huber, für den die Kirche von jeher eine Herzensangelegenheit war, Unternehmer Anton Hirschvogel, der nach dem plötzlichen Tod Hubers im Frühjahr 1966 die Federführung der gegründeten Wiederaufbauvereinigung übernahm, sowie vielen Einheimischen zu verdanken, die mit Spenden oder Unterstützung beim Aufbau der Kirche ab Mitte der 1960er Jahre mithalfen. Am 20. April 1969 erhielt sie durch Bischof Josef Stimpfle wieder ihre kirchliche Weihe.

Die Veranstalter des morgigen Gottesdienstes in der Osteraufkirche hoffen auf viele, vor allem auch jüngere Mitbürger, die neben christlicher Meditation auch Orts- und Heimatgeschichte erfahren können.

Von Paul Jörg

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