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Das Hirschvogel-Vorstandstrio (v.l.) Frank Anisits, Alfons Hätscher und Thomas Brücher vor dem Neubau des Verwaltungsgebäudes in Denklingen, von dem vorerst nur der Keller fertiggebaut wird.

Denklinger Automobilzulieferer 

Hirschvogel bleibt vorsichtig optimistisch

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Nach Jahren des steilen Wachstums ist die Erfolgskurve beim Denklinger Automobilzulieferer Hirschvogel in der zweiten Jahreshälfte 2018 abgeflacht – statt zweistellig wuchs das Unternehmen „nur“ um 7,5 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro Umsatz. „Jammern auf hohem Niveau“, heißt es bei den Geschäftsführern. Dennoch ist das Unternehmen wachsam und zieht bei einem wichtigen Projekt die Bremse.

Denklingen/Schongau – Dieselkrise, Fahrverbote, neue Zulassungskriterien, Handelsstreit, Brexit, zuletzt die Drohung von US-Präsident Donald Trump, deutsche Autoimporte mit 25 Prozent Strafzöllen zu belegen – das ging auch am erfolgsverwöhnten Unternehmen Hirschvogel mit Stammsitz in Denklingen nicht spurlos vorbei. „Wenn in Deutschland zehntausende Autos weniger produziert werden, spüren wir das natürlich“, sagte Entwicklungs-Vorstand Thomas Brücher. Deshalb sei der deutsche Markt mit rund fünf Prozent schwächer gewachsen als das Unternehmen insgesamt. Dank der florierenden Auslandswerke („USA und Mexiko liefen gut, auch Indien hat zugelegt“) und trotz eines erstmaligen Zulassungs-Rückgang in China konnte ein Ergebnis erzielt werden, „das sich im Vergleich mit der Konkurrenz sehen lassen kann“, sagt Brücher.

Finanz-Vorstand Alfons Hätscher nannte das Umsatz-Wachstum um rund 100 Millionen Euro „ordentlich“, wenn auch deutlich schwächer als in den Vorjahren. Dennoch seien im Vorjahr rund 130 Millionen Euro investiert worden, davon knapp die Hälfte in Deutschland, und eine ähnliche Summe soll es auch dieses Jahr werden – wenn alles einigermaßen glatt läuft.

Doch bei Hirschvogel hat man auf die „Delle im zweiten Halbjahr“ schnell reagiert – man habe die Beschäftigung von Leiharbeitern abgebaut, weshalb die Mitarbeiterzahlen von weltweit 6000 (davon 3800 in Deutschland) nur „im Durchschnitt“ angegeben werden. „Ende Dezember waren es tatsächlich etwas weniger“, sagt Hätscher. Genaue Zahlen, auch zum Gewinn, wurden nicht mitgeteilt. Man wachse aber weiter auf gesundem Niveau. In Denklingen waren zuletzt 2200 Mitarbeiter beschäftigt, in Schongau 950 – weil die neue Halle 9 sich langsam füllt, wird dort sicher dieses Jahr die 1000 erreicht werden. In Denklingen wurde die Halle 16 um einen 160 auf 50 Meter großen Anbau erweitert, dort kam eine neue zehn Millionen Euro teure Halbformpresse unter. Deren Anschaffung wurde sogar gefördert, weil sie mit einem innovativen Konzept weniger Energie verbrauche.

Ungewohnt ist für Hirschvogel, dass Schichten ausgefallen sind. Wobei Produktions-Vorstand Frank Anisits betonte, man müsse nicht rund um die Uhr in 21 Schichten pro Woche arbeiten. „Jetzt fällt am Wochenende die eine oder andere weg, 15 Schichten pro Woche sind auch in Ordnung“, so Anisits. Wobei das Werk in Marksuhl, das mehr im Diesel-Bereich tätig ist, stärker betroffen ist und dort eine Umform-Presse derzeit gar nicht mehr gebraucht wird.

Die Unsicherheit, wie es mit der weltweiten Automobilindustrie weitergeht, hat auch in Denklingen Auswirkungen. Denn der Neubau des Verwaltungsgebäudes, das eine zweistellige Millionensumme kostet, wird gestoppt. „Den Keller bauen wir noch fertig, danach kommt eine Plane drüber und wir warten ab“, sagte Anisits. Sein Kollege Brücher ergänzt, dass man lieber in Projekte investiere, die Wachstum generieren. Er glaubt zwar, dass es keine drastischen Einbrüche geben wird, doch seine Hand legt er dafür nicht ins Feuer. „Wenn Trump die 25-Prozent-Drohung wahr macht, gehen alle am Krückstock.“

Deshalb versucht Hirschvogel wie schon seit Jahren, sich breiter aufzustellen – zum einen mit neuen Partnern (siehe Kasten), zum anderen mit Produkten für E-Mobilität. „Wir wollen Teile herstellen, die sowohl bei E-Autos als auch bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren Absatz finden“, sagte Anisits. Das gelinge auch gut, auch habe man erstmals in Serie Karosserieteile in Serie umgeformt, was es vorher auch nicht gegeben habe. Das Ziel für 2019 sei, so Hätscher, beim Umsatz um neun Prozent zuzulegen. „Das gelingt aber nur, wenn die Querelen ein Ende haben“, so Hätscher. Sonst würden auch die geplanten Investitionen zurückgefahren – und das Verwaltungsgebäude bleibt noch länger ein Keller.

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