Sieben Kreuze auf der Flurkarte. Links die vier bestehenden Fuchstaler Windräder im Staatswald, rechts die drei geplanten Windenergieanlagen „WEA) im Gemeindewald. Zwei kleine Kreuze zeigen an, wo die beiden Kameratürme errichtet werden sollen.
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Sieben Kreuze auf der Flurkarte. Links die vier bestehenden Fuchstaler Windräder im Staatswald, rechts die drei geplanten Windenergieanlagen „WEA) im Gemeindewald. Zwei kleine Kreuze zeigen an, wo die beiden Kameratürme errichtet werden sollen.

Alle Gemeinderäte haben dagegen gestimmt

Denklinger sind gegen Fuchstaler Kameraturm fürs Vogelmonitoring an drei neuen Windrädern

Alle Räte stimmten mit „Nein“, nur der Bürgermeister war dafür: Dieses Bild ergab sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates in Denklingen, als es um die Errichtung eines Mastes fürs Vogelmonitoring ging.

Denklingen – Der Mast gehört zu einem Forschungsprojekt im Fuchstal, das mit drei weiteren Windrädern im Gemeindewald Leeder zu tun hat. Es sind zwei Installationen notwendig. Der Kameraturm Nord wird zwischen den geplanten Windkraftanlagen 1 und 2 weiter im Norden errichtet. Dagegen soll der Kameraturm Süd östlich des dritten und südlichen Windrades stehen, dessen Standort ganz im Südosten der Fuchstaler Flur sein soll. Obwohl nur einen guten Steinwurf entfernt, befindet sich der Kameraturm Süd bereits auf Denklinger Gebiet, genau gesagt in der Gemarkung Dienhausen.

Das Vorhaben liegt im Außenbereich. Der Flächennutzungsplan sieht dort Flächen für die Forstwirtschaft vor. Das wissenschaftlich begleitete Vorhaben, das vom Wirtschaftsministerium finanziell gefördert wird und sich über mehrere Jahre erstreckt, ist privilegiert. Denn es dient der Erforschung, Entwicklung oder Nutzung der Windenergie.

Aufmerksamer Besucher aus Leeder in Denklingen

Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg kommentierte die Entscheidung der Denklinger am Tag danach mit den Worten: „Die Abstimmung überrascht mich nicht.“ Karg selbst, der aus Denklingen stammt und seit 2002 Bürgermeister in Fuchstal ist, war nicht auf der Sitzung in Denklingen anwesend.

Ein Gemeinderat aus Leeder war freilich unter den Besuchern und verfolgte aufmerksam die kurze Diskussion. Es war Anton Frieß von der Neuen Liste Fuchstal, der die Windräder im Gemeindewald ablehnt.

Da ist er im Gemeinderat in Denklingen in guter Gesellschaft. Neun Räte lehnten den Bauantrag für den Masten ab. Lediglich Bürgermeister Andreas Braunegger hob beim „Ja“ die Hand und stellte sich damit als einziger hinter den Vorschlag der Verwaltung, das gemeindliche Einvernehmen für den Mast zu geben, der für Forschungszwecke dient. Beim Abstimmungsergebnis von neun zu eins ist zu berücksichtigen, dass in dieser Sitzung fünf Räte entschuldigt gefehlt haben.

Werden es wohl nicht verhindern können

Während Regina Wölfl nachfragte, ob es denn Alternativen zum Standort gebe, bezog Wolfgang Martin eindeutig Stellung: „Von meiner Seite ein klares Nein“. Wenn die Fuchstaler der Meinung seien, dass sie drei weitere Windräder „bauen müssen“, dann sollten sie auch vorbereitende beziehungsweise begleitende Vorhaben dazu in ihrer eigenen Flur realisieren. Martin Ahmon stimmte genauso wie die Kollegen ab, meinte aber in der Diskussion: „Wir werden es nicht verhindern können.“

Fuchstals Rathauschef Erwin Karg hat die Abstimmung wie erwähnt nicht überrascht. Er habe nichts anderes vom Denklinger Gemeinderat erwartet. Zwar kenne er die Begründung nicht. Karg ist aber davon überzeugt, dass es baurechtlich auch keine Argumente gibt, um den Bauantrag rechtskonform abzulehnen.

Geschmack von Willkür

Die Denklinger Gemeinderäte wollten einfach den Masten nicht, da dieser in direkter Verbindung zum Bau der Windräder steht, glaubt Karg: „Der Denklinger Gemeinderat mag keine Windräder.“ Und dann setzt er noch diesen Satz drauf: „Die retten das Klima in Deutschland mit Freiflächenphotovoltaikanlagen entlang der Fuchstalbahn.“

Die Entscheidung habe für Karg zwar einen „Geschmack von Willkür“, aber das Leben gehe weiter. Hätte Fuchstal einen Sendemasten für Mobilfunk am gleichen Standort beantragt, wäre das durchgegangen, glaubt er.

Jetzt muss das Landratsamt entscheiden

Die Ablehnung der Gemeinde Denklingen zum Bauantrag aus dem Fuchstal geht an das Landsberger Landratsamt. Die Behörde wird die Begründung zur Ablehnung prüfen. Sollten die Argumente baurechtlich nicht belegt sein, wird das Landratsamt Denklingen und Fuchstal dazu informieren, dass ein Einvernehmen baurechtlich nicht verwehrt werden könne.

Die Gemeinde Denklingen hat dann den Bauantrag nochmals zu behandeln und kann ihn wieder ablehnen. Das Landratsamt werde dann das gemeindliche Einvernehmen ersetzen.

Die Gemeinde Denklingen hat danach die Möglichkeit, gegen die Baugenehmigung für den Kameraturm zum Vogelmonitoring Klage einzureichen – so wie es die Ostallgäuer Nachbargemeinde Markt Kaltental vor sechs Jahren nach der Genehmigung für die vier Windräder im Staatsforst getan hatte.

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