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Kunstpreis für Denklinger Bildhauerin

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Wo die Ideen in Kunstwerke umgesetzt werden: Cornelia Rapp im hellen Atelier in Denklingen.
Wo die Ideen in Kunstwerke umgesetzt werden: Cornelia Rapp im hellen Atelier in Denklingen. © Johannes Jais

Sie ist kreativ, sie ist mutig, und sie zeigt Ausdauer in ihrem Beruf: Bildhauerin Cornelia Rapp aus Denklingen ist für 2020 mit einem Kunstpreis ausgezeichnet worden.

Denklingen – Heuer sind es – das ist ein Novum – zwei Preisträger: Ebenso wie Cornelia Rapp wird auch Helmut Kästl aus Greifenberg mit dem Kunstpreis gewürdigt. Die Verleihung sollte eigentlich im Mai in Landsberg erfolgen. Der Termin wurde wegen Corona verschoben. Er soll nachgeholt werden. Ein genaues Datum steht noch nicht fest, sagt dazu Wolfgang Müller vom Landratsamt.

Seit 30 Jahren ist Cornelia Rapp in Denklingen zu Hause. Ihr Mann ist der Bildhauer Josef Lang (72), der vor allem mit Figuren erfolgreich ist. Die zwei Kinder sind erwachsen. Tochter Laura (31) lebt in München und arbeitet als Kunsthistorikerin. Sohn Jakob (21) wohnt noch zu Hause.

Oben an der Bergstraße in Denklingen steht das Häuschen des Künstlerehepaares. Der Weg dorthin ist am Schluss gar steil. Das breitgezogene Atelier mit den großen Fensterscheiben befindet sich auf der Anhöhe gleich neben der Wohnung. Jeder hat seinen eigenen Bereich. Zwischen dem Atelier der Künstlerin und der Werkstatt des Bildhauers ist eine Mauer eingezogen. Eine Tür zum Durchgehen gibt es nicht.

Geboren wurde Cornelia Rapp in Berlin. 1961 zog sie mit den Eltern und Geschwistern nach Langenried bei Peiting. Nach dem Fachabitur machte sie eine Lehre als Holzbildhauerin. Daran schloss sich das Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie München an. Seit 1989 ist Cornelia Rapp freischaffend tätig.

Ihre Mutter ist 97 Jahre und lebt in Hohenpeißenberg. Die älteste Schwester ist in Schongau zu Hause, die jüngere hat in Landsberg eine Modeboutique. Wenn Cornelia Rapp über die grundsätzliche Haltung sinniert, kommt sie auf ihren verstorbenen Vater zu sprechen. Ihr Leitgedanke: „Eigenständig meinen Weg gehen und mich nicht an anderen orientieren. Da denke ich an meinen Vater. Der war ein Unternehmer, wie er im Buche steht.“

Die Bildhauerin, die Rauminstallationen konzipiert, reagiert bei ihren Arbeiten auf Orte, auf historische Umgebung und nimmt Bezug zur Geschichte. Es sei ihr dabei wichtig, auf den Auftraggeber und auf den Raum einzugehen, bekundet die Künstlerin.

Die Konzepte entstünden oft nachts. Dabei gehört Cornelia Rapp zu den Frühaufstehern. Sie versorgt Hund und Katz; auch füttert sie die Pferde. Meist arbeitet sie fünf bis sechs Stunden konzentriert im Atelier. Erst gegen zwei Uhr nachmittags geht sie rüber ins Haus zum Kochen und zum Essen. Am mittleren Nachmittag gönnt sie sich Ruhe, ehe sie sich am frühen Abend nochmals der Arbeit widmet.

Ebenso wie Kreativität und Ausdauer ist Cornelia Rapp der Mut ein Anliegen. So hat sie letztes Jahr zu den Kreiskulturtagen eine Ausstellung als Ton- und Lichtinstallation im früheren Kuhstall neben dem neuen Denklinger Rathaus genau zu diesem Thema gestaltet. In der gründlichen Vorbereitung dazu hatte sie 160 Frauen und Männer im Dorf gefragt, was sie unter Mut verstehen.

Aufträge bekommt Cornelia Rapp sowohl von öffentlicher als auch von privater Seite. Das hält sich die Waage. Für den Wohnturm „Tower 7“ in München hat sie die Kunst am Bau mit einem sieben Meter langen Glaselement bereichert.

Glasskulpturen in blauer Farbe – als Symbol für Ruhe, Frieden und Himmel – finden sich in einem aktuellen Projekt in Gundelfingen an der Donau, wo die Kunstschaffende aus Denklingen zusammen mit einem Münchner Landschaftsarchitekten beim Wettbewerb zur Gestaltung der Gedenkstätte 2016 den Zuschlag erhielt. Ein zentrales Element der Gedenkstätte bilden dabei drei Stelen, die blaues Glas als zentrales Element haben. Dazu hat die Künstlerin auch die Texte gemacht.

Mit 63 Jahren denkt die Künstlerin, die früher zehn Jahre lang regelmäßig kreative Stunden im Kinderatelier angeboten hatte, noch lange nicht ans Aufhören. „Weitermachen“ ist die Devise. Der Maler und Bildhauer Helmut Kästl aus Greifenberg, ebenfalls Preisträger des insgesamt mit 4000 Euro dotierten Kunstpreises des Landkreises Landsberg, ist 85 Jahre.

Johannes Jais

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