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Im großen Waldgebiet zwischen Dienhausen, Kinsau und Hohenfurch: Rot sind die Standorte der drei Brunnen, blau umrandet ist die Schutzzone II, und dunkelrot ist die große Schutzzone III eingezeichnet.

Denklingen genehmigt Wasserentnahme 

Grünes Licht für Schongaus Brunnen

Weil die drei Brunnen der Stadtwerke Schongau im Staatsforst auf Denklinger Flur liegen, holt das Landsberger Landratsamt auch die Zustimmung der Gemeinderäte ein. Die sagten nun Ja zum Antrag auf Entnahme des Grundwassers und billigten die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes, das in der äußeren Zone sehr weitreichend ist.

Denklingen Warum das Schutzgebiet denn so weit gefasst werde, fragte Markus Sporer in der letzten Sitzung des Gemeinderates nach. Bürgermeister Andreas Braunegger antwortete: „Weil die Fördermenge so groß ist.“ Und Martin Steger schob den Satz hinterher: „Ja, der Wald ist Garant für sauberes Trinkwasser.“ Diesen Satz sprach er freilich aus, weil zuvor über den neuen Brunnen der Gemeinde im Stubental gesprochen wurde; dort reicht das Wasserschutzgebiet in der Zone II bis an das Gebiet heran, wo die – von ihm abgelehnte – Konzentrationsfläche für Windkraft vorgesehen ist.

Die Schutzgebietsgrenzen orientieren sich an hydrogeologischen Gegebenheiten im Brunneneinzugsgebiet. Im Fassungsbereich – das ist die Zone I – wird um alle drei Brunnen im Abstand von zehn Metern ein Zaun gezogen. Für die engere Schutzzone II ergibt sich eine Entfernung von 750 Meter grundwasserstromaufwärts. Sie umfasst eine Fläche von zirka 175 Hektar, die alle auf Flurnummern der Gemarkungen Denklingen, Dienhausen und Epfach liegen.

Die weitere Schutzzone III soll den Schutz vor weitreichenden Beeinträchtigungen durch nicht oder nur schwer abbaubare Schadstoffe gewährleisten. Sie soll im Idealfall das gesamte Brunneneinzugsgebiet abdecken. Die Zone III erstreckt sich auf einer Breite von zirka 1,5 bis zwei Kilometer grundwasserstromaufwärts – wiederum nach Südwesten. Die Zone III schließt eine Fläche von 547 Hektar ein. Betroffen sind Grundstücke in den Gemarkungen Dienhausen, Denklingen, Epfach, Kinsau, Hohenfurch, Schwabniederhofen und Schwabsoien.

Die drei Brunnen reichen zwischen 27 und 35 Meter in die Tiefe. Die Stadtwerke Schongau haben zur Sicherung ihrer Trinkwasserversorgung in dem ausgedehnten Staatsforstgebiet zwischen Hohenfurch und Denklingen im Jahr 2015 diese Anlagen gebaut. Die drei Brunnen stellen in Zukunft ein zweites Standbein für die Wasserversorgung von Schongau dar. Zudem ist im Sinne eines Notverbundes geplant, mehrere Gemeinden anzuschließen, die an der neun Kilometer langen Zuleitung nach Schongau liegen.

Die Stadt Schongau benötigt pro Jahr 1,1 Millionen Kubikmeter Wasser. Zusammen mit dem Wasserverkauf an die Gemeinde Altenstadt sind es 1,35 Millionen Kubikmeter. Der hohe Wasserverbrauch in der Lechstadt hat damit zu tun, dass Betriebe wie die Molkerei Hochland oder die Papierfabrik sehr große Abnehmer sind. Der Verbrauch von Altenstadt ist in etwa mit dem der Gemeinde Denklingen vergleichbar, die aus diesen drei Brunnen der Stadtwerke ebenfalls das kostbare Nass beziehen und damit ein zweites Standbein bekommen wird – neben der geplanten Neufassung im Stubental (Richtung Osterzell).

Der jährliche Wasserverbrauch und die ins Netz einspeiste Menge zeigen in Schongau, dessen Hauptstandbein bisher die Brunnen bei Schwabsoien sind, seit 2010 einen deutlich ansteigenden Trend. Die Verlustmengen liegen über den noch zulässigen Werten. So steht es in einer Expertise des Fachbüros GeoUmweltTeam aus Marktoberdorf (GUT).

Zu berücksichtigen ist bei der Entnahme an den neuen Brunnen im Staatsforst, dass den Zahlen des Statistischen Landesamtes zufolge eine Bevölkerungszunahme in der Stadt Schongau von 8,7 Prozent bis zum Jahr 2035 in der Bedarfsprognose zugrunde gelegt wird. Ebenso ist zu bedenken, dass die Gemeinden Denklingen, Hohenfurch und Kinsau mit Übergabeschächten an die Zubringerleitung angeschlossen werden. Die vertraglich festgelegte jährliche Abgabe an die Gemeinden wird 112 000 Kubikmeter im Jahr betragen.

Johannes Jais

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