Die Unfallstelle auf der B 17 bei Epfach. Dort starben in der vergangenen Woche eine Frau und drei Mädchen. 
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Die Unfallstelle auf der B 17 bei Epfach. Dort starben in der vergangenen Woche eine Frau und drei Mädchen. 

Interview mit Seelsorger

Nach tragischem Unfall auf B17: „Das zeigt, wie verletzlich der Mensch ist“

Es war ein belastender Einsatz für alle Helfer. Diakon Franz Bauer hat als Notfallseelsorger die Rettungskräfte begleitet, die beim tragischen Unfall mit vier Toten im Einsatz waren. 

Denklingen – Mit dem Satz „Das zeigt, wie verletzlich der Mensch ist“, beschreibt Diakon Franz Bauer die Auswirkungen des tragischen Unfalls auf der B 17 bei Epfach, bei dem eine Mutter und drei Mädchen ihr Leben verloren haben. Bauer war als Notfallseelsorger vor Ort, hat zusammen mit Kollegen die Helfer begleitet und sich zwei Tage später in Denklingen erneut mit belasteten Einsatzkräften ausgetauscht.

Welche Unterstützung haben Sie nach dem tragischen Unglück angeboten?

Wir haben die Einsatzkräfte den ganzen Einsatz über Stunden hinweg begleitet. Die Bergung der Frau und der drei Kinder, die im Auto beim Zusammenstoß mit dem Lastwagen ums Leben gekommen sind, hat sich ja über Stunden hingezogen. Mein Kollege von der evangelischen Kirche und ich haben uns zusammen mit den Helfern von den Verstorbenen am Unfallort im Gebet verabschiedet.

War das der bisher schlimmste Unfall für Sie, immerhin sind Sie seit gut 20 Jahren Notfallseelsorger?

Besonders schlimm war der Unfall, bei dem im August 2018 ein Bauer bei einem Unfall mit einem landwirtschaftlichen Gespann ums Leben gekommen ist und dessen jugendliche Tochter schwer verletzt wurde. Das war auch nahe Denklingen. Da mussten die Kameraden der Feuerwehr den Schlepperfahrer bergen, den jeder von ihnen kannte. Nur wenige Tage zuvor verstarben ebenfalls 2018 bei einem Zusammenstoß zwischen Stoffen und Vilgertshofen ein Moped- und ein Motorradfahrer. Wenn die Todesopfer persönlich bekannt sind, dann bedeutet das schon eine extreme Belastung.

Wie muss man sich das Aufarbeiten nach dem Unfall vorstellen?

Mit Feuerwehrkräften aus Denklingen, Kinsau und Schongau haben wir uns im Feuerwehrhaus in Denklingen bei einer Brotzeit und beim Schlussgespräch nochmals mit dem Geschehen und dem Gesehenen befasst. In der Runde kann jeder sprechen, aber es muss keiner sprechen. Was da gesagt wird, zeigt deutlich, wie verletzlich der Mensch ist. Und es zeigt, dass unsere menschliche Psyche keine Strategie entwickelt, um mit solchen Erfahrungen umzugehen.

Die Unfallstelle auf der B 17 bei Epfach. Dort starben in der vergangenen Woche eine Frau und drei Mädchen. 

Was wollen Sie in der Gesprächsrunde erreichen?

Die Bilder und Eindrücke bleiben im Kopf. Aber sie sollen Ruhe geben. Es soll nichts verdrängt werden. Doch es geht schon darum, mit der Zeit Abstand zu gewinnen.

Wie intensiv sind solche Nachbesprechungen?

Nach dem stundenlangen Einsatz waren wir noch eine gute halbe Stunde im Feuerwehrhaus beieinander. Zwei Tage danach folgte ein weiterer Abend im Feuerwehrhaus Denklingen im kleineren Kreis für belastete Einsatzkräfte. Da ging es über zweieinhalb Stunden. Bei Bedarf möchte ich noch einen dritten Abend anbieten oder situationsabhängig mit Kameraden der Feuerwehren Einzelgespräche führen. Erfahrungsgemäß belasten einen die Bilder eines schlimmen Unglücks ein bis zwei Wochen. Dann sollte man da wieder langsam raus kommen.

Wer war denn alles unterstützend vor Ort?

Vom Team der PSNV, das ist die psychosoziale Notversorgung, waren es sieben Kräfte. Drei haben sich besonders um die Einsatzkräfte gekümmert, die anderen vier um alle anderen Menschen am Ort des tragischen Geschehens. Dazu kamen noch vier Kollegen vom Kriseninterventionsteam.

Das Gespräch führte Johannes Jais

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