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Will in den Bundestag: Denklingens Bürgermeister Michael Kießling. 

Serie: Halbzeitbilanz der Bürgermeister - Michael Kießling

Denklingen geht vor Berlin

Im Vergleich zu den anderen Newcomern unter den Bürgermeistern im Schongauer Land hat Michael Kießling aus Denklingen eines voraus: Mitten in der Amtsperiode 2014 bis 2020 taucht der Rathauschef schon heuer wieder in den Wahlkampf ein.

Denklingen – Aber nicht fürs Bürgermeisteramt, sondern, weil er für den Bundestag kandidiert. Kießling (44) bewirbt sich als Kandidat der CSU um das Direktmandat im neuen Wahlkreis Starnberg/Landsberg. Die Bundestagswahl ist bereits im September.

-Wovon träumen Sie nachts: Eher vom Denklinger Rathaus oder vom Berliner Reichstag?

Michael Kießling: Ich schlafe ganz gut. Aber ich gebe offen zu, dass es Themen gibt, die mich auch über die Dienstzeit hinaus beschäftigen. Manche erfordern es einfach, dass man sich länger und intensiver mit ihnen auseinandersetzt. Aber es ist auch wichtig, dass man abschalten kann. Natürlich stehen die Gedanken an die Gemeinde im Vordergrund – aber auch die Frage, wie man sich seine Zukunft vorstellt. Ich denke, das kennt jeder auch von sich selbst.

-Was ist das für ein Gefühl: Noch vergleichsweise neu im Bürgermeisteramt, und dann schon zur Halbzeit der Amtsperiode – im Fall der Wahl – der Einzug in den Bundestag?

Die Entscheidung, für den Bundestag zu kandidieren, war alles andere als einfach. Ich hab’ damit mehrere Wochen gerungen. Dabei hab’ ich viele Gespräche mit Freunden, mit der Familie und Parteifreunden geführt. Wenn sich so eine Chance ergibt, und wenn ich so viel Unterstützung erfahren hab’ wie die Nominierungsversammlung gezeigt hat, dann möchte ich die Verantwortung auch übernehmen, als Kandidat den Bundeswahlkreis 224 Starnberg/Landsberg für die CSU zu gewinnen. Wenn das gelingt, werde ich mit ganzer Kraft die Interessen der Bewohner aus dem Stimmkreis in Berlin vertreten.

-Wie wollen Sie Bürgermeisterpflichten und Wahlkampf zeitlich managen?

Es ist so, dass viele Veranstaltungen im Wahlkampf abends und am Wochenende stattfinden. Das erfordert natürlich gehörigen zeitlichen Einsatz. Die Pflichten des Bürgermeisters werde ich nicht vernachlässigen. Klar ist, dass ich die meisten Urlaubstage heuer für den Wahlkampf investieren werde.

-Aber kollidiert das nicht – ein Bürgermeister ist doch auch oft abends und am Wochenende unterwegs?

Noch bring‘ ich es zeitlich unter einen Hut. In der heißen Wahlkampfphase sind die Sommerferien. Da lässt die Zahl der Veranstaltungen in der Gemeinde deutlich nach.

-Sie haben große Millionenprojekte angestoßen und angefangen – aber wie werden sie ausgeführt und zu Ende gebracht?

Es sind viele wichtige Projekte, um die Infrastruktur zu verbessern. Viele sind angestoßen worden und beginnen jetzt, andere sind bereits abgeschlossen, wie z.B. die Offene Ganztagsschule und die Gemeindebücherei oder die barrierefreie Erschließung des Denklinger Friedhofs. Zum Großprojekt des Denklinger Rathauses im ehemaligen Gasthof Hirsch kann ich sagen, dass noch in diesem Monat Baubeginn ist. Die Fertigstellung inklusive der Außenanlagen soll im Jahr 2018 erfolgen.

-Und wie‘s sieht’s mit dem Bürger- und Vereinezentrum aus?

Da ist es so, dass wir Mitte 2017 schon wesentlich weiter sein wollten. Doch die Entwurfsplanung ist noch nicht abgeschlossen.

-Warum noch nicht?

Die Kostenschätzung ist uns im Gemeinderat zu hoch. Da müssen Architekten und Fachplaner nacharbeiten.

-Wo ist die denn da, die Schallgrenze?

Eine genaue Summe kann ich jetzt nicht sagen. Erst wenn die Entwurfsplanung fertig ist, wird der Gemeinderat darüber entscheiden. Mir ist es wichtig, dass diese Etappe innerhalb der Projektgeschichte fürs Bürger- und Vereinehaus bis zum Sommer 2017 abgeschlossen ist.

-Wie bewerten Sie rückblickend die drei Jahre 2014 bis 2017 im Gemeinderat?

Sehr gut und konstruktiv. Es gab viele Entscheidungen, die einmütig getroffen wurden, und einige, die ausgiebig diskutiert wurden und bei denen es auch ein konträres Bild in der Abstimmung gab. Ein Beispiel für eine einstimmige Entscheidung ist das große Thema, wie wir die Trinkwasserversorgung für Denklingen, Dienhausen und Epfach in Zukunft sicherstellen. Da stehen alle hinter dem Konzept, dass wir einen neuen Brunnen im Stubental erschließen und die Zweitversorgung über den Trinkwasserbrunnen nutzen, den die Stadtwerke Schongau auf unserer südlichen Gemeindeflur errichten.

-Die Gemeinderäte sind alle aus Denklingen und Dienhausen. Besteht da nicht die Gefahr, dass Epfacher Anliegen kaum Gehör finden und ins Hintertreffen geraten?

Nein, alle Mitglieder des Gemeinderats sind sich bewusst, dass sie die Verantwortung für die gesamte Gemeinde tragen. Wir investieren auch viel in Epfach, z.B. die Sanierung des Claudius-Paternus-Weges, die Zuschüsse für die Vereine oder die Sanierung der Lorenzkapelle. Epfach verfügt auch über das kostenlose Bayern-WLAN im Sportheim.

-Wenn es darum geht, im Fall der Wahl in den Bundestag einen neuen Kandidaten für die Bürgermeister-Nachfolge zu suchen: Wie mischen Sie da noch mit?

Diese Frage stellt sich für mich jetzt überhaupt nicht. Sollte ich den Einzug in den Bundestag schaffen, wird darüber zu sprechen sein.

Das Gespräch führte: Johannes Jais

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