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Gerichtstermin vor Ort am Vogelherd in Denklingen. Links Vorsitzender Richter Johann Oswald mit Blick in den Lageplan. 

Innen- oder Außenbereich? 

Streit um Wiese mitten in Denklingen - Richter begutachten sie vor Ort

Ist die Wiese mitten in Denklingen Innen- oder Außenbereich? Das war die entscheidende Frage, die das Verwaltungsgericht München bei einem Ortstermin zu klären hatte.

Denklingen – „Es gibt für diesen Bereich keinen Bebauungsplan“, sagt Denklingens Bürgermeister Andreas Braunegger. Schon vor vier Jahren hatte der Gemeinderat eine Bauvoranfrage mehrheitlich abgelehnt. Die Besitzer der Wiese wollten dort auf dem rund 100 Meter langen Grundstück neben der Straße Am Vogelherd drei Häuser bauen.

„Früher war die Wiese eine Jungviehweide, vor drei Jahren haben wir die Landwirtschaft aufgegeben“, erzählt die Grundstücksbesitzerin. Doch eine Bebauung hat die Gemeinde bisher abgelehnt, „weil es sich um eine Außenbereichsfläche im Innenbereich“ handelt. Dies ist auch der Standpunkt des Landratsamtes in Landsberg.

Grundstücksbesitzer in Denklingen wollen sich mit Entscheidung der Gemeinde nicht zufriedengeben 

Die Grundstücksbesitzer wollten sich damit aber nicht abfinden, zumal in einem anderen ähnlich gelagerten Fall angeblich Baurecht erteilt wurde. Dies forderten sie nun auch für ihr Grundstück. „Es heißt doch immer, man soll keine neuen Baugebiete erschließen, sondern die Baulücken im Innenbereich füllen“, teilten die Grundstücksbesitzer mit. Sie haben Klage beim Verwaltungsgericht in München eingereicht.

Die Beklagten waren das Landratsamt Landsberg in Vertretung des Freistaates Bayern, aber auch die Gemeinde Denklingen ließ sich bei dem Ortstermin von einem Rechtsanwalt vertreten.

Richter begutachten Wiese mitten in Denklingen

Vorsitzender Richter Johann Oswald war zusammen mit zwei hauptamtlichen und zwei ehrenamtlichen Richtern angereist. Vor Ort wollten sie sich ein objektives Bild von der Lage des Grundstücks machen. Außenbereich oder Innenbereich? Immer wieder warf Richter Oswald einen Blick auf den Lageplan und sah sich dann mit seinen Richterkollegen die Wiese und das angrenzende Gelände genau an – nicht nur vor einer Seite. Das Richtergremium marschierte die Vogelherd-Straße hinab und bog dann in die Nelkenstraße ein, um das Hanggrundstück auch von der unteren Seite zu begutachten.

Nach dem Rundgang folgte die mündliche Verhandlung noch vor Ort. Innen- oder Außenbereich? – das war die Kernfrage. Kläger und Beklagten erwarteten gespannt die Entscheidung des Richtergremiums.

Streit um Wiese mitten in Denklingen: So entschieden die Richter

Wie ging das Ganze aus? Das Grundstück sei mehr dem Außenbereich zuzusprechen, deutete der Vorsitzende Richter Johann Oswald an. Er hält die Wiese für eine Außenbereichslage, das Grundstück gleiche mehr einem Freigelände mit Erholungswert, es stelle keine topografische Grenze dar. Gäbe es eine Hangkante, dann könnte man eventuell zu einer anderen Ansicht kommen, meinte der Richter.

Am Tag darauf folgte dann die offizielle Urteilsverkündung in München: „Die Klage der Grundstückseigentümer wird abgewiesen, die Kosten des Verfahrens tragen die Kläger.“

Gemeinde Denklingen sieht sich bestätigt

Die Gemeinde Denklingen sieht sich in dem Urteil des Verwaltungsgerichts bestätigt. Und was sagen die Kläger? Wie ist ihr weiteres Vorgehen? „Das klären wir mit unserem Rechtsanwalt ab, wenn er aus dem Urlaub zurückgekehrt ist“, so die Grundstückseigentümer auf eine Anfrage der Heimatzeitung.

Übrigens: Das Verwaltungsgericht München hat nicht zum ersten Mal in Denklingen getagt. Vor drei Jahren gab es schon einmal einen Ortstermin. Damals ging es um einen Streitfall zwischen der Gemeinde Denklingen und dem Landratsamt Landsberg – ebenfalls wegen der geplanten Bebauung eines Hanggrundstücks im Ort (am Burghart). Damals hatte das Landratsamt das fehlende Einverständnis der Gemeinde ersetzt, was vom Verwaltungsgericht beanstandet worden ist.

VON MICHAEL GRETSCHMANN

In Denklingen ereignete sich am Montag ein kurioser Vorfall: Ein Mann entdeckte im Rückspiegel einen Autofahrer, der ihm mit dem Knüppel drohte.

Außerdem interessant: Die Angst geht um vor Giftködern in Lechbruck, Steingaden und Prem: Fünf Hunde, die jüngst mit ihren Haltern am Lechstausee unterwegs waren, mussten in tierärztliche Behandlung. „Sie waren wie besoffen“, berichtet eine Tierärztin aus Lechbruck. Möglicherweise gibt es aber auch eine natürliche Erklärung dafür.

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