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Wenn die Verwaltung 2019 in das neue Rathaus im Gasthof Hirsch zieht, werden die Büros im ersten Stock über der Bankfiliale frei. 

Gemeinderat Denklingen

Arztpraxis darf ins alte Rathaus ziehen

Die Überlegung, im alten Rathaus von Denklingen eine Arztpraxis einzurichten, nimmt konkrete Formen an. Die Gemeinderäte genehmigten die Vorplanung mit der Kostenschätzung, die bei gut einer Million Euro liegt.

Denklingen Mit dem Umbau im alten Rathaus, das sich an der Hauptstraße im ersten Stock über der Raiffeisenbank befindet, kann frühestens dann begonnen werden, wenn die Verwaltung im Herbst 2019 in das neue Rathaus einzieht, das zurzeit im ehemaligen Gasthof Hirsch entsteht. So sieht das weitere Vorgehen aus: Die Gemeinde schließt einen Architektenvertrag mit dem Büro Holzapfel aus Epfach ab. Auftraggeber ist die Grundstücksgemeinschaft, die aus der Raiffeisenbank Fuchstal-Denklingen und aus der Gemeinde besteht. 

Der zweite Schritt ist ein notarieller Vertrag über die Teilungserklärung an diesem Gebäude. Darin werden die Nutzungsrechte geregelt. Festgeschrieben wird aber zudem, wie die Kosten bei den Investitionen und bei den Unterhaltskosten geregelt werden. Diese Immobilie an der Hauptstraße hatten Raiffeisenbank und Gemeinde übrigens in den 70-er Jahren von einem privaten Eigentümer gekauft.

Als drittes wird ein Mietvertrag mit Christina Neumann geschlossen. Sie führt seit einigen Jahren die hausärztliche Praxis in Denklingen, die sie von Dr. Wolfgang Pawlik übernommen hatte. Die Räume befinden sich bisher in einem Haus an der Frühlingstraße im Norden von Denklingen. Die Immobilie – sie gehört Dr. Pawlik, der selbst in Landsberg wohnt – soll aber künftig für andere Zwecke genutzt werden.

Christina Neumann war erstmals Ende 2015 auf die Gemeinde zugekommen mit der Frage, wo sie eventuell die Praxis einrichten könne. Nun steht also fest: Der künftige Standort im alten Rathaus wird es sein. Eine große Mehrheit der Gemeinderäte hat – bei einer Gegenstimme von Max Ebner – den weiteren Schritten das Plazet gegeben. Dort steht eine Fläche von gut 200 Quadratmetern zur Verfügung.

Bürgermeister Andreas Braunegger betonte, die Versorgung der Gemeinde mit einem Arzt gelte es unbedingt zu sichern. Dies sei eine wichtige Aufgabe der Kommune. Immer mehr Ortschaften hätten keine Ärzte mehr. Braunegger betonte, eine Sanierung des alten Rathauses sei so oder so unumgänglich – egal welcher Nutzung es zugeführt werde. Diese Antwort gab er nach einer Anmerkung von Anita Gropp zur Kostenschätzung von 1,04 Millionen Euro. „Bei diesen Umbaukosten werde ich stutzig“, hatte sie gesagt.

Regina Wölfl meinte hingegen, bei so einer Fläche seien Umbaukosten bis 700 000 Euro „ganz normal“. Und dann müsse man noch die hohen Kostensteigerungen im Baugewerbe berücksichtigen. Es wurde auch darüber diskutiert, ob alternativ ein neues Haus errichtet werden soll und stattdessen die Räume im alten Rathaus für den sozialen Wohnungsbau verwendet werden können. Dazu erklärte der geschäftsleitende Beamte Johann Hartmann, ein freistehendes Gebäude mit Grunderwerb komme nicht billiger als der Ausbau im alten Rathaus.

Max Ebner hinterfragte die Wertigkeit. Für einen Arzt investiere die Gemeinde in die Immobilie. Er wollte wissen, wie man verfahre, wenn ein Elektriker mit demselben Ansinnen auf die Gemeinde zugehe. Außerdem erinnerte Ebner daran, dass vor gut zwei Jahren in Epfach ein anderer Arzt den Antrag einreichte, ganz auf eigene Kosten zwischen südlichem Ortsrand und Aussiedlerhof eine Praxis zu errichten. Dieses Vorhaben wurde damals abgelehnt – mit der Begründung, dass es einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild darstelle.

Anton Stahl gab Ebner in einem Punkt Recht; es sei immer mit Risiko behaftet und „mit Vorsicht zu genießen“, einem Unternehmer was hinzustellen. Doch im Fall der Arztpraxis sei dies wegen der medizinischen Versorgung anders zu sehen.

Ebner wies darauf hin, dass die Investitionskosten sich schon in der Miete und in der Dauer des Mietverhältnisses widerspiegeln sollten. Bürgermeister Braunegger meinte dazu nur, ein „Knebelvertrag“ bringe nichts. Zweiter Bürgermeister Norbert Walter rückte vor den Kollegen und Kolleginnen ins Bewusstsein, dass die Ärztin da rein wolle ins alte Rathaus. Man solle da keine Steine in den Weg legen. Am Schluss waren fast alle dafür, das Projekt weiter zu verfolgen. Allein Max Ebner votierte mit Nein.

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