Sagen klar an, wo sie bei der Betreuung in der Kita Verbesserungsbedarf sehen: Nina Andrzejewski (l.), Nadine Rullik und ihr Mann Michael.
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Sagen klar an, wo sie bei der Betreuung in der Kita Verbesserungsbedarf sehen: Nina Andrzejewski (l.), Nadine Rullik und ihr Mann Michael.

„Ständiges Kommen und Gehen“

Eltern beklagen Personalmisere in Denklinger Kita - Träger widerspricht entschieden

Einen „Hilferuf“ machen mehrere Eltern nun öffentlich. Sie sprechen unter anderem von einer Personalmisere im Denklinger Kindergarten. Der Träger widerspricht den Vorwürfen.

Denklingen – Von einer Personalmisere im Denklinger Kindergarten sprechen einige Eltern. Häufige Wechsel in den Gruppen würden zusammen mit dem Einsatz von Praktikanten und Aushilfen Unruhe verursachen, die sich auf die Kinder übertragen. Auch das Verletzen der Aufsichtspflicht wird bemängelt.

Betreiber der Kindertagesstätte (Kita) ist seit Januar 2020 der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes, das im Landkreis Landsberg bei neun Kindergärten die Trägerschaft innehat. Dem Vorwurf, es fehle an Personal, widerspricht Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner entschieden. In Denklingen seien annähernd 20 pädagogische Fachkräfte angestellt; diese Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Berufspraktikantinnen kümmern sich um die 115 Buben und Mädchen, die in vier Regelgruppen und in der Krippe betreut werden. Im Denklinger Kindergarten treffe eine Fachkraft auf neun Kinder. Gefordert wird vom Gesetzgeber eine Fachkraft für zehn Kinder. Als das Rote Kreuz die Trägerschaft übernommen habe, sei es beim Personal tatsächlich „Spitz auf Knopf“ gestanden, blickt Kreisgeschäftsführer Lehner zurück. Doch da habe sich viel getan. Im vergangenen September seien etwa fünf Mitarbeiterinnen eingestellt worden.

Eltern beklagen sich über Denklinger Kita

Doch drei Mütter und ein Vater machen einen „Hilferuf“ öffentlich. Es seien ungewöhnlich viele Praktikanten und Hilfskräfte im Einsatz, schildert Nadine Rullik, die früher selbst zwei Jahre Elternbeiratsvorsitzende war und deren Sohn jetzt in die Vorschulgruppe geht. Es würden sogar Eltern als Hilfskräfte eingesetzt. Nina Andrzejewski spricht von vielen internen Wechseln in den Gruppen. Sie hat schon festgestellt, dass in der Früh niemand das Telefon abnimmt, als sie ihren Sohn wegen Erkrankung abmelden wollte. Zusammen mit einer weiteren Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, vermisst sie Aktivitäten wie Gruppenarbeit, Basteln oder mal ein gemeinsames Frühstück.

Michael Rullik setzt noch einen drauf. In der Sonnengruppe, wo die Kinder des letzten Jahrganges sind, würde so gut wie keine Vorschularbeit geleistet. Einmal in der Woche komme die Lehrerin von der Grundschule.

Frühere Mitarbeiterin spricht von „ständigem Kommen und Gehen“ beim Personal

Ein weiterer Wunsch der Eltern: mehr Sorgfalt in der Aufsichtspflicht. Wenn Kinder sich verletzen, könne man beim Personal mitunter nicht erfragen, wie es dazu gekommen sei. Nadine und Michael Rullik sagen dazu, dass ihrem Sohn beim Spielen zwei Zähne wacklig geschlagen wurden und die einzige Aufsicht im Raum eine Praktikantin gewesen sei.

Eine frühere Mitarbeiterin, die gekündigt hat, bestätigt ein „ständiges Kommen und Gehen“ beim Personal. Es seien vermehrt Teilzeitkräfte im Einsatz. Die Buben und Mädchen bräuchten ebenso wie die Eltern „einen roten Faden“, an dem sie sich orientieren können, sagt die Mitarbeiterin, die zudem festgestellt hat, dass „unbequeme Eltern“ nicht so erwünscht seien.

Kita Denklingen: Das sagt der Träger zu den Vorwürfen

„Natürlich kann man’s nicht jedem Recht machen“, erwidert Andreas Lehner, Chef des BRK-Kreisverbandes Landsberg. Er räumt ein, dass ein Trägerwechsel auch Unruhe reinbringe. Schließlich habe das Rote Kreuz „Strukturen vorgefunden, die es zu ändern galt“. Aber inzwischen habe man in der Denklinger Kita eine „deutlich bessere Situation“ als bei der Übernahme. Das würde ihm von Seiten der Gemeinde so bestätigt. Auch vom Elternbeirat sei keine Beschwerde an die Leiterin des Kindergartens oder an das BRK Landsberg herangetragen worden.

Berücksichtigen müsse man, dass ein Großteil der Mitarbeiterinnen mit Rücksicht auf die eigene Familie in Teilzeit (meist vormittags) arbeiten wolle. Zum anderen sei die Arbeit unter Corona „sehr anstrengend und hoch belastend“, so Lehner.  

Johannes Jais

Lesen Sie auch: In Schongau gibt es einen personellen Engpass in den städtischen Kindergärten. An zwei Tagen musste nun im Kindergarten Kunterbunt jeweils eine Gruppe geschlossen werden.

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